Ernährung von Schildkröten im Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Ernährung von Schildkröten im Terrarium

Schildkröten jagen ihre Nahrung zumeist nicht, sondern suchen sie. Dies impliziert, dass der Großteil der Panzerträger sich vegetarisch ernährt. Aber es gibt auch fleischfressende Arten und Nahrungsspezialisten unter ihnen.
 
Schildkröte © animals-digital.de
Egal ob Sie Land- oder Sumpfschildkröten pflegen, überwiegend vegetarisch lebende Arten müssen auf jeden Fall so abwechselnd wie möglich ernährt werden.

Die Futterwahl

Der Großteil der Landschildkröten ernährt sich von Pflanzen und deren Teilen, wie Früchte, Samen, Blüten, Rinden und Wurzeln. Bei einigen Arten ist in ihrer Jugend ein relativ großer Anteil an fleischlicher Nahrung wichtig, den sie sich durch das Fressen von Wirbellosen wie Würmern und Insekten, aber auch durch Aas und Kot decken. Dagegen besteht die Ernährung im Alter ausschließlich aus vegetarischer Kost.

Sumpfschildkröten hingegen ernähren sich omnivor (gemischt), wobei einige Arten mehr carnivore, andere mehr herbivore Anteile bevorzugen. Die Halswenderschildkröten sind ebenfalls überwiegend Fleischfresser, ebenso die Weichschildkröten. Doch gibt es auch einige Arten, die sich auf besondere Nahrung spezialisiert haben, z. B. der Malaiische Schneckenfresser. Bei den Sinnesorganen der Schildkröten ist das Auge sehr leistungsfähig, da das Farben- und Formensehen gut funktioniert. Sie besitzen (wie auch Krokodile) kein Jacobsonsches Organ, so dass ihre gesamte Geruchsleistung über die Nase erfolgt. Mittels Sehen und Riechen finden sie ihre Nahrung oder Beute, natürlich auch ihre Artgenossen und speziell ihre Geschlechtspartner. Die Aufnahme der Nahrung ist unterschiedlich: so reißen einige Schildkröten unter Wasser ihr Maul auf, und durch den entstehenden Sog wird die Beute inklusive Wasser eingesaugt. Manche Arten locken die Beute durch Hautanhängsel und –zipfel am Kopf an, andere benutzen dazu ihre Zunge. Viele Schildkröten beißen jedoch einfach von der Nahrung ihrer Wahl ab, wozu sie ihre scharfen Hornkanten benutzen.

Die vegetarische Ernährung

Egal ob Sie Land- oder Sumpfschildkröten pflegen, überwiegend vegetarisch lebende Arten müssen auf jeden Fall so abwechselnd wie möglich ernährt werden. Je nach Art undbesonders nach Alter und Größe sollte man Schildkröten einmal täglich bis 2 Mal wöchentlich frisch zurecht gemachtes Futter anbieten. Die Jungtiere einiger Arten sollten möglichst einmal am Tag etwas Nahrung bekommen.

Pflanzliche Nahrung kann direkt von der Pinzette verfüttert oder aber auf einer Schale oder einem Teller direkt im Terrarium angeboten werden. Die „klassische Kopfsalat-Diät“ sollte der Vergangenheit angehören, denn Schildkröten benötigen die Nährstoffe verschiedener Gewächse. Zu ihrer gesunden Ernährung sind besonders verschiedene Wildkräuter geeignet. Dazu gehören z. B. die Blätter und Blüten des Löwenzahn, Klee- und Brennnesselsorten, Endivien, Vogelmiere, verschiedene Gras-, Wegerich-, Distel- und Salatarten, sowie Luzerne. Ungespritzte Gemüse- und Obstsorten wie Zucchini, Gurken, Bohnen, Kürbis, Tomaten, Mohrrüben (gerieben!), Äpfel, Birnen, Bananen und Weintrauben sollten angeboten werden. Gekochte Kartoffeln und Reis, dazu Heu, verschiedene Beeren und Pilze werden von vielen Arten ebenfalls gern gefressen. Kernobst sollte vorher entsteint werden. Besonders zum Herbst nehmen etliche südeuropäische und afrikanische Landschildkrötenarten bevorzugt welkes Futter an.

