Mietrecht bei Exoten | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
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Mietrecht bei Exoten

Reptilien kehren immer mehr als Haustiere in Wohnungen ein. In Miet- und Eigentumswohnungen sind giftige Tiere aber nicht selbstverständlich erlaubt. Erfahren Sie mehr zu Verboten, Hausordnung, Störungen, Rechte, Gemeinschaftsordnung und vieles mehr.
 
Mitrechte bei Reptilien © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Die Haltung von Exotischen Tieren ist in Mietwohnungen nicht selbstverständlich

Schlangen

Ungiftige Schlangen gehören zu den Kleintieren, deren Haltung vom Vermieter nicht einseitig verboten werden kann. Für Gift- und Würgeschlangen benötigen Sie dagegen die Genehmigung des Vermieters. Ebenso verhält es sich mit manchen Spinnenarten und Skorpionen. Vergessen Sie nicht die für solche Tiere geltenden artenschutzrechtlichen Vorschriften.


Ratten, Gift- und Würgeschlangen

Ratten, Gift- und Würgeschlangen sind vom Kleintierprivileg ausgeschlossen. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Vermieters ist die Haltung dieser Tiere rechtswidrig, und ihre Entfernung kann verlangt werden. Ratten gelten als Ekeltiere und werden mit der Verbreitung von Krankheiten in Verbindung gebracht. Gift- und Würgeschlangen gelten als ständige Bedrohung für andere Mitbewohner und deren Haustiere.


Bart-Agamen

Eine Klägerin verlangte die Abschaffung zweier Bart-Agamen. Sie hatte geltend gemacht, dass aufgrund der verbreiteten Abscheu die 30–40 cm langen Echsen mit Ratten zu vergleichen seien. Allein die Anwesenheit könne zu einer Störung des Hausfriedens führen. Das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass es sich nicht um einen vertragswidrigen Gebrauch handelt, und führt unter Hinweis auf "Grzimeks Tierleben" aus: Trotz ihres gefährlich anmutenden Äußeren ist diese nicht übermäßig lebhafte Agame völlig harmlos. Eine störende Auswirkung kann nicht festgestellt werden.
AG Essen, Az.: 9 C 109/95


Schlangenhaltung kontra Hausfrieden

Ist in einem Mietvertrag die Tierhaltung mit einer Genehmigung des Vermieters verbunden, dann muss der Vermieter die Genehmigung oder Versagung sorgfältig prüfen. Die Vermieterentscheidung muss für das Gericht nachprüfbar und von vernünftigen Gründen getragen sein. Dies gilt nicht nur für die „normalen“ Haustiere wie Hund oder Katze, sondern auch für die Schlangenhaltung durch den Mieter. Gehen von der gehaltenen Schlange weder besondere Gefahren aus noch objektiv messbare Störungen der Wohnumwelt bzw. wird das Vermietereigentum durch die Tierhaltung nicht mehr als sonst üblich abgenutzt, so kann der Vermieter deren Beseitigung nicht mit Hinweis darauf verlangen, andere Mitmieter ekelten sich vor dem Tier. Denn der Vermieter darf sich nicht zum Anwalt von Überempfindlichkeitssymptomen erheben.
Amtsgericht Bückeburg, Az.: 73 C 353/99 (VI)


Schlangenhaltung in der Mietwohnung

Sieht ein vorgedruckter Formular-Mietvertrag vor, dass Tiere ausnahmslos nur dann in der Wohnung gehalten werden dürfen, wenn dem der Vermieter zuvor schriftlich zugestimmt hat, dann ist diese Mietvertragsklausel unwirksam. Denn das Recht des Vermieters ist dann nicht nachteilig berührt, wenn z. B. absolut nicht störende Heimtiere wie Aquarientiere gehalten werden. Auch das Halten von Schlangen kann so nicht ohne weiteres untersagt werden. Vielmehr sind im Einzelfall die Interessen von Vermieter, Mieter und anderen Mitbewohnern abzuwägen. Werden weder Gift- noch Würgeschlangen gehalten, so ist regelmäßig die Haltung von Schlangen nicht zu beanstanden.
Amtsgericht Bayreuth, Az.: 4 C 62/00


Giftige Haustiere

In Miet- und Eigentumswohnungen sind giftige Tiere nicht selbstverständlich erlaubt. Ein Wohnungseigentümer musste eine neues Zuhause für seine Giftschlangen und Pfeilgiftfrösche suchen, weil sein Nachbar befürchtete, die Tiere könnten aus ihren Terrarien entweichen und in seine Wohnung eindringen. Die Richter argumentierten, dass keinem Nachbarn durch die Nutzung einer Wohnung unzumutbare Nachteile auferlegt werden dürften. Schließlich könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Tiere durch ein Missgeschick unkontrolliert entweichen.
Oberlandesgericht Karlsruhe, Az: 14 WX 51/03


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Thomas Brodmann / animals-digital.de
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