Lexikon

Giraffe

Giraffen sind außergewöhnliche Tiere und stark gefährdet. Erfahren Sie hier alles zu Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung von Giraffen.

Der Hals einer Giraffe kann bis zu 2,5m lang werden.© Pixaby/Klinkow

Giraffen sind in den afrikanischen Savannen beheimatet. Heute leben sie nur noch südlich der Sahara, vor allem in den Grassteppen Ost- und Südafrikas.

Steckbrief

Körperlänge: Weibchen: 3,5 - 4,5 m, Männchen: 4,5 - 6 m
Gewicht: Weibchen: 550 - 1000 kg, Männchen: 700 - 1900 kg
Lebenserwartung: 10 - 30 Jahre
Verbreitung: Afrika, südlich der Sahara
Lebensraum: Savanne, Buschland
Artbestand: je nach (Unter-) Art bedroht, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht

Systematik

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Giraffenartige
Gattung: Steppengiraffen
Art: Giraffe (Giraffa) mit bis zu neun Unterarten (Je nach Systematisierung)

Aussehen

Charakteristisch für Giraffen sind ihre langen Hälse: Sie erreichen mit bis zu 2,5 Metern Länge im Tierreich einzigartige Ausmaße und sind mit einer Stehmähne geschmückt. Auf dem Kopf befinden sich zwei mit Fell überzogene Stirnfortsätze mit schwarzen Haarbüscheln an den Enden. Das Fell ist von hell- bis dunkelbraunen, eckigen Flecken bedeckt, die je nach (Unter-)Art verschieden aussehen können: So hat die Netz-Giraffe zum Beispiel dunklere, große Flecken mit ausgefransten Rändern, während die Flecken der Kordofan-Giraffe heller und etwas kleiner sind.

Während lange die Ansicht vorherrschte, dass es eine Giraffenart und neun Unterarten gibt, fand eine Studie im Jahr 2016 heraus, dass es womöglich vier Giraffenarten gibt, die sich in freier Wildbahn auch nicht kreuzen:

  • Süd-Giraffe (Giraffa giraffa)
  • Massai-Giraffe (Giraffa tippelskirchi)
  • Netz-Giraffe (Giraffa reticulata)
  • Nord-Giraffe (Giraffa camelopardalis)

Diese Arten haben zum Teil wiederum weitere Unterarten.

Fortpflanzung und Entwicklung

Giraffenbullen erkennen durch 'Flehmen', ob das Weibchen ihrer Wahl paarungsbereit ist. Dabei heben sie den Kopf leicht an, schieben die Oberlippe hoch und öffen den Mund leicht. So können sie den Geruch der Giraffendame besser wahrnehmen.

Rund 14 bis 15 Monate nach der Paarung kommt ein Junges zur Welt. Die Giraffe gebärt im Stehen und so fällt das Junge recht unsanft aus etwa zwei Metern Höhe auf den Boden. Das macht dem Baby aber nichts:

  • Schon nach 30 Minuten können die meisten Neugeborenen – wenn auch noch unsicher – stehen. Das ist wichtig, denn eine neugeborene Giraffe hat viele Feinde, z.B. Löwen, Hyänen und Wildhunde.
  • Bei der Geburt ist der Nachwuchs schon etwa 1,8 Meter groß.
  • Der Nachwuchs wird etwa ein Jahr lang gesäugt. Nach vier bis fünf Jahren ist es dann selbst geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Giraffen sind sehr gesellig und leben in lockeren Herden von zehn bis 20 Tieren zusammen. Innerhalb der Gruppen gibt es zwar Rangordnungen, aber die Langhälse sind so friedfertig, dass man diese kaum erkennt. Kommt es doch einmal zum Kampf zwischen zwei Bullen, zum Beispiel um ein Weibchen, wird dieser mit Hals, Kopf und Hörnern ausgetragen: Sie holen weit aus und schlagen dem Gegner dann mit der Kopfseite gegen den Hals.

Der Verlierer wird nach dem Streit aber nicht vertrieben, denn die Rangfolge ist geklärt und er muss sich unterordnen. Mit den Hufen wird bei diesen Rangeleien nie getreten. Aus gutem Grund: Die heftigen Tritte der Paarhufer haben schon so manche Raubkatze das Leben gekostet und sind viel zu gefährlich für einen Kampf unter Artgenossen.

Kommunikation

Giraffen verständigen sich in einem für Menschen nicht hörbaren, sehr tiefen Frequenzbereich unter 20 Hertz. Nur ab und zu ist ein Blöken zu hören. Dank ihrer scharfen Augen und der Fähigkeit, Farben zu sehen, erkennen sie sogar auf mehrere hundert Meter Entfernung die Mitglieder ihrer Herde. Die Rangordnung ist nur daran zu erkennen, dass die niedriger gestellten Tiere ein wenig den Kopf senken, wenn ein "hohes Tier" ihren Weg kreuzt.  Das erhobene Haupt soll imponieren oder auch drohen.

Ernährung

Giraffen sind, wie Kühe, Wiederkäuer. Am liebsten fressen Giraffen:

  • Blätter
  • Knospen
  • Akazienlaub aus den Baumkronen.

Ihr langer Hals ermöglicht den Giraffen, höchste Baumkronen zu erreichen. Allerdings hat eine solche Körpergröße auch Nachteile: Zum Trinken müssen sie ihre Vorderbeine spreizen und in den Ellbogen einknicken, um an Wasser zu gelangen. Aus dieser Position können sich die Giraffen nicht so schnell lösen und sind daher für Raubtiere angreifbarer. Aus diesem Grund fressen die Tiere auch sehr selten Gras: Es ist einfach zu umständlich.  

Bedrohung von Giraffen

Was viele nicht wissen: Giraffen sind stark gefährdet und verschwinden vermeidlich unauffällig immer weiter aus ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten. Die Nubische Giraffe und die Kordofan Giraffe sind bereits vom Aussterben bedroht. Von vielen Unterarten, zum Beispiel der Thornicroft-Giraffe oder der Rothschild-Giraffe leben außerdem nur noch wenige hundert bis tausend Tiere in isolierten Regionen Afrikas. Auch andere Giraffenarten wie die Massai Giraffe sterben in immer mehr afrikanischen Ländern aus. Die Populationen sinken weiter.

Zwischen 1985 und 2015 ist die Giraffenpopulation um 36-40 Prozent gesunken. Schätzungen gehen von weniger als 100.000 Giraffen in ganz Afrika aus. Die Gründe dafür sind:

  • Lebensraumverlust
  • Wilderei
  • (Trophäen-) Jagd

In Afrika werden Giraffen als Fleischquelle und wegen verschiedener Körperteile gehandelt. Außerdem besteht der Irrglauben, dass das Rückenmark von Giraffen ein Wunderheilmittel gegen Aids und HIV sei. In den USA, in Europa und Asien sind sie als Jagdtrophäen oder Deko-Artikel gefragt.

Hätten Sie's gewusst?

Giraffen haben eine blaue, sehr bewegliche Zunge, die bis zu einem halben Meter lang sein kann. Mit ihr können sie auch Blätter in großen Höhen erreichen und abreißen. Eine Hornhaut schützt sie vor spitzen Zweigen und scharfen Dornen.

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