Gesundheit & Erkrankungen bei Terrarieninsassen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Gesundheit & Erkrankungen bei Terrarieninsassen

Im Bereich der Lurche, Kriechtiere und natürlich auch der Gliederfüßer sterben die weitaus meisten Terrarieninsassen an Haltungsfehlern, die die Pfleger zumeist aus Unwissen machen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Auch Terrarientiere können krank werden.

Generelles zur Gesundheit

Krankheiten werden durch verschiedene Ursachen erzeugt. Neben genetisch bedingten Defekten zählt meist das Einschleppen von Erregern über das Futter, durch Einrichtungsgegenstände aus anderen Terrarien oder aus der Natur dazu, und selbstverständlich können sie auch durch dauerhafte Haltungsfehler entstehen.

Hier einige Tipps, wie man vorbeugend tätig werden kann:
  1. Kaufen Sie keine „krank aussehenden“ Tiere.
  2. Setzen Sie keine neuen Tiere ohne Quarantäne zu Ihren Pfleglingen (auch nicht, wenn die vom guten Bekannten kommen).
  3. Halten Sie generell Sauberkeit in Ihren Terrarien.
  4. Bevor andere Tiere in ein zuvor genutztes Becken eingesetzt werden, sollte dieses einer Flächendesinfektion unterzogen werden.
  5. Legen Sie keine Einrichtungsgegenstände aus Terrarien ohne Desinfektion in andere Becken
  6. Dasselbe gilt für nicht gefressenes Futter: Nicht in andere Terrarien geben, sondern vernichten.
  7. Verfüttern Sie gehaltvolle Nahrung, ergänzen Sie diese mit vitaminisierten Mineralgemischen.
  8. Beobachten Sie Ihre Pfleglinge, damit Sie rechtzeitig Veränderungen in ihrem Verhalten bemerken und darauf reagieren können.
  9. Pflegen Sie Ihre Tiere möglichst artenrein, keine „Gemischtterrarien“ anstreben. Der „artenreiche Ausschnitt des Urwalds“ im Terrarium ist eine Utopie!
  10. Suchen Sie sich einen „versierten Veterinär“ in Ihrer Umgebung (bevor Sie erkrankte Tiere haben!). Wenn der Tierarzt „nur“ Säugetiere behandelt, kann er kaum Ahnung von Lurchen, Kriechtieren und Gliederfüßern haben.
  11. „Doktern“ Sie nicht selber an Ihren Patienten rum. Egal, ob innere und/oder äußere Parasiten und andere Erreger Ihre Pfleglinge quälen, gehen Sie zum Tierarzt.

