Bodengründe fürs Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Bodengründe fürs Terrarium

Von einigen seltenen Ausnahmen abgesehen, gibt es drei Klassen von Bodengründen, die in der Terraristik Verwendung finden: hygienische, mineralische und organische Bodengründe.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Wichtig: hygienische, mineralische und organische Bodengründe.

Hygienische Bodengründe

Hierbei handelt es sich um die Bodenbedeckung in Behältern, die früher oft als „Sterilterrarium“ bezeichnet wurden, was in sofern irreführend ist, als dass ein Terrarium, in dem Tiere leben (also Stoffwechselvorgänge stattfinden), nicht steril sein kann. Die Bezeichnung „Hygienisches Terrarium“ ist treffender. Dabei kann es sich um Aufzuchtterrarien handeln, bei denen es wichtig ist, die Jungtiere übersichtlich aufzuziehen, oder aber auch um Quarantäne-Becken, da bspw. bei Ektoparasitenbefall der Bodengrund einfacher vernichtet werden kann. Weiterhin kann bei Neuzugängen oder eventuell erkrankten Tieren leichter eine Kotprobe entnommen werden. Die letzte Kategorie sind Großterrarien für Tiere, die viel Stoffwechselprodukte absetzen und somit einfach und gründlich zu reinigen sein müssen. Wir unterscheiden zwischen fest installierten Böden und solchen, die aus dem Becken entfernt werden können. Zur ersten Gruppe zählen Fliesen, plane Natursteine, Kunststoffbeläge wie zum Beispiel fixierter Teppichrasen oder auch Waschbeton. Diese Bodengründe sind allerdings eher die Ausnahme bei wirklich großen Tieren, wie Waranen oder Riesenschlangen, und können im Idealfall in einen Abfluss abgespritzt werden.

Die weitaus häufiger verwendete Variante sind Medien wie Zellstoff, (in kleineren Terrarien) Küchenkrepp, oder in größeren Verbandsmaterial, welches es als Meterware zu kaufen gibt. Ebenso können die Terrarianer mit Zeitungspapier arbeiten, welches relativ sauber und leicht zu entsorgen ist. Aber auch textile Meterware, wie z.B. die Abdeckstoffrollen aus der Renovierungsabteilung, leisten gute Dienste. Viele Terrarianer, die lebendgebärende Riesenschlangen pflegen, tauschen den herkömmlichen Bodengrund kurz vor dem Wurf aus, damit Blut und abgehende Flüssigkeiten gründlich aufgesogen werden und sich die Jungschlangen nicht über den noch offenen Nabel infizieren oder gar verletzen. Der oben erwähnte Teppichrasen wird oft bei großen Aquaterrarien benutzt, da er unverrottbar ist und den gepflegten Wasserschildkröte oder Krokodilen beim Laufen auf dem Grund Halt gibt und etwas besser aussieht, als der blanke Glasboden. In diesem Bereich kann allerdings auch mit fest verankerten Steinen oder Fliesen gearbeitet werden. Manche Geckopfleger, die so gut wie nie den Boden betretende Tiere halten, haben für jedes Terrarium mehrere Teppichrasenstücke, die bei der Reinigung bloß ausgetauscht werden, so dass das verschmutzte Teil mit heißem Wasser und ggf. einem geeignetem Desinfektionsmittel gründlich gereinigt werden kann. Auch ein hygienischer Bodengrund ist das pure Glas des Beckenbodens bei der Aufzucht, etwa von Kaulquappen zu kleinen Fröschen, da täglich Kot und Futterreste entfernt werden müssen.

Mineralische Bodengründe

Dass keine scharfkantigen, gebrochenen Steinstücke Verwendung finden sollten, die zwar optisch eine Menge her machen, aber eine Verletzungsgefahr für die Tiere schon beim Darüberlaufen darstellen, sollte selbstverständlich sein. Aber auch zu feiner Sand (Quarzsand) stellt eine Gefahr dar, wenn er in die Körperöffnungen der Tiere dringt. Es gibt einige Tierarten, die sich derart auf feinen Sand spezialisiert haben, dass sie durch ihn gleiten („schwimmen“) oder durch speziell geformte Füße auf ihm laufen können, aber meist ist die Wahl einer etwas gröberen Körnung und/oder die Beimengung von Lehm die bessere Wahl. Die Aufnahme von zu feinem Sand bei der Ernährung (bspw. durch Jungechsen) kann auch leicht zu einem Darmverschluss führen. Von Vogelsand ist abzuraten, da zumindest bei einigen Herstellern Beimengungen vorhanden sind, die von vielen Reptilien nicht vertragen werden können. Zusätzlich kommt die immer wiederkehrende Staubentwicklung bei feinem Sand. Selbst im Fachhandel angebotener Terrariensand (sog. „Kalaharisand“) staubt immer wieder, sodass am besten durch Versuche festgestellt wird, welche Marke am geeignetesten ist.

Lehm, ob vom Ofensetzer oder aus dem Fachhandel, ist pur oder als Beimengung immer eine gute Wahl, da die Terrarienbewohner hier auch Höhlen und Gänge graben können, die nicht immer wieder einstürzen. Eine gute Mischung für viele Wüsten- oder Steppenbewohner ist eine Mixtur aus Lehm (oder Ton aus dem Bastelbedarf) und Flusssand im Verhältnis 1: 3 – 5. Nach dem Austrocknen wird dieses Gemisch hart und die Tiere haben beim Laufen sozusagen „Grip“, und versinken an tieferen Stellen nicht im Substrat. Möchte man den Grund austauschen, reicht ein normales Anfeuchten, so können auch einige Bereiche permanent feucht und somit locker gehalten werden. Auf dem fest gewordenen Boden lassen sich die Hinterlassenschaften der Pfleglinge auch besser entfernen.

