Typische Krankheiten bei Ratten | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Typische Krankheiten bei Ratten

Eine Erkrankung erkennen Sie bei Ratten oft erst sehr spät. Achten Sie daher auf kleinste Veränderungen und Anzeichen einer Krankheit.
 
Pflege & Gesundheit :Farbratten versuchen zu verbergen, wenn sie krank sind. Das liegt daran, dass ein krankes Beutetier einem Raubtier eher zum Opfer fällt als ein gesundes. Wird eine Erkrankung zu spät entdeckt, kann es oftmals schon zu spät sein. Umso wichtiger ist es, dass Sie erste Krankheitssymptome frühzeitig erkennen und umgehend von einem Tierarzt behandeln lassen. Diese Auflistung einiger Krankheiten kann Ihnen helfen, erste Krankheitsanzeichen richtig zu deuten. Zur Krankheitsvorbeugung sollten Sie grundsätzlich auf eine tiergerechte Unterbringung und Ernährung sowie eine gute Hygiene achten.

Abszesse und Tumoren

Unter der Haut Ihrer Ratten können sich Abszesse bilden, die als Verdickung erkenn- und ertastbar sind. Ursache für Abszesse sind kleine Verletzungen (z. B. durch Rangordnungskämpfe) oder Operationsnarben, in die Bakterien eingedrungen sind. Durch die Bakterien entstehen eitrige Entzündungen, und es bilden sich eitergefüllte Kapseln. Ihr Tierarzt kann einen Abszess chirurgisch entfernen oder spalten. Bei der Spaltung wird der Abszess aufgeschnitten und der Eiter durch Herausdrücken entfernt. Anschließend wird die Abszesshöhle täglich gespült, bis der Abszess vollständig von Innen nach Außen abgeheilt ist. In Absprache mit Ihrem Tierarzt erhält das erkrankte Tier in der Regel ein Antibiotikum. Auch Tumoren (Gesäugetumor, Hodentumor etc.) sind häufig und meistens durch eine Verdickung erkennbar. Um eine Metastasenbildung zu verhindern, müssen Tumoren schnellstmöglich chirurgisch entfernt werden.

Atemwegserkrankungen

Farbratten leiden häufig unter Atemwegserkrankungen. Mögliche Anzeichen sind Niesen, Nasenausfluss, "schnatternde" Atemgeräusche, starke Flankenatmung und Atemnot. Bei Ratten besonders stark verbreitet ist die Mykoplasmose. Erreger dieser Erkrankung sind Mykoplasmen (Bakterien), die nur durch wenige Antibiotika angegriffen werden können. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier oder durch die Luft. Viele Ratten sind infiziert, ohne dass über einen langen Zeitraum Krankheitssymptome auftreten. Durch Stress oder eine altersbedingte Immunschwäche kommt es schließlich zum Ausbruch der Mykoplasmose. Nur eine frühzeitige antibiotische Therapie kann den Erreger so weit zurückdrängen, dass die Ratte wieder symptomfrei erscheint. Vollständig heilbar ist die Mykoplasmose bislang jedoch nicht. Daneben gibt es zahlreiche weitere Bakterien, die Atemwegsbeschwerden verursachen können.

Atemwegerkrankungen werden begünstigt durch:
  • Zugluft (das Gehege steht z. B. im Durchzug oder direkt am Fenster)
  • Stress (durch einen zu kleinen Käfig, Unruhe in der Gruppe, Transporte etc.)
  • Trockene Heizungsluft
  • Schlechte Hygiene im Käfig
  • Staubige Einstreu
  • Rauch
Augenverletzungen und -entzündungen

Verletzungen am Auge (der Hornhaut, des Augapfels und des Lides) können z. B. aufgrund von Rangordnungskämpfen, ungeeigneter Einrichtungsgegenstände und Einspießungen von Fremdkörpern entstehen. Entzündungen erkennen Sie an Trübungen der Hornhaut, Rötungen und Schwellungen der Lider bzw. Bindehäute, milchig-wässrigem Ausfluss und Verklebungen des Fells im Bereich des Auges. Ursachen für Entzündungen des Auges sind meistens Infektionserreger (Viren, Bakterien), Fremdkörper oder Zahnprobleme. Auch ein Hervorstehen oder Anschwellen des Auges ist ein Hinweis auf eine Erkrankung. Frühzeitig erkannt können viele Verletzungen und Erkrankungen gut behandelt werden.

Fell- und Hautveränderungen

Erste Krankheitssymptome, die Haut und Fell betreffen, sind:
  • Haarverlust
  • Struppiges Fell
  • Rötungen der Haut
  • Schuppen oder Krusten
  • Juckreiz
Hierbei kann es sich z. B. um eine parasitäre Erkrankung durch Haarlinge, Milben oder Pilze handeln. Hauptursache von Hauterkrankungen ist eine mangelnde Hygiene im Gehege.

Magen-/Darmerkrankungen

Störungen des Magen-Darm-Traktes kommen bei Ratten (verglichen mit Kaninchen und Meerschweinchen) eher selten vor. Durchfallerkrankungen werden i.d.R. durch bakterielle Infektionen (z. B. bei der Salmonellose und Tyzzer’s Disease) ausgelöst. Aber auch Vergiftungen, Fütterungsfehler, Zahnerkrankungen und ungeeignete Antibiotika können Ursachen für Verdauungsstörungen sein. Durchfall erkennen Sie sehr schnell an breiigem/flüssigen Kot und einer kotverklebten Anogenitalregion.

Häufige Ursachen für Störungen des Magen-Darm-Traktes sind:
  • Virusinfektionen (z. B. Rota- und Reoviren), Bakterien oder Parasiten (Kokzidien, Bandwurmbefall etc.)
  • Applikation ungeeigneter Antibiotika
  • Fütterungsfehler (z. B. zu fett- oder zuckerhaltig)
  • Zahnprobleme
  • Schnelle Futterumstellungen
  • Vergiftungen
Zahnerkrankungen

Fehlstellungen der Schneide- und/oder Backenzähne sind eine häufige Ursache von Gewichtsverlust und Nahrungsverweigerung. Zahnstellungen verhindern den gleichmäßigen Abrieb der Zähne, sodass die Zähne weiter wachsen. Es entstehen scharfe Spitzen und überlange Schneidezähne, die zu Verletzungen im Maul führen. Fehlgestellte Zähne und Spitzen können von einem Tierarzt gekürzt und abgeschliffen werden. Zahnanomalien sind genetisch bedingt oder werden z. B. durch mechanischen Druck (Gitternagen) erworben.

Mögliche Anzeichen für Zahnprobleme:
  • Gewichtsverlust
  • Die Tiere nehmen bevorzugt weiches Futter auf
  • Langsames Fressen
  • Nahrungsverweigerung
  • Verklebungen des Fells (an Kopf, Brust und Vorderpfoten)
(Kathrin Aretz)
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