Jahresrückblick

Abschied von Bob, dem Streuner

2020 war ein außergewöhnliches Jahr, in dem viel passiert ist. Weltweit nahmen in diesem Jahr Katzenfans Abschied von einem außergewöhnlichen Kater, der die Herzen so vieler berührte. Lieber Bob, du bleibst unvergessen!

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James Bowen und Bob sind zu einem unschlagbaren Team geworden. © Shutterstock/Featureflash Photo Agency

Abschied nehmen fällt schwer. Das hat im Jahr 2020 auch der weltberühmte Autor James Bowen erfahren. Der Brite hat seinen besten Freund verloren – den Kater, der ihm das Leben gerettet hat: den rotgetigerten Bob, dem Bowen den Mega-Bestseller „Bob, der Streuner“ gewidmet hat. Mit 14 Jahren verließ er sein geliebtes Herrchen und sein Millionenpublikum für immer, er starb am 15. Juni 2020. Die Trauer ist riesig – auch bei den Fans.

Die Geschichte von Bob und James

James Bowen ohne Bob ist eigentlich unvorstellbar. Bob folgte dem 1979 geborenen ehemaligen Obdachlosen wie ein Schatten. Gegenseitig haben sich die beiden das Leben gerettet. 

James und Bob lernen sich kennen

Mehr schlecht als recht lebte James Bowen von der Straßenmusik, bevor ihm 2007 ein charmanter rotgetigerter Kater zulief. Mit dem Gitarrespielen und Singen finanzierte er vor allem seine Drogen, denn Bowen war heroinsüchtig. Als Bob in sein Leben trat, hatte er aber gerade eine Sozialwohnung in Tottenham bekommen. Der Musiker nahm das abgemagerte Tier bei sich auf und kratzte seine letzten Münzen zusammen, um die Tierarztkosten für den kranken Kater zu zahlen. 

Eine lebenslange Freundschaft

Als Bob wieder fit war, wollte James Bowen ihn wieder in die Freiheit entlassen, unfähig, für ein anderes Wesen Verantwortung zu übernehmen. Doch die Liebe war stärker als die Vernunft, und Bob blieb freiwillig, er wollte James nie mehr verlassen. Er schenkte James nicht nur sein großes Katerherz, sondern auch eine Perspektive und die Kraft, sich aus der Drogensucht zu befreien. Irgendwann begleitete er freiwillig sein Herrchen, wenn dieser auf der Straße Musik machte.

Bob fuhr routiniert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und war fast immer mit dabei. Treu saß Bob neben seinem Herrchen, wenn dieser Gitarre spielte und trug kräftig zum Lebensunterhalt bei, denn die Münzen klimperten und jeder wollte den Kater kennenlernen und dazu beitragen, dass seine abendliche Futterration gesichert war. So spielten Bob und James an verschiedenen Standorten und verkauften die Obdachlosenzeitschrift „The big issue“ – und der Kater sorgte auch hier für gute Geschäfte. 

„Bob, der Streuner“: Eine Erfolgsgeschichte

Irgendwann wurde Bowen gebeten, doch über seinen Kater zu schreiben. Er wollte erst nicht und tat es dann doch. Das Buch „Bob, der Streuner“ entstand 2012 und schlug ein wie eine Bombe. Mit gutmütigem Gesichtsausdruck blickt der rote Kater vom deutschen Cover, einen Strickschal um den Hals, die eine seiner zahlreichen Bewunderinnen für ihn gestrickt hat, und bewacht James beim Musizieren. So ist Bob weltberühmt geworden. Weitere Veröffentlichungen und Filme folgten.

Wenn das Schicksal trennt, was zusammengehört 

Das Leben schien es gut zu meinen mit James Bowen, der drogenfrei war, und Bob. Bis Juni 2020 lebten die beiden glücklich, zufrieden und ohne frühere finanzielle Sorgen in London. Bis zu diesem schwarzen Tag, dem 15. Juni 2020. Obwohl sein Herrchen ihn wie seinen Augapfel hütete, passierte es doch: Bob war zwei Tage verschwunden, er wurde von einem Auto in der Nähe seines Zuhauses angefahren und schwer verletzt. An diesen Blessuren starb er. Sein Herrchen konnte ihm nicht mehr helfen und auch nicht der Tierarzt. Bob schloss seine grünen Augen für immer.

Erinnerungen im Herzen bleiben

James Bowen schreibt auf Facebook von seiner tiefen Trauer. Bob habe eine Nierenerkrankung Stufe zwei gehabt, die aber gut im Griff gewesen sei. Er hätte sicher noch einige Zeit gelebt, ist sich das Herrchen sicher. „Ich kann die Trauer, die ich fühle, nicht beschreiben. Ich bin einfach so traurig, dass er seinen Ruhestand nicht voll genießen konnte. Ich vermisse ihn so sehr“, schreibt der Autor und bedankt sich bei Bobs vielen Fans für die vielen Worte der Unterstützung: „Sie haben mir die Welt bedeutet, da ich Probleme hatte, diese unglaublich schwierige Zeit zu überwinden.“ 

Bowen sagt, Bob habe sein Leben gerettet: „So einfach ist es. Er hat mir so viel mehr gegeben als Gesellschaft. Mit ihm an meiner Seite fand ich eine Richtung und einen Sinn, den ich vorher nicht hatte. Der Erfolg, den wir gemeinsam durch unsere Bücher und Filme erzielt haben, war wunderbar. Er hat Millionen von Leben berührt. Es gab noch nie eine Katze wie ihn. Und die wird es nie wieder geben. Ich habe das Gefühl, dass das Licht in meinem Leben ausgegangen ist. Ich werde ihn nie vergessen.“ Das werden auch seine Fans nicht.


 

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