Wildtier-Lexikon

Blauwal

Der Blauwal ist das größte Säugetier der Welt - und das größte Tier, das jemals auf Erden gelebt hat. In diesem Steckbrief erfahren Sie alles über Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Lebensweise, Verhalten, Ernährung und Bedrohung des Blauwals.

Steckbrief: Blauwal
Der Blauwal ist das größte, lebende Säugetier auf unserer Welt© Pixabay/Janeb13

Der Blauwal bricht mit seiner Größe zahlreiche Rekorde. Er ist ein beeindruckendes Tier. Doch leider ist er auch stark gefährdet. Der intensive Walfang im 20. Jahrhundert hätte ihn fast ausgerottet.

Steckbrief

Körperlänge: 25 - 34 m
Gewicht: 100 - 200 t
Lebenserwartung: 50 - 80 Jahre
Verbreitung: in allen Weltmeeren
Lebensraum: Hochsee
Artbestand: stark gefährdet

Systematik

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Wale
Familie: Furchenwale
Gattung: Balaenoptera
Art: Blauwal (Balaenoptera musculus)

Aussehen des Blauwals

Der Körper des Blauwals ist schlank, stromlinienförmig und dunkel blau-grau gefärbt. Dabei ist die Bauchseite etwas heller getönt und kann nach längerer Zeit in polaren Gewässern auch leicht gelblich gefärbt sein.

Die großen Meeressäuger haben einen U-förmigen Kopf mit einer flachen Schnauze. In seiner Mitte befindet sich bis zum Blasloch eine leichte Erhebung. Der Blauwal gehört zu den Furchenwalen und besitzt daher etwa 50 bis 90 Kehlfurchen.

Die Rückflosse des Blauwals befindet sich auf dem hinteren Viertel des Rückens und ist ziemlich klein: Sie erreicht eine maximale Höhe von 45 Zentimeter. Die Brustflossen des Blauwals sind schmal. Seine Schwanzflosse kann von Spitze zu Spitze etwa 4,5 Meter lang werden, in der Mitte hat sie eine Einkerbung.

Hätten Sie's gewusst?

Der Blauwal ist das größte Säugetier der Welt - und das größte Tier, das jemals auf Erden gelebt hat. Das Herz eines Blauwals wiegt bis zu einer Tonne und ist in etwa so groß wie ein kleines Auto. Seine Hauptschlagader ist so groß, dass ein Mensch durch sie hindurch schwimmen könnte. Der Magen eines Blauwals kann bis zu 2.000 Kilogramm Nahrung aufnehmen. Seine Zunge wiegt etwa vier Tonnen - so viel wie ein Elefantenbulle.

Blauwal
Die Fluke des Blauwals kann etwa 4,5 Meter breit werden.© Lydia-stock.adobe.com

Fortpflanzung und Entwicklung

Über das Paarungsverhalten von Blauwalen ist nur wenig bekannt. Die trächtigen Weibchen wandern in subtropische Gewässer, um dort nach einer Tragzeit von etwa elf Monaten ihr Junges zur Welt zu bringen. Schon bei der Geburt ist ein Blauwalbaby etwa sieben Meter lang und wiegt bis zu drei Tonnen.

Die Entwöhnung der Jungtiere findet nach sieben- bis achtmonatiger Säugung statt, während der Wanderung in die Nahrungsgründe. Weibliche Blauwale sind etwa alle zwei bis drei Jahre trächtig. Sie erreichen ihre Geschlechtsreife frühestens mit fünf Jahren. Männliche Tiere werden mit vier oder fünf Jahren geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Blauwale sind meist Einzelgänger oder bilden Mutter-Kind-Gruppen. Sie können mehr als 30 km/h schnell schwimmen. Blauwale können bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben und 200 Meter tief tauchen. Wenn sie atmen, stoßen sie beim Auftauchen einen Wasser-Luftstrahl nach oben aus. Dieser wird "Blas" genannt und ist zwischen drei und neun Meter hoch.

Blauwale gehören zu den Wanderern in der Tierwelt: Sie schwimmen von kalten Gewässern, wo sie Nahrung suchen, in wärmere Gewässer, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. 

Kommunikation bei Blauwalen

Blauwale unterhalten sich mit tieffrequenten Stöhnlauten, Pochen, Raspeln und Brummen. Sehr selten stoßen die Säuger auch ultrafrequente Klicklaute aus. Blauwale können sich durch ihre lauten Rufe über mehrere hundert oder tausend Kilometer hinweg verständigen.

Ernährung von Blauwalen

Der Blauwal ernährt sich von Plankton, also kleinen Organismen unterschiedlicher Art, die frei im Wasser schweben. Diese filtert er mit Hilfe seiner Barten aus dem Meerwasser heraus. In der Antarktis ist er auf antarktischen Krill spezialisiert. Die Kleinskrebse, die nur rund sechs Zentimeter lang werden, kommen in großen Schwärmen vor. In seltenen Fällen ernähren sich Blauwale auch von Fischen. Ihre Nahrung suchen Blauwale meist in Tiefen von 100 Metern. In den Sommermonaten frisst ein Blauwal pro Tag bis zu 40 Millionen Kleinkrebse, im Winter lebt er von seinen Fettreserven.

Bedrohung des Blauwals

Aufgrund der intensiven Bejagung des Blauwals im 20. Jahrhundert stand der Meeresriese in den 60er Jahren kurz vor der Ausrottung. Schätzungsweise nur noch 1000-3000 Blauwale befanden sich zu dieser Zeit in den Ozeanen. 1966 verbot die Internationale Walfangkommission schließlich die Jagd auf Blauwale. Seitdem konnten sich die Bestände auf schätzungsweise 10.000 bis 25.000 Tiere erholen. Vor der intensiven Bejagung gab es wohl etwa 100.000 bis 200.000 Blauwale in den Weltmeeren. Die Bestände jetzt stellen also nur etwa ein Zehntel der ursprünglichen Blauwal-Population dar.

Viele Aspekte um den Blauwal, z.B. die genauen Wanderrouten, sind  noch unzureichend erforscht. Für den besseren Schutz der Tiere wäre eine genauere Erforschung aber notwendig.

Der Blauwal wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet eingestuft. Eine Population, der Antarktische Blauwal, gilt als vom Aussterben bedroht. Heute sind vor allem Meeresverschmutzung und Kollisionen mit Schiffen die Hauptbedrohungen der Blauwale.

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