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Wildtier-Lexikon: Okapi

Das Okapi ist erst sehr spät von der Wissenschaft entdeckt worden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wusste man nichts Sicheres über seine Existenz. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Okapi, die engen Verwandten der Giraffe © Pixabay: lailajuliana (CC0 Public Domain)
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Steckbrief

  • Körperlänge: 2,0 - 2,5 m
  • Gewicht: 200 - 300 kg
  • Lebenserwartung: 15 - 30 Jahre
  • Verbreitung: Zentralafrika
  • Lebensraum: Unterholz des Regenwalds, vor allem in Flussnähe
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Giraffenartige
  • Gattung: Okapis
  • Art: Okapi (Okapia johnstoni)

Aussehen

Das Okapi ist, auch wenn es auf den ersten Blick völlig anders aussieht, sehr eng mit der Giraffe verwandt. Wie diese hat es fellbedeckte Hörner an der Stirn, allerdings tragen nur die Männchen solchen Kopfschmuck. Das Fell der Waldbewohner ist samtartig und am Rumpf dunkelbraun mit rötlichem Glanz. Die Beine sind davon farblich scharf abgegrenzt: Sie haben eine schwarzweiße Zeichnung ähnlich wie die des Zebras.

Wie bei vielen anderen Wildtieren, dient das scheinbar auffällige Äußere der Tarnung: Schon aus 25 Metern Entfernung lösen sich für den Betrachter die Umrisse des Tiers im Spiel von Licht und Schatten auf – dieses Phänomen nennt man "Somatolyse".

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Okapis können sich das ganze Jahr über paaren. Meist kommen die Jungen in der Regenzeit (August bis Oktober) zur Welt. Vor der Paarung kreisen Männchen und Weibchen umeinander, der Hengst reckt dabei den Kopf nach oben. Die Partner beschnuppern sich und lecken sich ab. Nach etwa 14 bis 15 Monaten Tragezeit kommt – versteckt im Dickicht des Dschungels – ein einzelnes Junges zur Welt. Manchmal kann es schon 30 Minuten nach der Geburt stehen, verbringt aber 80 Prozent der Zeit in einem Versteck, um nicht von einem Raubtier gefressen zu werden. Hörner bekommen die jungen Waldgiraffen erst ab dem dritten Lebensjahr, wenn sie ganz ausgewachsen sind. 

Lebensweise und Verhalten

Die kleineren Verwandten der Giraffe sind klassische Einzelgänger, die sich nur für die Paarung etwa zwei bis drei Wochen zusammentun. Sonst bewegen sie sich nur innerhalb ihrer Reviere. Und um diese abzugrenzen, markieren die Männchen sie mit Urin. Außerdem stecken beide Geschlechter die Grenzen ab, indem sie ihre Köpfe an Baumstämmen reiben. Die Tiere sind eher selten in Gebieten mit dichtem Blätterdach anzutreffen, weil dort nicht genug Pflanzen wachsen, die als Nahrung dienen.

Sinnesleistungen

Besonders gut ausgebildet ist das Gehör der Okapis. Alle anderen Sinne sind weniger gut entwickelt. Das ist auch sinnvoll so: Im windstillen, dicht bewachsenen Regenwald helfen schließlich weder ein empfindlicher Geruchssinn noch scharfe Augen als Schutz vor Feinden. Mit großen Ohren hingegen können die Paarhufer das Rascheln eines Raubtiers im Gebüsch wahrnehmen und sich in Sicherheit bringen – noch bevor sie den Räuber gesehen haben.

Ernährung

Okapis sind Wiederkäuer. Wie Giraffen haben sie eine sehr lange und lederartige Zunge, mit der sie Knospen und Blätter von Zweigen abstreifen können, ohne diese abzureißen. Auf dem Menü stehen vor allem junge Pflanzen, die in Bodennähe wachsen, wie das Laub von Sprösslingen, Kräuter, Gräser oder Früchte. Manchmal fressen sie auch salzhaltige Erde, vermutlich um ihren Mineralhaushalt auszugleichen.

Hätten Sie's gewusst?

Das Okapi ist erst sehr spät von der Wissenschaft entdeckt worden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wusste man nichts Sicheres über seine Existenz. Erst als der Afrikaforscher Henry Stanley die Beschreibungen von Eingeborenen in den Regenwäldern des Kongo hörte, wurde gerätselt. Nachdem man Fellstücke zur "Königlichen Zoologischen Gesellschaft" nach London geschickt hatte, glaubte man, es handele sich um ein Urwald-Pferd. Das geheimnisvolle Wesen bekam erstmal den Namen Equus johnstoni, also "Pferd Johnstons" (nach dem Gouverneur von Uganda, Sir Henry Johnston). Als man später Schädelknochen fand, war klar, dass es kein Verwandter des Pferdes sein konnte. Angelehnt an den Namen, den die Eingeborenen-Stämme dem Tier gegeben hatten, wurde es in "Okapi johnstoni" umgetauft.  Erst 1918 (knapp 20 Jahre nach seiner Entdeckung), gelang es, ein Okapi in einen europäischen Zoo zu bringen.

Hier ein Video:

Fotos: 
Pixabay: lailajuliana (CC0 Public Domain)
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