Steckbrief: Amurnatter | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Amurnatter

Amurnattern werden in menschlicher Obhut fast ausschließlich mit Nagern ernährt. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Nachwuchs, Lebensweise, Kommunikation, Ernährung und Haltung der Amurnatter.
 
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Obwohl Amurnattern taxonomisch in die Familie der Kletternattern gehören, stellen sie sich im Terrarium oft merkwürdig plump beim Klettern an und stürzen oft ab.

Steckbrief

  • Körperlänge: 120 - 140 cm, selten bis 180 cm
  • Lebenserwartung: 12 - 15, mitunter 18 Jahre
  • Verbreitung: Östliches Russland, Nordchina, Korea
  • Lebensraum: Waldränder, buschbestandene Ebenen, Siedlungsränder
  • Lebensweise: tagaktiv, anpassungsfähig
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Colubrinae (Nattern)
  • Gattung: Elaphe (Kletternattern)
  • Art: Elaphe schrencki (Amurnatter)

Aussehen

Die Amurnatter ist eine recht stark gebaute, große Kletternatter, die unterschiedlich gefärbt sein kann. Der überwiegende Teil der Schuppen ist schwarz, während die Bauchseite schmutzig-weiß erscheint. Obwohl es selten rein schwarze Tiere gibt, sind fast alle Amurnattern sowohl im Gesicht als auch über den Rücken mit gelblichen bis hellgrauen Streifen und Mustern versehen. Bei manchen Exemplaren sind diese markanten Maserungen zitronengelb ausgefallen. Ob diese Tiere wirklich aus einer bestimmten Gegend (dem sogenannten „Primorskaya Kray“) stammen, ist unter Experten umstritten. Es gibt auch Albinos und bestimmte Farbformen dieser Schlange, allerdings längst nicht in der Vielfalt und der Anzahl wie beispielsweise bei der Kornnatter (Pantherophis guttatus).

Nachwuchs und Aufzucht

Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum in der Größe (in der Färbung überhaupt nicht), allerdings sind extrem große Individuen, die auch ein erhebliches Gewicht aufweisen können, fast immer Männchen. Hilfreich für die erfolgreiche Paarung und Vermehrung ist die Trennung nach Geschlechtern, obwohl diese Schlange sich sehr gut zu Mehreren halten lässt. Die Winterruhe, die unabdingbar für die Zucht dieser Natter ist, kann mittlerweile auch gut im unbeleuchteten und natürlich unbeheizten Zimmerterrarium erfolgen. Warm gehaltene Amurnattern vermehren sich nicht, haben eine deutlich geringere Lebenserwartung; abgesehen davon nehmen zumindest die Männchen zwischen Oktober und März sowieso keine Nahrung zu sich. Die Paarung, die recht stürmisch verlaufen kann, findet im Frühjahr nach der Winterruhe statt. Wenn festgestellt wird, dass das Weibchen trotz mehrfacher Kopulationen weiterhin vom Männchen bedrängt wird, ist Letzteres zu separieren. Nach ungefähr 30 Tagen legt das Weibchen durchschnittlich zehn Eier, hierzu wird ein extra feucht gehaltener Platz (z. B. Terrarienmoos in einer Kunststoffdose mit Einschlupfloch) bevorzugt. Die Eier werden in einem Reptilieninkubator bei 26 bis 29 Grad C gezeitigt, Temperaturschwankungen und eine nächtliche Absenkung sind eher von Vorteil. Die Jungtiere schlüpfen nach durchschnittlich zwei Monaten.