Erkrankungen von Kriechtieren

  • Rachitis
Unter dem Begriff Rachitis sind verschiedene Stoffwechselerkrankungen zusammengefasst. Generell sind besonders junge und weibliche Tiere in der Legeperiode für diese Erkrankungen anfällig. Diese Stoffwechselstörungen entstehen durch meist permanente Unterversorgung von Vitaminen, häufig von Vitamin D3, von Mineralstoffen und verschiedenen Aminosäuren. Dies führt zu „weichen Knochen“, die anhand von Verkrümmungen, meist an der Wirbelsäule, den Gliedmaßen, am Schwanz und am Kiefer auftreten. Verhindert wird dies durch regelmäßige Gaben von Vitaminen, Mineralstoffen wie Kalzium und Phosphor, sowie abwechslungsreiches und gehaltvoll ernährtes Futter.
  • Häutungsprobleme
Häutungsprobleme sind oft nur das Ergebnis falscher Ernährung, fehlender Vitamine und Mineralstoffe und zu trockener Haltung. Erkennt man, dass sich ein Pflegling häuten will, so ist es ratsam, das Terrarium mit Wasser zu besprühen, denn die steigende Luftfeuchtigkeit erleichtert den Hautwechsel. Auch muss darauf geachtet werden, dass die Häutung vollständig ist, besonders bei kleinen Echsen mit Haftlamellen ( z. B. Geckos, Anolis). Gegebenenfalls sind die Hautreste von Hand oder mittels einer Pinzette zu entfernen (ein vorheriges Einweichen in lauwarmes Wasser ist bisweilen hilfreich). Auf jeden Fall sind die Gaben des Vitamin- und Mineralstoffpräparates zu überprüfen. Bewährt hat sich bei Häutungsschwierigkeiten die Gabe von Präparaten mit einem hohen Anteil an Vitamin A.
  • Parasiten
Zecken oder Milben zählen zu den äußeren Parasiten(Ektoparasiten) und lassen sich am besten durch Absammeln und eine Behandlung mit geeigneten Mitteln bekämpfen. Bevorzugte Plätze der Parasiten sind z.B. Augenwinkel, Achselhöhlen und die Basis von Fingern und Zehen. Durch Absammeln werden jedoch nur die Parasiten selbst, nicht aber deren Eier entfernt. Daher müssen die Tiere mit einer vom Veterinär empfohlenen Lösung nach Vorgabe behandelt werden.
  • Legenot
Ein häufiges Problem bei Reptilien ist die Legenot, ein Zustand, bei dem die Weibchen ihre legereifen Eier nicht absetzen können. Meistens ist dies auf Haltungs- und/oder Ernährungsfehler zurückzuführen, nur selten auf organische Erkrankungen. Wurden die richtigen Bedingungen betreffs Temperatur und Feuchtigkeit oder geeignete Eiablageplätze angeboten? Natürlich tragen auch Stress, mangelnde Ernährung sowie eine vitamin-mineralogische Unterversorgung zu diesem Krankheitsbild bei. Stellen Sie ein solches Tier unbedingt einem versierten Tierarzt vor.
  • Verletzungen
Falsche Haltungsbedingungen führen zu innerartlichen Aggressionen, diese wiederum zu Verletzungen, zu Dauerstress und zum Tode einzelner Pfleglinge. Bei Verletzungen ist eine antibiotische Salbe aufzutragen, die man beim Tierarzt verschrieben bekommt. Wichtiger aber ist, dass die innerartlichen Probleme gelöst werden, denn Verletzungen sind ein Hinweis, dass etwas in der Sozialstruktur nicht stimmt.

Besonders bei Schlangen finden wir Krankheiten der Atemwege (Lungenparasiten), Beulen in der Haut (Hautbandwürmer) und des Magen-Darm-Traktes. Wildfangtiere sind zudem häufig dehydriert. Dazu kommen Verletzungen wie der aufgescheuerte Nasen-Maul-Bereich (auch bei vielen Großechsen oder Schildkröten). Im Wasser lebende Reptilien sind besonders für Pilzerkrankungen anfällig. Schildkröten können Panzernekrose bekommen, zudem sind in ihren Ausscheidung häufig Erreger enthalten, die anderen Tieren sehr gefährlich werden können.

Erkrankungen von Amphibien

Da Amphibien für gewöhnlich Larvenstadien durchlaufen, gibt es bei ihnen eine Vielzahl von spezifischen Erkrankungen. Ein bekanntes Beispiel sind die berühmten „Streichholzbeinchen“, die ein Ergebnis unzureichender Pflege, besonders bei der Aufzucht der Quappen, sind.

Aufgrund ihrer feuchten Haut, sind Amphibien besonders durch die Aufnahme von Schadstoffen gefährdet. Dabei reagieren sie auf Verunreinigungen im Wasser und auch in der Luft und müssen so als Bio-Indikatoren bezeichnet werden. Amphibien sind generell anfällig für Änderungen der Temperatur, Verschmutzungen des Bodens und Wassers durch Verunreinigungen und Gifte und sogar auch für Dauerlärm. Daher sind sie häufig Opfer von Infektionen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise darstellen können: Gewichtsverlust inklusive Hautgeschwüre (durch Pilz- und Schimmelerkrankungen), die durch Stress ausgelöste „Red-Leg-Disease“, dazu kommen noch die Kratzseuche und die Molchpest.

