Degus leben nur im Familienverbund glücklich

Weil sie tagaktiv sind und leichter zahm werden als Chinchilla oder Rennmaus, finden immer mehr Degus ein Zuhause in unseren Wohnungen. Doch nicht alle sind richtig untergebracht und können degu-gerecht leben.
 
Weil sie den ganzen Tag nur herumsaß, landete Funny als Dreijährige im Tierheim. Zu ihrem Glück. Denn von dort zog sie zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Traumgehege ein – zusammen mit zwei weiteren Weibchen und einem Bock. Weil die vier gleichzeitig einander gegenseitig und jeder auch das neue Zuhause kennenlernen mussten, gab es keine Reibereien. Nach wenigen Stunden aufgeregten Ablaufens der Wände, Ausweichen bei jedem Treff, Warnklopfen zum Abreagieren und heftiger Gipfelstürme mit Absprung in die Tiefe aus gleichem Grund kehrte Ruhe ein. Und schon eine Woche später war aus einem Haufen apathischer Einzeltiere ein inniger Clan geworden, dem Fritz, der kastrierte Bock, als Pate vorstand.

Achtung: scharfe Zähne und Knabberwut!

Das ideale Degu-Gehege ist höher als lang und breit. Und es sollte mindestens einen Quadratmeter Grundfläche haben, je mehr, destoe besser. Vogelvolieren mit sehr starkem Drahtgitter (z.B. für Kakadus) oder Glasvitrinen bzw. Terrarien widerstehen den scharfen Deguzähnen am besten. Bei der Einrichtung können Sie Ihre Fantasie walten lassen: Handelsübliche Einstreu, die Feuchtigkeit aufsaugt, darf natürlich nicht fehlen. Drüber machen sich Wurzelstücke, massivere Holzscheite und ein oder zwei Findlingssteine gut. Kork und Weichholz zerlegen Degus in kürzester Zeit zu Baumaterial. Alle anderen weichen Materialien auch, deshalb dürfen Sie niemals Plastikteile in den Degukäfig geben oder andere unverträgliche Materialien. Weil die meisten Degus auch das eigene Haus blitzschnell zerlegen, wählen Sie lieber einen Terrakotta- oder Tontopf als Deguhaus. Tonröhren oder Ziegelsteine nutzen Degus zusätzlich als „Waschstraßen“: Sie schubbern sich dran, um tote Haare, Staub und andere Fremdkörper aus dem Fell zu scheuern. Dazu nutzen sie auch Chinchilla-Badewannen mit Quarz- oder Chinchillasand – allerdings sehr temperamentvoll.

Die Männchen wollen hoch hinaus

In der Degu-Familie herrscht Arbeitsteilung. Der Bock bewacht seinen Harem von oben. Dazu baut er notfalls auch einen Turm aus allem, was ihm vor die Schnauze kommt. Solche Degu-Hügel sind wahre Kunstwerke aus Kleinholz, Pappe, Stofffetzen, Zweigen, Blättern, die der Bock fleißig aufeinanderhäuft und miteinander verkeilt. Basis ist meistens der Bau, also das Schlafhaus, über dem sich dann die Wachstation türmt. Auf der Spitze balanciert der Bock meistens auf zwei Beinen und überblickt das gesamte Terrain. Sein Harem am Boden durchstöbert derweil das Gelände, sucht nach Fressbarem, schafft Polstermaterial in den Bau, betreibt Körperpflege oder schafft neues Baumaterial durch Zernagen von Zweigen und Holz.

Solange die Weibchen nicht trächtig sind (z.B. weil der Bock kastriert ist), bleibt ihnen auch viel Zeit zum Spielen, die sie übermütig nutzen, bis das Trommeln mit den Hinterläufen oder der schrille Warnpfiff sie blitzartig alle miteinander im Bau verschwinden lässt. Der Bock wartet in der Regel, bis seine Familie in Sicherheit ist, bevor er sich nach unten fallen lässt und ebenfalls in den Bau flieht. Solche Schauspiele zeigen Degus tagsüber und öffentlich. Denn wenn sie erst einmal Vertrauen zu ihren Menschen gefasst haben, werden sie schnell zahm, neugierig und noch unternehmungslustiger. Verhalten & Beschäftigung :
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