Wildtier-Lexikon

Weißer Hai

Der Weiße Hai ist der größte Raubfisch der Welt. In diesem Steckbrief erfahren Sie alles über Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung des Weißen Hais.

Weißer Hai
Spätestens seit dem Horrorfilm "Der Weiße Hai" hat der Weiße Hai einen sehr schlechten Ruf, der ihm aber nicht gerecht wird.© Andrea Izzotti-stock.adobe.com

Der Weiße Hai kommt in fast allen Ozeanen der Welt vor und lebt in gemäßigten, tropischen und subtropischen Zonen. Er hält sich oft in Küstennähe (in der Nähe von Robbenkolonien), aber auch auf Hoher See auf.

Steckbrief

Körperlänge: 4m - 7m
Gewicht: von 800kg bis 3t
Lebenserwartung: bis zu 70 Jahre
Verbreitung: weltweit (außer polare Gewässer, schwarzes Meer und Ostsee)
Lebensraum: Meer
Artbestand: gefährdet

Systematik

Klasse: Fische
Ordnung: Markrelenhaiartige
Familie: Markrelenhaie
Gattung: Carcharodon
Art: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)

Aussehen

Der mächtige, elegante Körper des Weißen Hais kann mehr als sechs Meter lang werden. Im Durchschnitt wird dieser Hai jedoch nur etwa fünf Meter lang. Der Übergang vom Körper zum Kopf ist nicht erkennbar.

Weitere Merkmale des Weißen Hais sind:

  • Die Schnauze läuft spitz zu.
  • Das Maul ist groß, kegelförmig und mit spitzen, scharfen Zähnen versehen.
  • Die Zähne sind breit und dreieckig. Ein Weißer Hai hat 23-28 Zähne im Oberkiefer und 20-26 im Unterkiefer
  • Die großen Augen sind schwarz.
  • Der Weiße Hai besitzt sehr ausgeprägte Kiemenspalten.
  • Die Brustflossen sind sichelförmig und laufen ebenso wie die Rückenflosse spitz zu.
  • Die Schwanzflosse ist halbmondförmig und symmetrisch, der obere Teil ist ebenso lang wie der untere Teil.

Der Körper des Weißen Hais hat eine blau- oder braungraue Farbe. Der Bauch ist weiß gefärbt - so ist der Weiße Hai auch zu seinem Namen gekommen. Die Spitzen der Brustflossen sind oft schwarz.

Fortpflanzung und Entwicklung

Ein Weißer Hai wird relativ spät geschlechtsreif: Männchen mit etwa 26 Jahren, Weibchen mit 33. Über die Fortpflanzung und die Entwicklung des Weißen Hais ist nur wenig bekannt. Trächtige Weibchen werden selten gesehen. Wahrscheinlich entfernt sich eine werdende Mutter von ihren Artgenossen. Weiße Haie bringen ihre Jungen lebend zu Welt, das heißt sie entwickeln sich im Mutterleib.

Es wird vermutet, dass das Weibchen etwa zwölf bis 18 Monate trächtig ist. Nach dieser Zeit bringt es zirka zehn Junge zur Welt. Ein Jungtier ist etwa 1,50m lang. Männchen werden geschlechtsreif, sobald sie eine Länge von etwa drei Metern erreicht haben, Weibchen müssen vier Meter lang werden. Diese Längen zu erreichen kann acht bis zehn Jahre dauern.

Lebensweise und Verhalten

Weiße Haie leben sowohl als Einzelgänger als auch manchmal in kleinen Gruppen. In diesen Gruppen gibt es eine ausgeprägte Sozialstruktur und eine feste Rangordnung. Ein Weißer Hai kann auch für Artgenossen eine tödliche Gefahr sein. Treffen zwei unbekannte Haie zusammen, schwimmen sie oftmals direkt aufeinander zu. Der Schwächere weicht vor dem Zusammenprall aus.

Auch kräftiges Schlagen mit der Schwanzflosse dient zur Klärung der Rangordnung. Der Weiße Hai ist nicht wirklich kaltblütig, seine Körpertemperatur entspricht also nicht der Wassertemperatur. Ein spezielles Netz aus Blutgefäßen ist dafür verantwortlich, dass die Körpertemperatur etwa 15 Grad höher ist als die Außentemperatur. Daher kann sich ein Weißer Hai auch in kälteren Gewässern aufhalten und sehr schnell schwimmen.

Der Weiße Hai hält sich oft nahe an der Wasseroberfläche oder in Tiefen von 300 bis 500 Metern auf. Bei mit Sendern ausgestatteten Tieren wurden aber auch Tauchgänge bis 1000 Meter Tiefe dokumentiert. Vor allem Männchen wandern teilweise mehrere tausend Kilometer durch die Ozeane. Als Grund wird der Austausch des Genpools vermutet.

Weißer Hai
Der Weiße Hai ist ein reiner Fleischfresser.© willyam-stock.adobe.com

Sinnesleistungen

Ein Weißer Hai hat verhältnismäßig große Augen, die über ein gutes Sehvermögen verfügen. Spezielle Blutgefäße versorgen die Augen, sodass die Tiere schnell reagieren können. Der Weiße Hai kann sogar Farben sehen, und auch sein Geruchsinn ist hervorragend entwickelt.

Zudem hat er in der Nase ein spezielles Organ, die Lorenzinischen Ampullen. Diese Öffnungen sind mit einer gallertartigen Masse gefüllt und ermöglichen es dem Hai, die elektromagnetischen Felder seiner Beutetiere aus großer Entfernung aufzuspüren.

Ernährung

Der Weiße Hai ist ein reiner Fleischfresser. Die Größe seiner Beutetiere richtet sich nach dem Alter des Hais. Junge Haie ernähren sich hauptsächlich von kleineren Fischen und Tintenfischen. Ein erwachsener Hai macht Jagd auf große Fische wie Thunfisch und andere Haiarten sowie Robben.

Auch Schweinswale und Delfine stehen auf seinem Speiseplan. Ein Weißer Hai braucht fettreiche Nahrung. Von einer ausgewachsenen Robbe kann er etwa einen Monat lang leben. Er bewegt sich bei der Jagd nahe am Meeresgrund fort und greift seine Beute von unten an.

Bedrohung des Weißen Hais

Der Weiße Hai wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft. Von der Fischerei an sich ist er nicht gefährdet, da der Weiße Hai relativ selten ist und sich eine industrielle Fischerei daher nicht lohnt. Allerdings landet der Weiße Hai oft als Beifang in Fischernetzen. Außerdem leidet er unter der Veränderung seines Lebensraums, zum Beispiel durch Verschmutzung, und den Rückgang seiner Beute, zum Beispiel Thunfische.

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Natürliche Feinde hat der Weiße Hai übrigens kaum. Meist steht er selbst an der Spitze der Nahrungskette. Nur der Schwertwal kann ihm gefährlich werden.

Hätten Sie's gewusst?

Spätestens seit dem Horrorfilm "Der Weiße Hai" hat der Weiße Hai einen sehr schlechten Ruf. Diesem Ruf wird er jedoch nicht gerecht. Er kann Menschen zwar auf jeden Fall gefährlich werden und von ihm gehen auch die meisten Hai-Angriffe aus, doch entgegen der verbreiteten Meinung ist der Weiße Hai ein friedlicher und scheuer Meeresbewohner. Er meidet die Begegnung mit Menschen so weit wie möglich. Menschen passen auch nicht in sein Beuteschema. Es wird vermutet, dass Angriffe auf beispielsweise Surfer oder Schwimmer mit dunkler Kleidung oft auf eine Verwechslung mit Robben zurückzuführen sind. Auch, dass die Haie nach dem ersten Angriff meist von Menschen ablassen und nicht weiter zubeißen spricht für eine Verwechslung. Im Jahr 2020 gab es 57 Haiangriffe, die nicht merklich durch den Menschen provoziert wurden (allgemein, nicht nur vom Weißen Hai). Zehn davon endeten tödlich.

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