Natürlich kommen noch Erkrankungen durch Parasiten dazu, die sowohl in der Haut als auch in den Organen oder dem Skelett auftreten können, das gilt für Larven als auch für fertig umgewandelte Amphibien. Die Anzahl dieser krankhaften, parasitären Ursachen ist recht groß und die Behandlung (sofern es eine gibt) bleibt dem spezialisierten Veterinär vorbehalten.

Erkrankungen von Gliederfüßern

Ganz allgemein muss gesagt werden, dass sich die Erkenntnisse über Erkrankungen von Gliederfüßern in den Anfängen befinden. Dies bedeutet zwangsläufig, dass wirksame Behandlungsmethoden in „den Kinderschuhen“ stecken.

Doch sind viele Erkrankungen auch in dieser Tiergruppe auf Haltungsfehler zurückzuführen. Dazu gehören Fehler bei den klimatischen Bedingungen, wie zu kühl, zu heiß, zu feucht, zu trocken, und bei den Ernährungsbedingungen falsches oder belastetes Futter. Die Palette der Krankheiten oder krankhaften Störungen reicht von Häutungsschwierigkeiten bis Pilzinfektionen, von Verletzungen durch weitere Terrarieninsassen bis zu schleichenden Vergiftungen durch kontaminierte Nahrung.

Der Verlust von einzelnen Gliedern stellt häufig kein Problem dar, da diese sich bisweilen nach der nächsten Häutung regenerieren können. Dagegen kann starker, unbehandelter Milbenbefall für viele Gliederfüßer den Tod bedeuten.
Das Übertragen der verschiedensten Erreger wie Viren oder Bakterien kann durch das Futter eingeschleppt werden. Auch hier gilt: Sauberkeit im gesamten Terrarienbereich, optimale Ernährungs- und Pflegebedingungen helfen, viele Erkrankungen zu vermeiden, bzw. statten die Pfleglinge mit den nötigen Widerstandkräften aus, sodass diese weniger empfänglich für Krankheiten sind.

Vorbeugung durch Fachwissen

Fragen Sie! Fragen Sie die Züchter, Verkäufer oder Händler. Versuchen Sie ständig Ihr Wissen um Ihre Pfleglinge zu erweitern. Alle Haltungsfehler, die Sie machen können, sind bereits schon hunderte Male von Anderen gemacht worden. Es ist vollkommen unnötig, sie zu wiederholen!

Lesen Sie! In guten Fachzeitschriften finden Sie Artikel, die nicht nur Schönfärberei betreiben, sondern die auch Problemstellungen ansprechen, sowie deren Lösungen anbieten.

Treten Sie in Kontakt mit Züchtern, besuchen Sie Börsen, schauen Sie sich im Internet um, kaufen Sie Fachbücher und/oder -magazine, besuchen Sie Tagungen – tun Sie möglichst alles, um Ihre Pfleglinge optimal zu halten. Für zahlreiche Tierarten oder -gruppen gibt es Fachverbände, -vereine oder -gruppierungen. Informieren Sie sich über deren Tagungstermine.

Drei Leitsätze zum Schluss

  1. Das Vermeiden von Erkrankungen ist wesentlich leichter, kostengünstiger und erfolgreicher als das Behandeln   von Krankheiten!
  2. Treten bei Ihren Pfleglingen bedenkliche Symptome auf, so sind diese umgehend einem versierten Tierarzt vorzustellen!
  3. Es kann passieren, dass die Kosten der tierärztlichen Behandlung und Therapie höher sind als die Anschaffungskosten für einen „neuen“ Pflegling. Wenn Ihnen dass zu teuer ist, sollten Sie sich ein anderes Hobby suchen!

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