Steckbrief: Zwergkrallenfrosch | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Zwergkrallenfrosch

Hier erfahren Sie alles über Lebensweise, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Zwergkrallenfrosches.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Zwergkrallenfrösche tragen Schwimmhäute zwischen den Fingern – Große Krallenfrösche nicht.

Typische Merkmale

  • Körperlänge: 3 - 4 cm
  • Lebenserwartung: 10 - 15 Jahre
  • Verbreitung: Afrika (Nigeria, Kamerun)
  • Lebensraum: kleine Urwaldtümpel, schattige Weiher
  • Lebensweise: gesellig, dämmerungs- und nachtaktiv
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Anura ( Froschlurche ), Unterordnung: Mesobatrachia
  • Familie: Pipidae (Zungenlose)
  • Gattung: Hymenochirus (Zwergkrallenfrösche)
  • Art: Zwergkrallenfrosch (Hymenochirus boettgeri)

Aussehen

Die Oberseite ist hell- bis mittelbraun gefärbt, kann aber auch dunkelgrau sein. Dunkle Punkte und kleine Flecken auf der rauen Haut sind individuell angeordnet. Die Unterseite ist hell bis weißlich. Bei beiden Geschlechtern zieht sich ein dunkler Streifen beidseitig vom Maul bis hinter die Augen. Der Kopf ist flach und leicht gestreckt, was dem Maul eine etwas spitze Form gibt. Der Körper ist flach geformt, besonders die adulten (ausgewachsenen) Weibchen haben längs eine leichte Einbuchtung auf dem Rücken. Die Vorderglieder sind im Vergleich zu anderen Froscharten recht schmal, sie enden in einer winzigen „Hand“ mit vier Fingern. Die jeweils fünf Zehen an den Hinterbeinen sind mit Schwimmhäuten ausgestattet, wobei die drei Innenzehen je eine schwarze Hornkralle tragen. Diese sind der Grund für die Namensgebung der Krallenfrösche.

Nachwuchs und Aufzucht

Die drollig wirkenden Gesellen selbst nachzuzüchten ist immer ein Erlebnis. Von der interessanten Paarung bis über die Metamorphose lässt sich bestaunen, wie aus kleinen Punkten junge Frösche werden! Den Männchen schwillt zur Paarungszeit die sog. Postaxillardrüse unter den „Achseln“ an, die sonst als schwacher Punkt erkennbar ist. Nur bei genauem Hinsehen kann sie zur Geschlechterunterscheidung herangezogen werden, was besonders bei Jungfröschen schwierig ist. Deutlicher zu erkennen ist dagegen der Armumfang: Die Männchen haben kräftigere Vorderglieder als die Weibchen, denn diese müssen zur Paarung in der Leistengegend fest umklammert werden.
Damit die Männchen nicht so leicht abgestreift werden können, passt ihr Kopf genau in die Mulde auf dem Rücken des Weibchens.
So geben sie nach den sog. Paarungs-Loopings –  oder „Turnovers“ – ihre Eier in Portionen zu je fünf bis zehn einfach an der Wasseroberfläche ab. Die Kleinen schlüpfen nach drei bis vier Tagen und müssen spätestens jetzt nun von den Eltern getrennt werden. Die Winzlinge, die dann zu Kaulquappen werden, ernähren sich von Plankton. Je nach Temperatur und Futterangebot ist die Metamorphose nach etwa drei bis vier Monaten abgeschlossen, und aus den Kiemenatmern werden lungenatmende Frösche.

