Steckbrief: Sahara-Dickschwanzskorpion | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Sahara-Dickschwanzskorpion

Eine allgemeingültige Regel zur Giftigkeit von Skorpionen lautet: "Kleine schmale Scheren = sehr giftig = gefährlich; Große breite Scheren = schwach giftig = nicht gefährlich". Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Sahara-Dickschwanzskorpion.
 
© pixabay.com/stevepb (CC0 Public Domain)
Skorpione bewohnen Sand-, Stein- und Geröllwüsten sowie generell Trockengebiete.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen bis 8 cm, Männchen bis 6 cm
  • Lebenserwartung: nach der Reifehäutung 2 - 4, insgesamt 4 - 6 Jahre
  • Verbreitung: Nordafrika
  • Lebensraum: aride Gebiete
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Arachnida (Spinnentiere)
  • Ordnung: Scorpiones (Skorpione)
  • Familie: ---
  • Gattung: Androctonus (Dickschwanzskorpione)
  • Art: Androctonus australis (Sahara-Dickschwanzskorpion)

Aussehen

Wie alle Skorpione haben auch Sahara-Dickschwanzskorpione einen dreigeteilten Körper (Vorder-, Mittel- und Hinterkörper) sowie vier Beinpaare. Die Oberseite des Vorderkörpers ist mit einem Panzer bedeckt, der zwei große Mittel- und drei paar kleinere Seitenaugen aufweist. Vorn sitzen die Chelizeren, mit denen die Beutetiere zerkleinert werden, und die beiden schlanken zangenähnlichen Scheren, die zum Halten der Beute genutzt werden. Der Hinterkörper ist der allgemein als Schwanz bezeichnete Teil, der im Stachel endet. Die Grundfärbung ist gelblich, oft sind die Scheren und die beiden hinteren Glieder des Metasomas braun bis schwarzbraun. Die Beinpaare wirken heller, die große Giftblase mit dem Stachel ist dunkel. Die Geschlechter sind an der Größe und an dem Vorhandensein (Männchen) oder Fehlen einer Kerbe am unbeweglichen Teil der Chelizere zu erkennen. Die am Bauch liegenden Kammorgane sind bei den Männchen deutlicher ausgeprägt als bei den Weibchen, zudem werden bei Ersteren 30 bis 36 Kammzähne und bei den Weibchen nur 22 bis 26 Kammzähne gezählt.

Nachwuchs und Aufzucht

Zur Vermehrung haben sich größere Terrarien, sogenannte Paarungsterrarien, bewährt (60 x 30 x 30 cm [B x T x H]). Ihre Einrichtung ist wie das der einzelnen Skorpione, sollte aber mehrere Versteckmöglichkeiten aufweisen. Zuerst wird das Weibchen einige Tage eingebracht, dann das Männchen. Ist das Weibchen paarungswillig, so beginnt das Männchen mit seinen Scheren die des Weibchen zu fassen, um dann den bis zu fünf Stunden dauernden „promenade a deux“ – auch Hochzeitstanz genannt – zu starten. Dabei sucht das Männchen eine flache Fläche und setzt darauf seine Spermatophore ab. Dann führt es das Weibchen geschickt darüber, sodass dieses die Spermatophore aufnehmen kann. Danach löst sich das Weibchen, und das Männchen bringt sich in Sicherheit.

Die gesamte Embryonalentwicklung der Jungtiere verläuft im Körper des Weibchens. Nach rund 110 bis 120 Tagen kommen die voll entwickelten Jungen zur Welt, meist zwischen 30 und 60 Stück, maximal bis zu 140 Jungtiere. Sowie die Jungen vom Rücken ihrer Mutter absteigen, müssen sie separiert werden.

