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Bienensterben: Ein dramatisches Phänomen bedroht Landwirtschaft und Natur

Das rätselhafte Bienensterben bedroht nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die globale Biodiversität. Forscher kämpfen gegen die Ursachen, während die Folgen für Ernten und Natur immer gravierender werden.

Bienenschwarm
Über 60 % der Bienenpopulation in den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Wintermonaten gestorben.© stock.adobe.com/topo84

In den USA sorgt das mysteriöse Bienensterben für Besorgnis unter Wissenschaftlern und Imkern. Millionen von Honigbienen sterben, ohne dass eine klare Ursache feststellbar ist. Doch die Bemühungen, das Rätsel zu lösen, werden durch politische Entscheidungen behindert. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft könnten gravierend sein.

Aktuelle Berichte aus den USA sprechen von einem traurigen Rekord: Über 60 % der Bienenpopulation in den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Wintermonaten gestorben. Besonders betroffen sind gewerbliche Imker, die von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängig sind.

Die Zahlen stammen aus dem Apis m. Forschungsprojekt, das die Population der Europäischen Honigbienen überwacht. Das Projekt, auch bekannt als Project Apis m. (kurz: Pam), besteht aus einer Gruppe von Imkern und landwirtschaftlichen Interessenvertretern. Pam hat jetzt Alarm geschlagen und warnt vor den langfristigen Folgen für Ernten und die Umwelt.

Das unerklärliche Bienensterben

Wissenschaftler bei Pam und der Cornell University wurden auf das massenhafte Sterben der Bienen aufmerksam, als im Winter eine ungewöhnlich hohe Zahl von Bienenvölkern Richtung Kalifornien zog, einem Zentrum für Mandelplantagen. Diese Bäume sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, um ihre Erträge zu sichern.

Normalerweise sterben im Winter bis zu 20 % der Bienen in einer Kolonie, was für deren Fortpflanzung wichtig ist. Doch die große Zahl der verendeten Bienenstöcke dieses Jahr ist außergewöhnlich. "Es ist alles weg", zitiert der "Guardian" einen Imker. "Unsere Ersparnisse, unsere Existenzgrundlage, alles ist verloren. Es bleibt nur noch die Erinnerung an die leeren Bienenkästen."

Dieser dramatische Rückgang der Bienenvölker hat sogar zu einem neuen Begriff geführt: "Colony Collapse Disorder" oder Koloniezusammenbruchs­törung. Ein typisches Merkmal dieser Störung ist das Verschwinden der Sammelbienen, die die Bienenkönigin und ihre Nachkommen mit Nahrung versorgen. Dadurch stirbt in vielen Fällen fast die Hälfte des Bienenvolkes. In einer Untersuchung von 1,8 Millionen Bienenvölkern, mit bis zu 80.000 Bienen pro Kolonie, wurde festgestellt, dass die Zahl der toten Bienen in den Milliardenbereich geht.

Die Ursachen für das Massensterben sind bislang unbekannt, doch Forscher vermuten ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:

  • Monokulturen in der Landwirtschaft, die den Bienen nicht genügend Nahrung bieten
  • Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden
  • Sonnenstürme
  • Der Klimawandel, der den Lebensraum von Wildbienen verringert und sie in Konkurrenz mit Honigbienen stellt.

Wissenschaftler warnen seit Jahren, dass der Rückgang der Bienen die biologische Vielfalt gefährdet und somit die weltweite Nahrungsmittelproduktion behindert.

Krise in der Landwirtschaft

Honigbienen sind für die Landwirtschaft von unschätzbarem Wert, sowohl in den USA als auch in Europa. Sie bestäuben eine Vielzahl von Pflanzen, darunter Äpfel, Beeren, Kürbisse und Melonen, was für die Fortpflanzung dieser Pflanzen entscheidend ist.

Der Ausfall der Bienen hat bereits spürbare Auswirkungen auf Obstplantagen. Ein Experte der Cornell University erklärte, dass dieses Jahr ein besonders schlimmes Ereignis stattgefunden habe.

Verluste in Millionenhöhe

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte sich eigentlich dem Bienensterben widmen wollen, doch die Regierung unter Präsident Trump entließ viele der beteiligten Forscher. Dadurch musste die Cornell University einspringen, die jedoch von vorn anfangen musste.

Das Bienensterben hat auch massive wirtschaftliche Folgen. Die Schäden in der Honigproduktion allein in diesem Winter wurden auf rund 139 Millionen Dollar geschätzt. Als Folge stiegen die Honigpreise um etwa fünf Prozent, was sich in den ohnehin schon gestiegenen Lebensmittelpreisen niederschlägt.

Situation der Bienen in Deutschland

Auch in Deutschland ist das Bienensterben ein drängendes Thema. Während Honigbienen hier weniger gefährdet sind, gibt es auch besorgniserregende Zahlen: Etwa ein Viertel der Bienen in deutschen Völkern starb im vergangenen Winter. Dies liegt jedoch noch im Bereich der üblichen Schwankungen. Am meisten bedroht sind die Wildbienen. Von den 520 Arten in Bayern sind bereits 40 ausgestorben, und 79 weitere gelten als gefährdet. Insgesamt sind mehr als die Hälfte aller Wildbienenarten bedroht.

Die Regierung hat bereits einige Maßnahmen ergriffen, wie die Förderung von Blühstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen. Allerdings gibt es Kritik an der Wirksamkeit dieser Maßnahmen, da viele sich auf die Honigbienen konzentrieren und die Wildbienen außer Acht lassen.

Was Sie für Bienen tun können

Neben politischen Maßnahmen kann auch jeder Einzelne einen Beitrag leisten, das Bienensterben zu stoppen. Eine einfache Möglichkeit ist, Bio-Produkte zu kaufen, die eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützen, sowie Honig vom Imker zu beziehen.

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Quellen:

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