Abschied in Würde – das Pferd einschläfern lassen

Auch für den letzten Weg des geliebten Pferdes trägt der Halter die Verantwortung. Lesen Sie hier, wie Sie erkennen, wann ein Pferd eingeschläfert werden muss, wie es abläuft und welche Kosten auf Sie zukommen.

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Von einem geliebten Pferd Abschied nehmen, ist eine emotionale Herausforderung. © Stock.adobe.com/AnnaElizabeth

Die Entscheidung, ein geliebtes Tier gehen zu lassen, fällt den meisten Besitzern schwer. Der Schmerz ist umso größer, je enger der Kontakt war und je intensiver Sie sich mit den Bedürfnissen oder Eigenheiten Ihres Pferdes befasst haben. Handelt es sich um ein Großtier wie das Pferd, können beim Einschläfern zusätzliche Herausforderungen auf Sie zukommen. Das alles darf Sie jedoch nicht davon abhalten, ihm den besten Weg zu bereiten und den Abschied sorgfältig zu planen.

Hier erfahren Sie, warum es nötig sein kann, ein Pferd einzuschläfern und welche Maßnahmen Sie zu diesem Zweck ergreifen sollten.

Pferd einschläfern – wann ist der richtige Zeitpunkt?

Halter, die ihr Pferd gut kennen, wissen am besten, wann der passende Zeitpunkt für den Abschied gekommen ist. Das Tier zeigt es mit Blicken; aber auch durch sein Verhalten, das einer stummen Aufforderung gleichkommt. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl und die enge Bindung, die Sie zu Ihrem Pferd haben! Es einschläfern zu lassen, mag erschreckend rational wirken – ist in der Regel jedoch nicht unbegründet.

Im nächsten Schritt sollten Sie den Gedanken mit einem vertrauten Tierarzt besprechen. Der Veterinär, der Ihr Pferd über viele Jahre betreut hat, kennt es fast ebenso gut wie Sie. Darüber hinaus bringt er Fachwissen ein, das die Entscheidung, Ihr Pferd einzuschläfern, medizinisch untermauern kann. Ausschlaggebend bei der Entscheidung ist die Lebensqualität des Tieres.

Um hierüber ein ausreichendes Urteil fällen zu können, sollten Sie sich gemeinsam folgende Fragen stellen:

  • Frisst das Pferd gut und freut es sich über das angebotene Futter?
  • Zeigt es Freude am Leben, auch wenn es nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher? 
  • Genießt es Ihre Anwesenheit und die Beschäftigung, die Sie ihm bieten?
  • Kann es stehen und laufen, ohne Schmerzen zu haben?
  • Schafft es das Pferd, alleine wieder aufzustehen, wenn es sich hingelegt hat?
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Oft weisen die Antworten darauf bereits einen Weg – denn nachlassende Fresslust, ständige Schmerzen, Desinteresse oder der Wunsch sich zurückzuziehen gelten im Tierreich als deutliche Abschieds-Signale. Unabhängig davon können aber auch körperliche Beschwerden ein Grund sein, Ihr Pferd einzuschläfern.

Gründe zum Einschläfern bietet Ihnen das Pferd auch, wenn es an folgenden Einschränkungen leidet:

  • unstillbare bzw. nicht kontrollierbare Schmerzen 
  • anhaltende Atemnot
  • Bewegungsunfähigkeit 

Des Weiteren ist fortgeschrittene Arthrose ein möglicher Auslöser für Ihre Entscheidung. Auch chronische Huferkrankungen wie Rehe oder Rolle bzw. ein unheilbarer Sehnenschaden können es nötig machen, das Pferd einzuschläfern, da es betroffenen Tieren viel Leid erspart.

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Kann das Pferd nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen, kann es sinnvoll sein es zu erlösen. © Stock.adobe.com/vprotastchik

Pferd einschläfern – diese Orte sind möglich

Die Entscheidung, Ihr Pferd aus Altersschwäche oder aufgrund einer schmerzhaften Erkrankung wie chronischer Hufrehe einschläfern zu lassen, ist jedoch nur ein Teil der Gesamt-Prozedur. Parallel dazu müssen Sie festlegen, wo der erlösende Eingriff stattfinden soll und wie es danach für Sie und Ihr Pferd weitergeht. Auch dabei ist der Tierarzt Ihres Vertrauens ein geeigneter Ansprechpartner, denn er kennt die Vor- und Nachteile der sich bietenden Optionen genau.