Lebensweise und Verhalten

Amurnattern sind tagaktiv und somit sehr dankbare Pfleglinge, da sie häufig zu sehen sind. In der Natur haben sie in ihrem Revier mindestens ein Versteck, vielleicht unter einem Baumstumpf oder einem Steinhaufen, in das sie sich bei Gefahr zurückziehen können. Nach dem Sonnen durchstreifen sie das Biotop auf der Suche nach Beute, die größtenteils aus Nagern besteht. Auch erwachsene Amurnattern bevorzugen Mäuse und Ratten, zum Erbeuten von Jungnagern werden Erdbauten genauestens untersucht. Auf der Jagd nach Vogelgelegen werden auch Bäume erklommen, nach erfolgreicher Jagd wird am liebsten bei höheren Temperaturen verdaut. Die Amurnatter ist eine sehr anpassungsfähige Schlange, was schon daran zu erkennen ist, dass sie bei uns im Terrarium zwischen acht und zehn Monaten aktiv ist, während die Zeit in der freien Wildbahn, klimatisch bedingt, nur etwa die Hälfte dieser Spanne ausmacht. Amurnattern sind sehr aufmerksam und neugierig. Selbst in der Natur ergriffen werden höchst selten Abwehrbisse eingesetzt, eher entleeren die Tiere ihre Analdrüsen zur Verteidigung.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Alle Schlangen sind taub, d.h. sie nehmen Schwingungen und Bodenbewegungen wahr. Amurnattern können sehr gut sehen und nehmen durch das ständige Züngeln permanent Geruchsinformationen auf. Untereinander sind sie außerhalb der Paarungszeit wie die meisten Schlangenarten nicht sonderlich aneinander interessiert, ein sicheres Stresszeichen sind rhythmische Zuckungen in Vor- und Rückwärtsbewegung. Dies geschieht beispielsweise beim Füttern, weshalb man Schlangen prinzipiell zur Nahrungsaufnahme separieren sollte. Der Hinweis auf ein sogenanntes Sozialverhalten, weil buchstäblich Hunderte von Tieren dieselbe Überwinterungsmöglichkeit nutzen, ist falsch, da die Schlangen im Frühjahr bei geeigneten Temperaturen sofort auseinandergleiten. Dennoch kann man im Terrarium zum Beispiel bei erfahrenen Zuchtpaaren eine gewisse Prägung beobachten, wenn die Tiere permanent zusammen sind.

Ernährung

Amurnattern werden in menschlicher Obhut fast ausschließlich mit Nagern ernährt. Die Verwendung von Eintagsküken, die von den Schlangen gierig verschlungen werden, ist nicht zu empfehlen, da diese scheinbar keine verwertbaren Mineralien aufweisen und der dann oft schon am nächsten Tag abgesetzte Kot bestialisch stinkt. Jungschlangen fressen, was eigentlich ungewöhnlich ist, fast alle vor der ersten Häutung. Da sich diese Art bei der Tötung der Beutetiere oft sehr ungeschickt anstellt, sollte man aufgetaute Mäuse, Ratten oder Gerbile anbieten. Ausgewachsene Exemplare bekommen drei- bis viermal im Monat beispielsweise zwei bis drei halbwüchsige Ratten von der Pinzette. Weibchen vor der Paarung und während der Trächtigkeit bekommen so viel Futter, wie sie wollen.

Haltung

Ein Schlangenterrarium für ein Paar dieser Art sollte 150 x 60 x 100 cm (L x T x H) messen. Wichtig ist ein Sonnenplatz, der punktuell 28 bis 35 Grad Celsius aufweisen sollte und gerne erhöht liegen kann. Ein Versteckplatz ist ebenfalls wichtig; dieses Versteck sollte möglichst eng sein, damit die Tiere sich instinktiv sicher fühlen können. Aufgrund der Masse der Tiere sollten Kletteräste gut verankert sein! Ein Sonnenstrahler (außerhalb des Terrariums oder durch starken Draht gesichert) wird gegenüber einer Bodenheizung bevorzugt, keinesfalls bieten wir ungeschützte Lampen im Becken an, da Schlangen keine Hautwämerezeptoren besitzen und sich irgendwann doch einmal um die Lampe wickeln. Dies kann zu schweren Verbrennungen führen. Als Bodengrund muss ein Substrat verwendet werden, das stark saugfähig ist, z. B. Rindenmulch oder Hanfschäben aus dem Fachgeschäft.

Hätten Sie's gewusst?

Obwohl Amurnattern taxonomisch in die Familie der Kletternattern gehören, stellen sie sich im Terrarium oft merkwürdig plump beim Klettern an und stürzen oft ab. Auch in der Natur sind Sichtungen in einer Höhe von über zwei Metern die absolute Ausnahme.

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