Einzug im Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Einzug im Terrarium

Wenn neue Tiere erworben werden, gelten bei deren Eingewöhnung einige Regeln. Sind bereits Terrarientiere im Haushalt vorhanden, ist eine vorübergehende Quarantäne und ggf. eine Behandlung durch den Tierarzt nötig.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Der größte Teil der Terrarientiere sind keine Kuscheltiere und werden sich auch nicht „mit viel Liebe“ zu solchen entwickeln.
Keinesfalls setzt man Neuzugänge, auch innerhalb der gleichen Art, sofort zu vorhandenen Tieren oder bestehenden Gruppen dazu.

Geduld muss sein

Bei allen Tieren müssen im Eingewöhnungsterrarium eine Versteckmöglichkeit, das notwendige Temperaturregime und die wichtigsten Einrichtungsgegenstände vorhanden sein. Manche Gliedertiere oder Insekten sind relativ einfach einzugewöhnen, bei einigen stressanfälligen Reptilien kann dies Monate dauern. Bei Schlangen bspw. muss nicht versucht werden, innerhalb der ersten Tage Nahrung anzubieten, da hier der Fressturnus relativ weit gestreckt ist. Ebenso sollte es selbstverständlich sein, stressanfällige Echsen, wie baumbewohnende Agamen oder Chamäleons, weder mit Behälter auf den Boden zu stellen noch das Terrarium an einem Ort mit starkem Publikumsverkehr zu platzieren. Hier muss ggf. auch auf den Kontakt zu Hund und Katze geachtet werden!

Achtung Glasscheiben

Ideal ist, wenn der neue Pflegling seine Umgebung und deren Bewohner wahrnehmen kann, ohne jedoch gleich selbst auf dem Präsentierteller zu stehen. Ein Becken in Kopfhöhe wirkt hier Wunder. Bei sehr nervösen Tieren kann es unumgänglich sein, die Frontscheibe bspw. mit einem Handtuch abzuhängen und den Ausblick Tag für Tag in kleinen Schritten zu vergrößern. Bei ausgesprochenen Fluchttieren, die in der Natur erst einmal das Weite suchen und dann nach der eventuellen Bedrohung schauen, ist jede Glasfläche, die nicht als Hindernis zu erkennen ist, zu viel und sorgt im Wortsinne für „blutige Nasen“. Bei Basilisken und Wasseragamen bspw. sind solche oft im Handel oder sogar in zoologischen Einrichtungen zu beobachten. Abhilfe schafft mitunter ein relativ kleines Becken, was die Tiere am Anlaufnehmen hindert. Grabenden Tieren muss unabdingbar die Möglichkeit geschaffen werden, sich auf ihre arttypische Weise den Blicken des Betrachters zu entziehen. Die meisten Wasserschildkröten benötigen Verstecke auch unter Wasser und sonnen sich meist nur, wenn niemand im Raum ist.

Störungen vermeiden

Oberste Direktive ist zu Beginn der Eingewöhnung, dass nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich im und am Terrarium hantiert wird. Die Arbeitszeiten im Terrarium werden dann natürlich stetig verlängert. Es hilft auch, sich vorher über das Verhalten der Neulinge zu informieren. So werden viele Eidechsen einfach nicht so zahm, wie z.B.Bartagamen, die man oft schon nach kurzer Zeit aus der Hand füttern kann. Überhaupt ist der Terminus „handzahm“ höchst dehnbar, und so müssen neben den artspezifischen Verhaltensweisen auch die individuellen Eigenheiten der Pfleglinge in Betracht gezogen werden. Jungschlangen sind z.B. oft scheuer oder aggressiver als ihre Eltern, da sie als Babys deutlich mehr Fressfeinde zu fürchten haben; diese Juvenilenaggressivität verwächst sich also. Werden nur positive Schlüsselreize vermittelt, ist die Eingewöhnung mit der nötigen Zeit oft eine ganz entspannte Angelegenheit. Es hilft auf alle Fälle, sich über das normale Verhaltensspektrum der Tiere im Vorfeld zu informieren. Wenn bspw. ein oder zwei Leguane erworben werden, deren Eltern sich beim Züchter wie Familienmitglieder benehmen, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Jungtiere nach entsprechender Zeit und Behandlung ähnlich verhalten werden.

Keine Kuscheltiere

Wohlgemerkt: Der größte Teil der Terrarientiere sind keine Kuscheltiere und werden sich auch nicht „mit viel Liebe“ zu solchen entwickeln! Aber es gibt einige Kardinalfehler, die von Neueinsteigern immer wieder gemacht werden: Z.B. ist es absolut tabu, die Tiere ohne triftigen Grund zu berühren, herauszunehmen oder sonst irgendwie zu ängstigen. Im Idealfall werden sie im Terrarium untergebracht, das sie auch später bewohnen werden, und hier ist der wichtigste Faktor zum Erreichen der artgemäßen Verhaltensweisen eben die Zeit. Viele Tierarten, die früher als Naturentnahmen (weil als Nachzuchten noch nicht verfügbar) für unhaltbar angesehen wurden, sind durch die angesprochenen Maxime mittlerweile Standardbewohner in unseren Terrarien. Manche Arten allerdings sind auch als Nachzuchten so heikel, dass man, wenn keine absolute Ruhe geboten werden kann, auf ihre Haltung verzichten sollte! Dies gilt bspw. für einige ostasiatische Nattern oder manche Chamäleons, die durch Stress sterben können. Spätestens wenn die Tiere nicht jedes Mal panisch ihr Versteck aufsuchen, wenn jemand den Raum betritt, und den Kontakt zum Halter suchen, weil sie wissen, dass es etwas zu fressen gibt, ist die Eingewöhnung gelungen. Dass adäquat gefüttert werden muss, und dies auch zur passenden Tageszeit, versteht sich von selbst. Zu Beginn sollte man bei der Fütterung den Raum verlassen; es gibt Terrarianer, die die Nahrungsaufnahme so beobachten, dass sie selbst von den Tieren nicht gesehen werden können. Wie bei vielen Aspekten in der Terraristik gilt auch bei der Eingewöhnung der Wahlspruch: Gut informiert ist halb eingewöhnt.

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