Zu empfehlen sind Produkte aus Eigenanbau oder mit Bio-Siegel. Sollte dies nicht möglich sein, so sind alle Gemüse- und Obstsorten vor dem Verfüttern ausgiebig zu waschen, denn häufig sind sie mit verschiedenen Giften stark belastet. Zusätzlich sollten in regelmäßigen Abständen vitaminisierte Kalkpräparate oder Sepiaschalen angeboten werden. Pflanzenfressende Schildkröten sollten täglich oder alle zwei Tage Nahrung erhalten.

Die Fleischfresser

Beim Anbieten von carnivorer Nahrung ist zu unterscheiden, ob sie an Landbewohner oder an Wasserbewohner verfüttert wird. Für erstere kann das Angebot in Schalen oder Schüsseln erfolgen, letzteren wird die Nahrung oft direkt von der Pinzette angeboten.

Generell eignet sich besonders totes Material zur Verfütterung, wie nahezu alle Arten von Insekten und deren Larvenstadien, diverse Würmerarten, Egel, Krebse, Weichtiere, Fische, Fleisch wie Herz oder Filet, Dosennahrung für Hunde und Katzen, sowie ganze Mäuse- und Rattenbabys. Weiterhin können Katzen- und Hundepellets (eingeweicht) ergänzend angeboten werden. Im Allgemeinen muss den Schildkröten keine lebende Nahrung vorgesetzt werden.
Kleinere, wasserbewohnende Arten und Jungtiere nehmen gern Mückenlarven, Wasserflöhe, getrocknete Garnelen, zerschnittene oder kleine Regenwürmer, Wasserschnecken, Fertig- und Zierfischfutter. Hier sollte eine entsprechende Filterung in Verbindung mit Teilwasserwechseln nicht vergessen werden. Hält man etliche Wasserschildkröten, dann ist die Herstellung des sogenannten „Schildkrötenpuddings“ zu empfehlen, jedoch sollte sich die Rezeptur an die Ansprüche der zu ernährenden Art richten.

Wichtig ist bei der Fütterung mit fleischlicher Nahrung die Abwechslung. Das häufige Wechseln der Nahrungskomponenten stellt die Aufnahme möglichst unterschiedlicher Rohstoffe, Vitamine und Mineralien sicher. Dennoch müssen auch hierbei in geeigneten Abständen käufliche Kalkpräparate, Sepiaschalen oder zerstoßene Eierschalen angeboten werden. Fleischfressern muss nur 2 - 3 Mal wöchentlich Nahrung angeboten werden, Ausnahmen davon sind natürlich Jungtiere.

Nahrung für Spezialisten

Nur wenige Schildkrötenarten haben sich in der Nahrungsaufnahme spezialisiert. Dazu gehört z. B. der Malaiische Schneckenfresser(Malayemys subtrijuga), der (wie der Name bereits andeutet) sich auf das Verzehren von Gehäuseschnecken spezialisiert hat. Dies bedeutet zwar nicht, dass sich diese Altwelt-Sumpfschildkröte ausschließlich von Schnecken ernährt, denn sie nimmt auch Insekten, Würmer, Krabben und Fische zu sich. Allerdings brauchen Exemplare im Terrarium eben einen guten Anteil an Schnecken, besonders die weiblichen Tiere, wenn man lange an ihnen Freude haben will. Hier bieten sich verschiedene Wasser- und Landschnecken als Nahrung an. In den Frühjahrs- und Sommermonaten gesammelte Schnecken können für die Wintermonate eingefroren werden, und nach dem Auftauen verfüttert werden. Hat man mehrere dieser Schildkröten, so ist die separate Zucht von Schnecken anzuraten, da man so immer genügend Futter in den geeigneten Größen vorrätig hat.

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