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Einschläfern im heimischen Stall

Zuhause fühlt sich Ihr Pferd am wohlsten. Die gewohnte Umgebung mit vertrauten Gerüchen kann helfen, Stress zu mindern und den Abschied unterstützen. Sie sollten sich jedoch klar machen, dass es sehr schwer sein kann, den Anblick des sterbenden bzw. gestorbenen Tieres zu ertragen. In manchen Fällen ist das heimische Einschläfern sogar der einzige Weg, den Sie gehen können – etwa dann, wenn Sie Ihren Liebling von einer schwerwiegenden Erkrankungen erlösen möchten, die ihn transportunfähig macht. Bei Gelenk- und Bewegungsproblemen wie chronischer Hufrehe bzw. -rolle, Sehnenschäden oder Arthrose ist das Pferd einschläfern oft nur vor Ort möglich. 

Vereinbaren Sie mit Tierarzt am besten einen Zeitpunkt, zu dem auf der Anlage Ruhe herrscht und wählen Sie ein einen Ort, an dem das Pferd später leicht abtransportiert werden kann.  

Einschläfern in der Tierklinik

War das Pferd zum Zeitpunkt der Diagnose ohnehin gerade beim Veterinär vorstellig, kann die Einschläferung auch in der Praxis oder Klinik erfolgen. Hier verfügt der Arzt über gute medizinische Ausrüstung und kann besser auf einen eintretenden Notfall reagieren. Auch Sie selbst profitieren von der professionellen Umgebung, denn das Praxis-Team ist im Umgang mit trauernden Tierhaltern geschult und steht Ihnen unterstützend zur Seite. 

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Der Tierarzt unterstützt den Pferdehalter bei seiner Entscheidung. © Stock.adobe.com/highwaystarz

Ihr Pferd einschläfern – dieser Ablauf erwartet Sie

Nach EU-Recht dürfen Tiere auf ihrem letzten Weg weder Schmerzen verspüren noch leiden. Dazu gehört auch ein möglichst geringer Stress-Pegel. Aus diesem Grund verabreicht der Tierarzt Ihrem Pferd zunächst ein Beruhigungsmittel, im Volksmund auch „Alles-egal-Spritze“ genannt. Erst, wenn dieses wirkt, injiziert er über einen Venenkatheder ein Narkosemittel. Das Pferd wird schläfrig und legt sich ab. Erst jetzt bekommt es die eigentliche Einschlafhilfe. Es handelt sich um ein Präparat, welches die Herztätigkeit zum Stillstand bringt. Ihr Pferd bekommt von diesem Vorgang nichts mit. Es gleitet ganz sanft in eine friedliche Narkose über und hört auf zu atmen.

Ihrem Liebling diesen sanften Abschied zu ermöglichen, ist jeden Preis wert. Ein so großes Tier wie Ihr Pferd einzuschläfern, verursacht Kosten zwischen 200 und 300 Euro. Der endgültige Betrag hängt auch von Anfahrtskosten des Tierarztes und ähnlichem ab. 

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Nehmen Sie sich Zeit, um die Trauer zu verarbeiten.© Stock.adobe.com/Laura Battiato

Ihr Pferd einschläfern – und dann?

Unabhängig davon, ob Sie den erlösenden Schritt aus Altersgründen gegangen sind oder Ihr Pferd wegen unheilbarer und schmerzhafter Krankheit haben einschläfern lassen: Schließlich stehen Sie vor der Frage, was mit dem Körper des Tieres geschehen soll.

Hier gibt es kein Gut oder Richtig bzw. Schlecht oder Falsch. Jeder Besitzer darf frei entscheiden, welche Form des Abschieds angemessen ist und wie sich der allerletzte Weg für den langjährigen Gefährten gestalten soll. 

Die Möglichkeiten sind breit gefächert und nicht zuletzt auch eine Frage des finanziellen Rahmens. 

In der Regel wird das Pferd von einer Tierkörperbeseitigung abgeholt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 70 – 100 Euro. Der Anblick, wie das Pferd beim Abtransport in den LKW gezogen wird, ist nicht schön. Es empfiehlt sich einen befreundeten Tierfreund oder den Stallbetreiber zu bitten, bei der Abholung dabei zu sein. 

Neben der vielfach üblichen Tierbeseitigung steht Ihnen eine Kremierung durch speziell befugte Fachkräfte frei. Hierzu gibt es jeweils feste Regeln, die von Bundesland zu Bundesland abweichen können. 

Selbst ein Grab auszuheben und das Pferd zu beerdigen, ist in Deutschland verboten. 

Die Hufeisen sollten vor dem Abtransport abgenommen werden. Genau wie Schweif- und Mähnenhaar sind sie später ein schönes Erinnerungsstück. 

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