Zucht von Rindern | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Zucht von Rindern

„Milch macht müde Männer munter!" – Dieser Spruch aus der Werbung ist nicht von der Hand zu weisen! Aber woher kommt denn der gesunde Muntermacher, der auf kaum einem gesunden Frühstückstisch heutzutage fehlt?
 
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Mit der Geburt des Kalbes setzt bei der Kuh die Milchbildung ein.

Erst das Kalb…

Eine Kuh muss, um Milch zu geben, erst einmal ein Kalb bekommen. Kälber nennt man die neugeborenen Rinder bis etwa zum 4. Lebensmonat. Danach heißen sie „Fresser“. Die heranwachsenden Rinder ab einem Jahr sind zum einen Jungstiere oder Farren (männlich), zum anderen Färsen oder Kalbinnen (weiblich). Erst nach dem ersten Abkalben nennt man ein weibliches Rind Kuh. Erwachsene männliche Tiere sind Bullen oder Stiere, werden sie kastriert, heißen sie Ochsen.

Rinder erreichen die Geschlechtsreife, abhängig von ihrer Rasse, früher oder später. So können frühreife Rassen wie zum Beispiel das Gelbvieh bereits mit 25 bis 28 Monaten das erste Kalb bekommen, spätreife dagegen wie etwa das Yak sind erst mit sechs bis acht Jahren geschlechtsreif.

Die Tragzeit beträgt bei Kühen etwa neun Monate, auch hier gibt es rassespezifisch leichte Unterschiede. Für die Abkalbung zieht sich die Kuh in der Regel von der Herde zurück und bringt das Kalb (selten gibt es Zwillings- oder Mehrlingsgeburten) alleine zur Welt. Bereits wenige Stunden nach der Geburt steht ein Kalb sicher auf den Beinen und kehrt mit der Mutter zur Herde zurück. Problematisch kann die Kalbung bei einigen hochgezüchteten Rassen werden. So ist beispielsweise die Schwergeburtenrate bei Charolais-Kühen relativ hoch, da diesen Tieren für eine möglichst hohe Fleischausbeute extrem stark ausgebildete Muskeln an Lende und Keule angezüchtet wurden. Auch Erstkalbinnen der Milchhochleistungsrassen müssen häufig vom Tierarzt per Kaiserschnitt entbunden werden.

…dann die Milch

Mit der Geburt des Kalbes setzt bei der Kuh die Milchbildung ein. In den ersten zwei Tagen saugt das Kalb die sogenannte Biest- oder auch Kolostralmilch, die reich an Mineralstoffen und Vitaminen ist und dem Kalb wichtige mütterliche Antikörper zuführt, um es vor den Keimen in seiner Umgebung zu schützen. Das Immunsystem des Neugeborenen funktioniert zu dieser Zeit noch nicht richtig, so dass es auf diesen Schutzmechanismus angewiesen ist. Nach dem 2. Lebenstag schließt sich beim Kalb die so genannte Blut-Darm-Schranke, es kann von da an keine Antikörper mehr von außen aufnehmen, sondern der Körper muss nun selber mit der Abwehr von Krankheiten klarkommen.
Soll eine Kuh zur Milchgewinnung dienen, so wird das Kalb kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt und mit „Milchaustauschern“ gefüttert. Die gute Kuhmilch kann nach etwa drei Tagen, wenn die Biestmilch abgemolken und an das Kalb verfüttert wurde, für den Eigenbedarf oder zur Weitergabe an die Molkerei gewonnen werden. Gemolken wird in der Regel zweimal täglich. Im Durchschnitt geben Kühe in einer Laktationsperiode ca. 5.000 bis 6.000 Liter (entspr. Kilogramm) Milch, Hochleistungstiere wie etwa Holstein-Friesian schaffen gut das Doppelte.

Die Sache mit dem Stier

Die Besamung der Kühe erfolgt heutzutage zumeist nicht natürlich, indem Bulle und Kuh zusammengebracht werden, sondern das Bullensperma wird gewonnen, tiefgefroren und bei Bedarf vom Tierarzt in die Kuh eingeführt. In extensiven Haltungssystemen wie etwa der Mutterkuhhaltung läuft dagegen ständig oder zumindest in der Paarungszeit der Bulle in der Herde mit.
Die Zwischenkalbezeit, also die Zeit von einer Geburt zur nächsten, liegt für Milchkühe bei etwa einem Jahr. Der beste Zeitpunkt für die Besamung ist circa sechs bis acht Wochen nach der Geburt des Kalbes. Spätestens sechs Wochen vor dem Geburtstermin werden Kühe „trockengestellt“, das heißt nicht mehr gemolken. In dieser Zeit wächst das Ungeborene besonders schnell, wofür viel Energie der Mutter verbraucht wird. Zudem kann die Kuh durch das immer größer werdende Kalb in ihrem Bauch nicht mehr so große Futtermengen aufnehmen wie sonst. Ist das Kalb dann geboren, beginnt die Milchbildung erneut.

Langlebige, robuste Rassen können durchaus 10 bis 15 Kälber zur Welt bringen. Hochleistungstiere sind dagegen meist schon nach vier bis sechs Jahren „verbraucht“ und werden geschlachtet. Männliche Kälber, die nicht zur Zucht verwendet werden sollen, dienen nach der Mast der Fleischgewinnung.(Heike Pankatz)
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