Wildtier-Lexikon: Siebenschläfer | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Siebenschläfer

Der Siebenschläfer ist ein Baumtier und kann daher hervorragend klettern und weit springen. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Siebenschläfer © Antonio D'Albore / iStockphoto
Wie fast alle nachtaktiven Tiere besitzt der Siebenschläfer ein sehr gutes Gehör.

Steckbrief

  • Körperlänge: 13 - 19 cm

  • Gewicht: 80 - 120 g
  • Lebenserwartung: 5 - 9 Jahre
  • Verbreitung: wärmere Europas und Kleinasien
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder
  • Artbestand: gering gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Bilche
  • Gattung: Siebenschläfer
  • Art: Siebenschläfer (Glis glis)

Aussehen

Siebenschläfer haben ein braungraues Fell mit einem silbernen Schimmer. Junge Tiere sind eher rauchgrau und haben einen bläulichen Schimmer. Ihr Bauchfell ist cremefarben oder weiß. Besonders auffallend sind die dunklen Ringe, die oft um ihre Augen zu finden sind, wie auch die großen, dunkelbraunen Pupillen. Ebenfalls zu erwähnen sind die langen Tasthaare an der spitzen Schnauze, die zur Orientierung benutzt werden. Ihre kleinen Ohren stehen in rundlicher Form vom Kopf ab. Der Schwanz ist sehr buschig, ähnlich wie bei einem Eichhörnchen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit geht von Mai bis Juli. Die Tragezeit des Siebenschläfers beträgt einen Monat, sodass die Jungen zwischen Juni und August zur Welt kommen. Ein Wurf kann zwei bis sechs Tiere umfassen. Bei ihrer Geburt wiegen die Kleinen weniger als fünf Gramm und können weder hören noch sehen. Etwa vier Wochen werden sie von ihrer Mutter gesäugt. Nach zwei Monaten sind sie so groß wie erwachsene Tiere.

Da der lange Winterschlaf der Siebenschläfer bereits Mitte Oktober beginnt, ist für die Neugeborenen ein reichliches Nahrungsangebot sehr wichtig. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten sie nämlich das Normalgewicht von 80 bis 120 Gramm erreicht haben. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege, sondern sucht weiterhin Weibchen auf. Erst im darauf folgenden Jahr werden die Jungtiere selbst geschlechtsreif. Siebenschläfer werfen nur einmal jährlich.

Lebensweise und Verhalten

Der Siebenschläfer ist ein Baumtier und kann daher hervorragend klettern und weit springen. Mit seinen Krallen hält er sich in der Rinde fest oder klammert sich mit seinen Sohlen an den Ast, wobei ihn klebrige Ausscheidungen aus Sohlendrüsen unterstützen. Sein buschiger Schwanz hilft, das Gleichgewicht zu halten.

Der Siebenschläfer lebt sehr revierbezogen und verlässt sein Nest nie viel weiter als im Umkreis von 100 Metern. Innerhalb dieses Territoriums wechselt er aber häufig seinen Schlafplatz. Da der Siebenschläfer nachtaktiv ist, verschläft er den Tag und klettert erst in der Dunkelheit aus seinem Bau heraus, um sich auf Nahrungssuche zu begeben.

Gegen Herbst sucht sich der Siebenschläfer einen geeigneten Schlupfwinkel, in dem er die Wintermonate überdauern kann. Dazu können Astlöcher, Spechthöhlen oder auch Scheunen und selbst gegrabene Löcher dienen. Jetzt nimmt er reichlich fetthaltige Nahrung zu sich, um ab Mitte Oktober für sieben Monate in den Winterschlaf zu fallen. Zu diesem Zeitpunkt wiegt das Tier das Doppelte seines eigentlichen Körpergewichts. Oft verbringen mehrere Tiere eng aneinander gedrückt den Winterschlaf im selben Bau. Der Stoffwechsel ist in dieser Zeit derart heruntergekurbelt, dass die Tiere den langen Verzicht auf Nahrung mühelos überstehen können.

Sinnesleistungen und Kommunikation

Wie fast alle nachtaktiven Tiere besitzt der Siebenschläfer ein sehr gutes Gehör. Auch sein Geruchssinn ist hervorragend ausgeprägt. Schon auf weite Entfernung kann er Nahrungsquellen ausfindig machen. Am besten ist jedoch der Tastsinn ausgebildet. Mit seinen sechs Zentimeter langen Schnurrhaaren kann er sein Umfeld leicht erkunden und findet sich auch in der Dunkelheit ohne Probleme zurecht.

Siebenschläfer sind außerdem äußerst stimmfreudige Tiere. Nach der Dämmerung kann man oft ihr Pfeifen, Gurren oder Murmeln vernehmen. Auch während der Paarung gibt das Männchen laute Geräusche von sich, um das Weibchen in paarungsbereite Stimmung zu bringen.

Ernährung

Siebenschläfer ernähren sich am Anfang ihrer Wachphase überwiegend von Blättern, Knospen und Früchten. Gegen Herbst und damit der Vorbereitungszeit zum baldigen Winterschlaf, suchen sie sich fettreichere Nahrung, wie Bucheckern, Nüsse und Eicheln. Obstplantagen stellen für den Siebenschläfer ein Paradies dar, dagegen sind Insekten und andere Kleintiere seltenere Leckerbissen und dienen hauptsächlich zur Ergänzung des Speiseplans. Während des gesamten Winterschlafs nimmt der Siebenschläfer überhaupt keine Nahrung zu sich. 

Hätten Sie's gewusst:

Schon im alten Rom galten Siebenschläfer, die kurz vor ihrem Winterschlaf standen und damit wohlgenährt waren, als Delikatesse. Heutzutage werden sie vor allem wegen der Qualität ihres weichen Pelzes gejagt.
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren