Steckbrief: Amerikanischer Laubfrosch | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Amerikanischer Laubfrosch

Tagsüber halten sich Amerikanische Laubfrösche fast ausschließlich in schattigen Bereichen, etwa an der Unterseite großer Blätter, auf und schlafen. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Amerikanischen Laubfrosch.
 
© Lukas Görlich / iStockphoto
Leider wird der Amerikanische Laubfrosch in oftmals viel zu kleinen (flachen) Behältern gepflegt.

Steckbrief

  • Körperlänge: ca. 4 cm (Männchen) bis über 6 cm (Weibchen)
  • Lebenserwartung: 15 - 20 Jahre, mitunter deutlich darüber
  • Verbreitung: SO der USA, eingeschleppte Populationen bis Florida und Puerto Rico
  • Lebensraum: Schilf, Sträucher, Geäst, immer in Gewässernähe, auch kulturfolgend
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Anura (Froschlurche)
  • Familie: Hylidae (Laubfroschartige)
  • Gattung: Hyla (Echte Laubfrösche)
  • Art: cinerea (Amerikanischer oder Karolina-Laubfrosch)

Aussehen

Ihre Färbung weist zumeist verschiedene Grüntöne auf, es gibt selten auch Exemplare, die einen bläulichen Farbschimmer haben. Der Bauch ist immer heller pigmentiert. Sofort auffallend ist der helle, seitlich am Kopf unter den Augen verlaufende Streifen, der sich bei vielen Tieren über die gesamte Flanke zieht. Die Haftscheiben an Vorder- und Hinterbeinen sind deutlich ausgeprägt, die Hinterbeine sind sehr lang und muskulös. Männchen besitzen an der Kehle eine helle Schallblase, die sich während der Fortpflanzungszeit grünlich einfärbt.

Nachwuchs und Aufzucht

Zwingend notwendig für die Vermehrung des Amerikanischen Laubfrosches ist eine Überwinterung. Ob diese im Kühlschrank bei 8° C oder im Zimmerterrarium bei 18° C erfolgt, resultiert aus der geografischen Herkunft der Tiere. Nach dem schrittweise erfolgten Hochfahren von Temperatur, Lichtfülle und Feuchtigkeit (hier leistet anstatt des Sprühens eine Beregnungsanlage gute Dienste!) fangen die männlichen Laubfrösche in der Art eines kleinen Hundes an zu rufen. Ist ein Weibchen paarungsbereit, wird es vom Männchen in den Paarungsgriff (Amplexus) genommen und legt seine Eier an ins Wasser reichende Gegenstände wie Äste oder Pflanzen ab, die dabei vom Männchen befruchtet werden. Der Laich wird in kleine (30 x 30 x 20 cm) Aquarien verbracht, die schon eingefahren sind und schwach durchlüftet werden. Wenn das Wasser auf 24 bis 26° C temperiert ist, schlüpfen die Kaulquappen nach ca. zwei Tagen. Zu Beginn ernähren sich die Larven von Algen und werden langsam an Flockenfutter für Fische gewöhnt. Täglich sollten Kot und Nahrungsreste entfernt werden. Nach fünf bis zehn Wochen sind die Kaulquappen zu Fröschen umgewandelt, d. h. sie müssen die Möglichkeit haben, das Wasser bequem zu verlassen. In Kleinterrarien, die wegen des feinen Insektenfutters extrem dicht sein müssen, werden sie mit Drosophila, Wachsmaden, Heimchen und Grillen, die jedes Mal mit einem Vitamin-Mineral-Gemisch eingestäubt werden, aufgezogen.

Lebensweise und Verhalten

Tagsüber halten sich Amerikanische Laubfrösche fast ausschließlich in schattigen Bereichen, etwa an der Unterseite großer Blätter, auf und schlafen. Nur selten werden sie tagsüber beim Sonnenbaden beobachtet. Mit der Dämmerung und in der Nacht sind sie aktiv auf der Jagd nach Nahrung. In der Paarungszeit sitzen die männlichen Frösche in bis zu 5 m Höhe und rufen. Dies tun sie nicht selten in Gruppen von mehreren hundert Exemplaren. Teilweise halten sie sich auch auf schwimmender Vegetation im Wasser auf. Die Paarungszeit unterscheidet sich deutlich bei Individuen aus südlichen und nördlichen Populationen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Karolina-Laubfrösche können sehr gut sehen, wie man feststellt, wenn man mit der Futterdose in Sichtweite des Terrariums kommt. Ihr Gehör ist sehr fein, da sie die Paarungsrufe ihrer Artgenossen, zumindest in Teilen des Verbreitungsgebietes, von denen Dutzender anderer rufender Froscharten unterscheiden können. Versucht ein Männchen ein anderes zu umklammern, gibt dieses einen bestimmten Signalruf von sich, wie wir es auch von einheimischen Froschlurchen kennen, woraufhin der andere ablässt.

Ernährung

Alle Insekten und Würmer, die überwältigt werden können, stehen auf dem Speiseplan dieser Laubfrösche. Highlights sind jedoch immer wieder fliegende Beutetiere, wobei wir bei Fliegen die Aufwertung schon im Larvenstadium, bspw. durch Babybrei mit Mineralien und Vitaminen, vornehmen müssen. Auch Grillen, Heimchen, kleine Heuschrecken und Schaben sollten mindestens einmal wöchentlich mit geeigneten Präparaten eingestäubt werden. Im Gegensatz zu vielen tropischen Laubfröschen neigt Hyla cinerea nicht zur Verfettung, sodass ein Fastentag pro Woche ausreichend ist.

Haltung

Leider wird der Amerikanische Laubfrosch in oftmals viel zu kleinen (flachen) Behältern gepflegt. Jeder, der diese Tiere einmal hat springen sehen, weiß, was gemeint ist. Für 2,3 (zwei Männchen, drei Weibchen) Hyla cinerea sollte das Terrarium die Maße 80 x 40 x 100 cm (Länge x Tiefe x Höhe) nicht unterschreiten, in der Vertikalen kann ruhig noch mehr Platz zur Verfügung gestellt werden. Viele Halter stellen Pflanzen in Töpfen ins Becken. Dies hat hygienische Gründe, da so die reichlichen Hinterlassenschaften der Tiere besser entfernt werden können. Beleuchtet wird mit Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen, ein hinter Drahtgaze befindlicher Strahler beheizt den Hot-Spot auf etwa 30° C. Nachts können die Temperaturen auf Zimmerwerte fallen. Kletteräste oder Bambus, senkrecht und quer, sind ein Muss bei diesen Tieren. Wenn keine Wasserschale vorhanden ist, sollte morgens und abends, manuell oder automatisch, gesprüht werden. Hyla cinerea wird sehr zahm und deckt, z.B. bei einer Zimmer- oder Gewächshaushaltung, seinen Flüssigkeitsbedarf aus der Wasserschale über den After.

Hätten Sie's gewusst?

Der wissenschaftliche Artname „cinerea“ des Karolina-Laubfrosches bedeutet so viel wie aschgrau, was daher kommt, dass frisch im Flüssigmedium wie Formalin oder Alkohol konservierte Tiere diese Farbe annehmen. Die namensgebenden Wissenschaftler gingen davon aus, dass diese Laubfrösche auch im lebenden Zustand hellgrau gefärbt sind.

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