Lebensweise und Verhalten

Sahara-Dickschwanzskorpione bewohnen die Sand-, Stein- und Geröllwüsten sowie generell Trockengebiete. Sie sind nachtaktiv und weisen am Tage eine versteckte Lebensweise auf. Wie die meisten Skorpione sind sie Einzelgänger. Da sie sich auch gegenseitig als Nahrung betrachten, findet man selten mehrere Tiere unter einem Stein oder in einer Höhle. Nach Einbruch der Dämmerung verlassen sie ihre Verstecke und lauern geeigneter Beute auf. Dabei klettern sie auch gelegentlich auf Gewächse. Während der Wintermonate findet man selten ausgewachsene Skorpione, da sie zu dieser Zeit versteckt leben (Winterruhe). Werden sie belästigt, erheben sie den Hinterleib, richten den deutlich sichtbaren Stachel nach vorn und öffnen die schmalen Scheren.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Sahara-Dickschwanzskorpione zählen zu den giftigsten Skorpionen Afrikas. Ihr Stich ist auch für den Menschen gefährlich! Sie besitzen eine ganze Anzahl von Sinneshaaren, die Reize weiterleiten oder auf Berührungen reagieren. Solche auf chemische Reize reagierende Haare sitzen verstärkt an den Mundwerkzeugen, den Scheren und den Beinen. Ferner sind Skorpione in der Lage, feinste Erschütterungen des Bodens, aber auch Luftbewegungen zu registrieren. Das Kammorgan dient überwiegend der chemischen Kommunikation, damit werden Geschlechtspartner und Beutetiere geortet wie auch die Bodenbeschaffenheit geprüft.

Ernährung

Skorpione sind Jäger, und daher findet die Ernährung im Terrarium auch mit den gängigen Futtertieren statt. So können diverse Grillen, Heimchen, Schaben und sogar Fliegen angeboten werden. Ausgewachsene Sahara-Dickschwanzskorpione brauchen nur etwa alle zehn Tage Nahrung. Dazu reichen ein bis zwei Grillen oder die gleiche Masse anderer Insekten aus. Nur nach den Paarungen, nach Häutungen und natürlich den Jungtieren sollte öfter Nahrung angeboten werden. Als Erstnahrung für Jungtiere eignen sich kleine, flugunfähige Fruchtfliegen (Drosophila), später dann große Fruchtfliegen und frisch geschlüpfte Grillen.

Haltung

Erwachsene Sahara-Dickschwanzskorpione sollen bei Tagestemperaturen von 28 bis 35° C gepflegt werden, wobei die nächtlichen Werte deutlich abfallen sollten. Das Terrarium für ein Exemplar sollte die Mindestmaßen 30 x 20 x 20 cm (L x T x H) aufweisen. Selbst in größeren Becken sollte eine paarweise Pflege vermieden werden, denn die Gefahr des Kannibalismus ist groß. Ausgewachsene Skorpione benötigen keine Wasserschale, ein einmaliges Übersprühen des Beckens pro Monat reicht aus. Die Luftfeuchtigkeit sollte niedrig sein, wie die Skorpione es aus ihrer Heimat gewöhnt sind. Als Bodengrund hat sich ein mindestens 10 cm hohes Sand-Lehm-Gemisch bewährt. Sand allein genügt auch, er sollte aber grabfähig sein. Wichtig für die Insassen sind Verstecke, die aus Steinen, Holzstücken oder Tonschalen bestehen können. Eine kühle Überwinterung bei etwa 10 bis 15° C fördert die Paarungsbereitschaft der Skorpione.

Weitere Skorpionarten

Sehr ähnlich in der Haltung sind die meisten Wüsten-, Geröllwüsten- und Trockengebietbewohner aus der Gattung Androctonus (Dickschwanzskorpione), aber auch Hottentotta-, Buthus- und Parabuthus-Arten. Für Arten aus den Monsuneinflüssen unterliegenden Tropen wie Heterometrus und Pandinus (z.B. der Kaiserskorpion P. imperator) müssen besonders die Werte der Luftfeuchtigkeit höher gehalten werden! Der Kaiserskorpion gehört zu den sozialen Skorpionarten, weshalb er im Familienverband gepflegt werden kann. Jedoch müssen die Terrarien dann deutlich größer ausfallen, z. B. 80 x 40 x 40 cm (L x T x H), und reichlich Versteckmöglichkeiten aufweisen.

Hätten Sie's gewusst?

Eine allgemeingültige Regel zur Giftigkeit von Skorpionen lautet: „Kleine schmale Scheren = sehr giftig = gefährlich; Große breite Scheren = schwach giftig = nicht gefährlich“. Leider ist es aber wie so oft in der Natur: Es gibt immer eine oder mehrere Ausnahmen. Bei der Skorpionpflege bedeutet dies: Vorsicht, denn alle Skorpione sind giftig!

Das könnte Sie auch interessieren



Foto: pixabay.com © stevepb  (CC0 Public Domain)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren