Haltung von Groß- und Wassergeflügel | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Groß- und Wassergeflügel

Die Geflügelrassen unterscheiden sich nicht nur optisch, sie haben auch unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung. So sind Perlhühner gemäß ihrer afrikanischen Herkunft zum Beispiel wärmebedürftiger als andere Geflügelarten.
 
Haltung von Groß- und Wassergeflügel © Jeff Gyanane / Fotolia
Wie sieht artgerechte Haltung von Groß- und Wassergeflügel aus?

Gänse

Bei der Stallanlage für Gänse ist das Stallklima von untergeordneter Bedeutung. Allerdings sollten die Tiere nachts frostfrei untergebracht werden, was besonders im Frühjahr zur Gewinnung von Bruteiern Voraussetzung ist. Zu hohes Stallklima (über 25 Grad) beeinträchtigt jedoch die Legeleistung und Befruchtung. Das Stallmaß für einen Zuchtstamm (1 Ganter, 2 Gänse) kann 2,00 m auf 1,60 m betragen. Ausreichende Lüftung und Einstreu mit hoher Saugfähigkeit sind im Gänsestall nötig. Für jede Gans ist eine separate Legebox vorzusehen. Meistens legt jede Gans in ein eigenes Nest, so dass Nesterkontrollen entbehrlich sind. Gänse als Weidetiere benötigen unbedingt eine größere Grasflache, die möglichst vielfältig mit Kräuterpflanzen bewachsen ist. Außerdem ist den Tieren ausreichend Badegelegenheit zu bieten, falls nicht ohnehin ein Teich oder Bachlauf zur Verfügung steht.

Enten

Ähnlich wie bei Gänsen benötigen Enten wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Kälte und Nässe nicht unbedingt isolierte Unterkünfte. Allerdings müssen die Ställe zugluftfrei und trocken sein. Für vier Tiere genügt eine Stallfläche von 1 m, Stallanlage und Einrichtung entsprechen denen der Puten, Perlhühner und Gänse. Zu achten ist auf saubere Einstreu aus Kurzstroh oder Hobelspänen, da Enten wegen ihrer empfindlichen Füße keinen Dauerfrost vertragen können. Die Stalltemperatur kann zwischen 5 Grad und 20 grad schwanken. Zu Beginn der Brutzeit soll die Temperatur im Innenstall mindestens 9 Grad betragen. Die Luftfeuchtigkeit darf nicht höher als 80  Prozent sein, da sonst die Eier verschmutzen.

Im Freilauf sind Enten vor Frost zu schützen, da sonst die Füße erfrieren können. Gefrorenes Futter ist schädlich, daher ist die Fütterung im Innenstall vorzunehmen. Für die meisten Entenrassen genügen Nistkästen zur Eiablage von 50 cm x 50 cm; Warzenenten dagegen benötigen Kästen von 35 cm x 40 cm. Die Legestellen sind mit Stroh oder Sand aufzufüllen. Bei der Fütterung und Tränke ist zu beachten, dass die jeweiligen Gefäße möglichst weit auseinderstehen, da sonst die Tiere durch gleichzeitige Futter- und Wasseraufnahme das Futter vergeuden. Zur Säuberung von Schnäbeln und Augen tauchen Enten die Köpfe ganz in die Trinkgefässe ein. Daher müssen sie entsprechend tief genug sein. Beim Weideauslauf kann man Areale so unterteilen, dass die Tiere wechselweise die Weiden nutzen können. Nach spätestens fünf Jahren muss die Weidefläche umgebrochen und neu eingesät werden, Ist der Bewuchs dicht, rechnet man für eine Ente mindestens 10 m Auslauffläche. Bei den schweren Rassen mit geringer Flugfähigkeit genügt eine Umzäunung von 70 cm Höhe. Schwimmwasser gehört einfach zur Entenhaltung, Wenn kein Naturwasser zur Verfügung steht, kann man Behälter in die Erde einlassen, in denen die Tiere sich artgerecht waschen und putzen können. Natürliche Teiche und Bäche haben den Vorteil, dass die Enten Kleinlebewesen und Pflanzenstoffe aus dem Wasser als ideale Nahrung zu sich nehmen können.

Puten

Puten benötigen frostgeschützte Ställe mit einer Fläche von 0,75 bis 1, 6 m für die einzelne Zuchtpute. Außerdem ist Weideauslauf für die artgerechte Haltung erforderlich. Zu beachten ist, dass der Stallboden gegen aufsteigende Erdfeuchte gut zu isolieren ist und das Dach eine Wärmedämmung hat. Zur Sicherung des Luftsauerstoffgehaltes und zur Beseitigung von Schadgasen ist eine entsprechende Lüftung wichtig.

Perlhühner

Die Unterbringung der Perlhühner in Stall und Auslauf ist grundsätzlich identisch mit der von Hühnern und Puten. Perlhühner sind gemäß ihrer afrikanischen Herkunft etwas wärmebedürftiger als andere Geflügelarten. Für Haus-, bzw. Rassenerltnner wird ein Wärmeoptimum von ca. 18 - 22 Grad angegeben. Während der Zuchtzeit muss die Stalltemperatur mindestens 15 Grad betragen. Bei 20 Grad Innenwärme ist ein Luftfeuchtigkeitsgehalt von 55 - 60 Prozent günstig. Die Stalleinrichtung ist die gleiche wie bei Hühnern, allerdings müssen die Legenester unbedingt an ruhigen und halbdunklen Plätzen eingerichtet werden, da die relativ scheuen Perlhennen zur Eiablage solche Stellen bevorzugen. Geräumiger Auslauf, bewachsen mit einer guten Grasnarbe und halbhohen Büschen, bieten den wildhuhnähnlichen Tieren ein naturnahes Biotop.

Perlhühner sind sehr flugtüchtig und können auch über hohe Zäune fliegen, so dass eine Netz- oder Drahtüberspannung angebracht werden müssen, um Entweichungen zu vermeiden. Wo die Möglichkeit besteht, Perlhühner im völligen Freilauf zu halten, etwa in Ortsrandgebieten mit Waldnähe, ist die Haltungsform nicht nur für die Tiere optimal, sondern bietet für den Züchter eine zusätzliche Möglichkeit, das Wildnaturell seiner Tiere richtig kennenzulernen. Allerdings sind Gefahren durch Greifvögel, Füchse, Marder, Katzen und Hunde zu bedenken. (Dr. Horst Schmidt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren