Lahmheit: Häufige Ursachen und Behandlungsmethoden

Eine schmerzhafte Störung im Bewegungsablauf des Pferdes wird als Lahmheit bezeichnet. Mögliche Ursachen sind: Muskel-, Bänder-, Gelenk-, Sehnen-, Knochen- oder Stoffwechselstörungen. Lesen Sie hier, welche Krankheiten beim Pferd Lahmheit hervorrufen.

Lahmheit kann verschiedene Ursachen haben. © Stock.adobe.com/AnnaElizabeth

Lahmheiten gehören zu den häufigste Pferdekrankheiten und bezeichnen einen gestörten Bewegungsablauf. Sie können aus völlig unterschiedlichen Gründen auftreten. Da der Auslöser für die Lahmheit möglichst schnell gewunden werden sollte, ist es ratsam immer einen Tierarzt hinzuzuziehen. Verschiedene Zusatzfuttermittel können den Bewegungsapparat des Pferdes zusätzlich unterstützen. Lesen Sie hier, wie Sie eine Lahmheit beim Pferd erkennen und welche typischen Krankheiten Lahmheit auslösen.

Lahmheit beim Pferd erkennen

Eine Lahmheit beim Pferd entsteht in der Regel als Schmerzreaktion auf ein vorliegendes Problem. Jeder Reiter bzw. Fahrer sollte in der Lage sein, eine Lahmheit beim Pferd zu erkennen. In der Regel liegt eine veränderte Schrittlänge und Entlastung des betroffenen Beins vor. Das Pferd geht taktunrein.

Um zu erkennen, auf welchem Bein das Pferd lahmt, sollte das Tier im Schritt und Trab einer zweiten Person vorgeführt werden.  Im Galopp ist eine Lahmheit durch die Schwebephase meist nicht zu erkennen, gerade, wenn das Pferd nur leicht lahmt.

Drei typische Anzeichen, dass das Pferd lahmt:

  • Die Schmerzen treten vor allem in Wendungen auf.
  • Das Pferd fällt im Trab verstärkt auf das gesunde Bein.
  • Das Pferd nickt im Trab auffällig mit dem Kopf. 
    Vorderhand betroffen: Pferd nickt beim Belasten des gesunden Vorderbeines
    Hinterhand betroffen: Pferd nickt beim Belasten des betroffenen Hinterbeines
Bei lahmenden Pferden sollte in der Regel immer ein Tierarzt hinzugezogen werden. Je früher eine gezielte Behandlung erfolgt, desto besser ist die Prognose für den Heilungsverlauf.
Beim Vorführen im Trab erkennt man Lahmheiten gut. © Stock.adobe.com/Nigel Baker

1. Lahmheit durch Arthritis

Das Gelenk des Pferdes besteht aus den Gelenkbändern, der Gelenkkapsel, der Gelenkhöhle mit Gelenkflüssigkeit und dem Gelenkknorpel. Dieser wird nicht direkt durchblutet, sondern durch die regelmäßigen Druck- und Gleitbewegungen des Gelenkes über die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt. Damit ein Gelenk reibungslos funktionieren kann, muss der Knorpel immer glatt und gut geschmiert sein.

Durch Abreibungen, auf Grund von Überlastung oder des natürlichen Alterungsprozesses, können kleinste Teilchen eine akute Entzündung im Gelenk (Arthritis) verursachen. Das Gelenk schwillt an, die Nährstoffversorgung des Knorpels wird unterbrochen, und der Knorpel verschleißt noch mehr.

Behandlung einer Arthritis

Zur Behandlung einer Arthritis können dem Pferd entzündungshemmende Medikamente mit einer Spritze oder über die Futterration verabreicht werden. Auch kann eine Medikamentengabe direkt in das betroffene Gelenk erfolgen. Meist wird Kortison als Entzündungshemmer gespritzt, manchmal in Verbindung mit Hyaluronsäure.

Nach der Behandlung sollte sich das Pferd möglichst nur kontrolliert im Schritt bewegen. Enge Wendungen und Toben auf der Weide sollten für mindestens zwei Wochen verboten sein. Ist das Pferd nach drei Wochen lahmfrei, entscheidet der Tierarzt über ein sich langsam steigerndes Bewegungsprogramm.

Der Tierarzt beugt das entzündete Gelenk zur Probe. © Stock.adobe.com/Brastock

2. Lahmheit durch Arthrose

Eine Arthrose ist eine chronische Gelenkveränderung. Dabei setzt im Knochengewebe, wie auch in dem vom Knochen versorgten Knorpelgewebe, ein degenerativer Umbau ein. Zwischen den Gelenkfugen bildet sich Knorpelgewebe und stört die Bewegung.

Das Therapieangebot beschränkt sich dementsprechend im Wesentlichen auf die Bekämpfung der Schmerzsymptome und den Versuch, den degenerativen Prozess zu stoppen. Je nach betroffenem Gelenk kann ein spezieller Hufbeschlag helfen, in manchen Fällen auch eine Operation.

3. Lahmheit durch Schale

Schale ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen von Knochenzubildungen, welche an Fessel-, Kron- und Hufbein sowie an den verbindenden Gelenken, in den meisten Fällen an den Vorderbeinen vorkommen. Sie sind häufig eine Folge von Arthritis oder Arthrose.

4. Lahmheit durch Spat

Die Arthrose der Sprunggelenke, auch als Spat bezeichnet, gehört zu den häufigsten Lahmheitsursachen der Hinterhand des Pferdes. Eine Spatlahmheit entwickelt sich ganz allmählich. Im Anfangsstadium kann diese sogar verschwinden, wenn sich das Pferd eingelaufen hat.

Außer der Lahmheit und einer Schmerzhaftigkeit beim Beugen des Sprunggelenks sind sind folgende Symptome Hinweise auf Spat:

  • knöcherne Auftreibungen, meist an der Innenseite des Sprunggelenkes
  • abstehende Haare am Kronsaum
  • angeschwollene Fessel- und Krongelenke 

Erst im Laufe der Zeit werden die Knochenwucherungen von außen sichtbar. Verursacht werden die Veränderungen durch Reizungen der Knochenhaut, welche zu einer vermehrten und unkontrollierten Bildung von Knochensubstanz führt. Mögliche Auslöser sind: Schläge und Stöße, Überlastung oder Verletzungen, die bis auf den Knochen reichen. Die Therapieansätze sind identisch mit der Arthrose-Therapie. 

Ein Spezialbeschlag kann manchmal nötig sein. © Stock.adobe.com/pic_tures77

5. Lahmheit durch Überbeine (Exostosen)

Überbeine können bei jungen Pferden während des Wachstums entstehen. Sie müssen aber nicht zwingend zu Lahmheiten führen. Wichtig ist, dass der Hufschmied in dieser Zeit besonders auf einen korrekten Beschlag achtet. Die reiterlichen Anforderungen sollten unbedingt reduziert werden. Überbeine entstehen aber auch durch Schlag, Stoß und Wundverletzungen der Knochenhaut.

Diese Überbeine sind sehr schmerzhaft. Das Pferd braucht Ruhe und muss Schritt geführt werden, bis die Lahmheit auskuriert ist. Äußerlich kann mit speziellen Salben oder Heilerde unterstützt werden. Auch eine Operation kommt in Frage. Hier sind die Ergebnisse in der Regel sehr gut.

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