Aquarienkies stellt das andere Extrem dar, hierbei besteht die Gefahr des Verschluckens und bei Ausscheidungen bleiben nur die festen Bestandteile der Fäkalien obenauf, während der Rest nach unten durchsickert und das gesamte Terrarium übel zu riechen beginnt. Ausnahme sind manche Wasserschildkröten, die Aquarienkiesel als Verdauungshilfe und als Ballast verschlucken und wieder ausscheiden. Letztendlich hält Kies die Wärme äußerst schlecht und zwingt zu höherem Energieverbrauch. Völlig ungeeignet sind Katzenstreuprodukte auf Ton-Basis; diese verklumpen bei Kontakt mit Kot und Harn, also Flüssigkeit, leider machen sie das auch im Darmtrakt der Terrarienbewohner. Ein im Fachhandel angebotenes Produkt was letztendlich verschluckt werden soll, sind die „Calci-Sande“, die in verschiedenen Farben angeboten werden und bei Aufnahme durch das Reptil für die Knochenstruktur resorbiert werden können. Den gleichen Effekt erreicht man durch die Verwendung von Tauben-Grit, der scheinbar die gleiche Zusammensetzung besitzt. Spielsand aus dem Baumarkt kann eine Fungizidkomponente besitzen, die den eigentlichen Nutzern, also den Kindern, nicht schadet, aber über die Futterinsekten aufgenommen, der Gesundheit von Reptilien nicht förderlich sein muss. Auf der anderen Seite können unbedenklich Blähtonkugeln zur Feuchtigkeitsspeicherung als Bodengrund benutzt werden, wenn die Pfleglinge so klein sind, dass es ausgeschlossen ist, dass sie die einzelnen Körner aufnehmen; dies wird bspw. bei Pfeilgiftfröschen und kleinen Taggeckos praktiziert.

Organische Bodengründe

Oftmals wird in diesem Zusammenhang von „ungedüngter Blumenerde“ geschrieben. Diese zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Ist man nicht sicher, ob sich Dünger oder Pestizide im Substrat befinden, sollte man die Finger davon lassen. Wichtig ist bei Bodengründen, die feucht gehalten werden müssen, immer auf eine geeignete Drainage zu achten, um Schimmel-und Pilzbildung zu vermeiden. Aus dem Garten gewonnene Erde sollten durch Hitze (Backofen) oder Kälte (Tiefkühler) von unerwünschten Mitbewohnern befreit werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Stoffe (Humus, Kokos, Torf) für die Terraristik in Blöcken zum Aufweichen.

Verschiedene Rindenprodukten, sogenanntem Mulch, ob nun aus Mittelmeerpinien oder der einheimischen Kiefer, kann man sein Vertrauen schenken, hier muss aber das Produkt in seiner Körnung dem Pflegling angepasst sein, um ein Verschlucken von zu großen Stückchen vorzubeugen. Keinesfalls sollte man Rindenmulch aus dem Baumarkt verwenden, da dieser neben Unkrautvernichtungsmitteln auch jede Menge Fremdkörper bis hin zu Draht und Glasscherben enthalten kann. Rindenmulch kann in jedweder Konsistenz von sehr feucht bis total trocken angewendet werden – Pinienrinde wird eine gewisse (natürliche) fungizide Wirkung nachgesagt.

Hobel- oder Sägespäne (Nagereinstreu)  sollten nur als Notbehelf Verwendung finden, da sie schimmeln oder faulen; obwohl sie gerade von vielen Schlangenhaltern benutzt werden. Bessere Erfahrungen wurden mit Produkten aus Hanf gemacht, ob sie in Pellet- oder Spanform (sogenannten Hanfschäben) angeboten werden, binden sie tierische Ausscheidungen gut und können zumindest vorübergehend deutlich feuchter gehalten werden. Bei der Haltung von kleinen Froschlurchen, vor allem Pfeilgiftfröschen, sind Baumfarnplatten (Xaxim) eine geeignete Maßnahme, den Boden feuchtigkeitsspeichernd zu bedecken. Laub, aus dem Fachhandel von der Pappel, oder gesammelt etwa von der Eiche, kann auch als Bodengrund im Terrarium zum Einsatz kommen. Die in den Eichenblättern enthaltene Gerbsäure desinfiziert auf natürliche Weise und wird u. a. in Aquaterrarien bei Kaulquappen, Schwanzlurchen und jungen Schildkröten genutzt. Moos als Terrariengrund sollte aus Artenschutzgründen (und weil es voller Lästlinge sein kann) nicht aus der Natur entnommen werden. Sphagnummoos aus Gärtnereien ist oft nicht zweifelsfrei ohne Dünger, sicherer ist man mit den Blöcken zum Aufweichen die speziell für Terrarianer gedacht sind. Hartholzspäne, sogenannte Buchenspäne, die eigentlich als Räuchermaterial für Fisch gedacht sind, werden oft in der Schlangenhaltung eingestreut, hier ist auf der Basis der Härte des Holzes oft Vorsicht geboten, da ein Verschlucken fatale Folgen haben kann. Natürlich können auch verschiedene Substrate gemischt werden, so ist ein Sand/Laub/Erde- Gemisch einer der meistverwendeten Bodenstoffe in der Terraristik.

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