Lebensweise und Verhalten

Die charmant wirkenden Amphibien sind ausgesprochen gesellig, auch wenn beim Füttern einer mal das Bein des anderen zu fassen kriegt und man sich in wilden Drehungen irgendwie einigen muss. Sie lieben strömungsarme und schattige Gewässer mit viel Kraut zum Verstecken. In den Ruhephasen am Tag verbergen sie sich allein oder zu mehreren gern am Grund in flachen Verstecken aus Wurzeln und Steinen. Am Nachmittag lassen sie sich auch an der Wasseroberfläche auf Schwimmblättern beobachten, wenn sie die Nase oder auch den halben Oberkörper aus dem Wasser recken. Ihre aquatile Lebensweise ist also nicht so streng wassergebunden, wie früher vermutet wurde. In ihrer natürlicher Umgebung halten sie sich gelegentlich in feuchten Laubhaufen am Ufer auf. In ungewöhnlichen Notlagen wie etwa Austrocknung verlassen die kleinen Frösche ihr angestammtes Gewässer sogar, um sich einen neuen Lebensraum zu suchen. Geschichten von Ausbrüchen aus Aquarien mit schier unfroschlichen Anstrengungen könnten daher auf dauerhaft sehr schlechte Lebensbedingungen zurückzuführen sein. Am frühen Abend kommt Leben in die Truppe – der Magen meldet sich, und man streicht auf Nahrungssuche umher, teilweise die Nase am Boden. Wie alle Frösche sind auch Zwergkrallenfrösche in erster Linie Räuber und stellen allem nach, was sich bewegt. Da kann schon mal versehentlich eine Schnecke im Maul landen, die aber gleich wieder ausgespuckt wird. Die Bewegungen von Kleinkrebsen u.ä. werden mit den Sinneszellen der Haut aufgenommen, die Beute wird anschließend mit den Augen fixiert, dann wird zugeschnappt - gelegentliches Anschleichen übrigens nicht ausgeschlossen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Die Sinneszellen am Körper helfen nicht nur bei Nahrungssuche und der Ortung potenzieller Partner: Die Frösche ruhen gern gemeinsam und pflegen dabei ausgiebig körperliche Kontakte. Ihre wunderschönen Augen können zwar gut Bewegungen sehen, aber Farben wohl eher nicht. Da sie auch mit ihren Stimmen kommunizieren, hilft das gut entwickelte Gehör bei der Abgrenzung der kleinen Territorien sowie der Partnerwahl. Zu diesem Zweck sowie natürlich auch zur Nahrungssuche ist zusätzlich der Geruchssinn gut entwickelt. Er hilft den Fröschen dabei, unbewegliche Nahrung wie Frostfutter oder in ihrer natürlichen Umgebung tote Tiere aufzuspüren und zu fressen.

Ernährung

In der Natur fressen Zwergkrallenfrösche bevorzugt Lebendfutter in Form von Kleinkrebsen und Insektenlarven, sie verschmähen jedoch auch Aas nicht. In menschlicher Obhut lernen sie daher früh, auch Frostfutter anzunehmen. Die meisten Zwergkrallenfrösche in der Aquaristik entstammen zwar Nachzuchten, gleichwohl sollten sie regelmäßig ihrer Natur folgen können und auf die Jagd gehen. Frostfutter sollte kontrastreich zum Boden sein, denn der Hauptreiz - die Bewegung der Nahrung - fehlt. Geeignet sind z.B. Rote und Schwarze Mückenlarven, große Wasserflöhe und Tubifex. Als Lebendfutter sind ebenfalls Wasserflöhe sehr beliebt und natürlich im Sommer Mückenlarven sowie Wasserflöhe aus natürlichen Gewässern und/oder Regentonnen u.ä. Gelegentlich dürfen es auch die salzigen Artemien sein, die sich unter den im Handel angebotenen Lebendfuttertieren besonders gut halten.
Insgesamt sollte die Ernährung abwechslungsreich sein und gelegentliche Vitamingaben sowie ggf. Calcium enthalten.

Haltung

Zwergkrallenfrösche lassen sich recht einfach in strömungsarmen Gesellschaftsaquarien mit kleinen friedlichen Fischen pflegen, bedenkt man ihre räuberische Art und berücksichtigt auch ihre Bedürfnisse. Dazu gehört unter anderem, den Wasserspiegel etwas abzusenken, um auch die Wasseroberfläche als Lebensraum nutzen zu können. Sie lassen sich bereits in kleinen Aquarien pflegen, solange genug Schwimmraum zur Verfügung steht. Kleiner als 40 cm Kantenlänge sollte es keinesfalls sein, optimal sind 60 cm oder mehr. Viele Pflanzen mit großzügigen schattigen Bereichen sorgen für ausreichend Ruheplätze. Das Wasser sollte warm sein, etwa bei 23 bis 25° C, und darf eher weich sein.
Aufgrund ihrer Geselligkeit mit den dazugehörigen Verhaltensweisen sollten Zwergkrallenfrösche keinesfalls alleine gepflegt werden, ein bis zwei Männchen mit mehreren Weibchen bilden die Grundlage für eine Gruppe. Je mehr Individuen zusammenleben dürfen, desto besser für sie, wobei gleichwohl der zur Verfügung stehende Raum nicht überbesetzt sein darf.

Hätten Sie’s gewusst ?

Gelegentlich tauchen junge Große Krallenfrösche im Zoohandel unter der Bezeichnung „Zwergkrallenfrösche“ auf. Ein unverwechselbares Merkmal befindet sich an den Vordergliedmaßen: Zwergkrallenfrösche tragen Schwimmhäute zwischen den Fingern – Große Krallenfrösche nicht.

Lesenswerte Links

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren