Vergesellschaftung von Kaninchen

Kaninchen sind sehr soziale Tiere, die nur in Gruppen gehalten werden sollen. Wie Sie zwei oder mehrere Kaninchen erfolgreich zusammenführen, lesen sie hier!

Eine harmonische Kaninchenfamilie!
Eine harmonische Kaninchenfamilie!© Szasz-Fabian Jozef - stock.adobe.com

Wenn Sie ein Kaninchenpaar zu sich holen, das sich bereits kennt und friedlich zusammenlebt, sind die Voraussetzungen sehr gut, dass es auch künftig keine ernsthaften Auseinandersetzungen gibt. Problematisch ist es bei einzelnen Tieren, die miteinem fremden Artgenossen oder einer unbekannten Kaninchengruppe vergesellschaftet werden müssen. Nicht alle Charaktere und Geschlechter passen gut zusammen.

Die harmonischste Konstellation besteht aus einer Häsin und einem kastrierten Männchen bzw. einer Gruppe von gemischtgeschlechtlichen Tieren. Aber natürlich gibt es auch Häsinnen, die "Freundschaft schließen", und kastrierte Rammler, die unzertrennlich sind. Entscheidend ist vor allem, dass nicht zwei dominante Kaninchen zusammengesetzt werden. Rangniedrigere Kaninchen verstehen sich untereinander meistens sehr gut.

Vergesellschaftung von Kaninchen: So wird’s gemacht

Entscheidend für den Erfolg der Zusammenführung ist, dass die Tiere sich auf neutralem Boden begegnen. Keines der Kaninchen darf den Raum bereits als sein Revier abgesteckt haben. Dies kann beispielsweise das Badezimmer bzw. der Flur sein oder besser noch die Wohnung eines Freundes. Planen Sie für die Integration einige Tage ein, bis die Tiere in ihr dauerhaftes Zuhause einziehen können. Der unbekannte Raum, in dem die Kaninchen sich kennenlernen, sollte folgendes beinhalten:

  • genügend Ausweichmöglichkeiten und Verstecke(z.B. zwei Holz- oder Papphäuschen mit je zwei Eingängen)
  • mindestens eine Toilette mit Einstreu
  • Heu und Frischfutter
  • einen gefüllten Trinknapf

Sind alle Vorbereitungen getroffen, werden alle Tiere gleichzeitig in den Auslauf gesetzt.

Erstes Zusammentreffen der Kaninchen

Sobald Ihre Kaninchen sich in ihrer neuen Umgebung relativ sicher fühlen, werden sie aufeinander zugehen und sich beschnuppern. Darauf kann ein Brummen oder Knurren folgen, die Tiere springen aufeinander zu und jagen sich unter Umständen gegenseitig. Auch ein Aufsitzen bzw. Berammeln von vorne oder hinten ist normal und dient der Klärung der Rangordnung.

Nicht selten bildet sich kurzzeitig ein Knäuel, sodass sogar Fellbüschel fliegen. Damit die Tiere ihre Hierarchie klären können, sollten Sie hier nicht eingreifen. Nur wenn sie sich ernsthafte (blutige) Wunden zufügen oder eines der Tiere verängstigt schreit, ist es ratsam, (mit dicken Handschuhen bekleidet) dazwischenzugehen. Wenn wieder Ruhe in die Gruppe eingekehrt ist, können Sie den Versuch wiederholen.

Nach der erfolgreichen Zusammenführung der Kaninchen

Eine erfolgreiche Zusammenführung kann mitunter Tage und Wochen dauern. Geben Sie nicht vorschnell auf und holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung von einem erfahrenen Kaninchen-Halter. Ist die Vergesellschaftung auf neutralem Boden geglückt, d.h. vertragen die Langohren sich über einen Zeitraum von mehreren Stunden (oder besser noch Tagen), können sie in ihr gemeinsames Zuhause einziehen.

Das Gehege sollte zuvor gründlich gereinigt und neu eingerichtet werden, sodass das alteingesessene Kaninchen keinen Heimvorteil genießt. Dennoch kann es hier zu erneuten Auseinandersetzungen kommen. Erst wenn die Tiere entspannt nebeneinanderliegen und gemeinsam fressen, war die Integration erfolgreich.
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Erst wenn die Kaninchen zusammen fressen, ist die Vergesellschaftung erfolgreich. © cuhle-fotos-stock.adobe.com

Besondere Situationen bei der Vergesellschaftung von Kaninchen

Bei der Vergesellschaftung von Kaninchen kann es je nach Charakter und Harmonie in der Gruppe zu verschiedenen Sondersituationen kommen.

  • Ineinander verkeilen oder verbeißen: Bildet sich das Knäuel nur kurzzeitig, brauchen Sie sich nicht zu sorgen. Beobachten Sie die Situation allerdings aus der Ferne. Wenn die Kaninchen nicht voneinander ablassen, sind sie eventuell nicht miteinander verträglich.
  • Dauerhaftes Jagen: Wird eines der Kaninchen auch nach einigen Wochen fast durchgängig vom anderen gejagt, kommt kaum zur Ruhe und hat starke Angst, so sollten die beiden Kaninchen getrennt und mit einem passenden Partnerkaninchen vergesellschaftet werden.
  • Unreinheit: Während der Vergesellschaftung markieren die Kaninchen verstärkt ihr Revier mit Urinspritzern oder Kot. Am Ende der Vergesellschaftung sollte dieses Verhalten weniger werden.
  • Klare Verängstigung: Sitzt eines derKaninchen mit weit aufgerissenen Augen, oder teilnahmslos und bewegungslos im gemeinsamen Käfig, so hat es große Angst. In diesem Fall sollte die Vergesellschaftung abgebrochen werden. Suchen Sie einen sensiblen/ruhigen, gegengeschlechtlichen Partner für Ihr verängstigtes Kaninchen.
  • Bissverletzungen: Fügen sich die Kaninchen ernsthafte Wunden zu, sodass eines der Kaninchen am Rücken stark verletzt oder von Bisswunden übersät wird, sollte die Zusammenführung der beiden Kaninchen abgebrochen werden. Eine einzelne Bisswunde oder ein Kratzer kann auch unbeabsichtigt entstehen, z.B. wenn beim Hochspringen die Kralle ans Auge kommt.

Was ist, wenn die Kaninchen nicht aufeinander reagieren?

Es kommt vor, dass bei Vergesellschaftungen von Kaninchen nichts passiert. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn ein einzelnes Kaninchen zu einer bereits bestehenden Gruppe gesetzt wird. Die Kaninchen tun so, als wäre kein neues Tier in der Gruppe. Hier ist aber Vorsicht geboten!

Die Rangkämpfe setzen dann meist verspätet nach mehreren Wochen ein und sind dann um einiges heftiger als normal. Das liegt daran, dass das Kennenlerngebiet für die Kaninchen dann nicht mehr neutral ist, sondern die Gruppe es als ihr Revier sieht. In so einem Fall scheitert die Vergesellschaftung oft und es müssen neue Partner gesucht werden.

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