Bienenfresser wird heimisch

Als Folge steigender Temperaturen erweiterten bereits einige südeuropäische Vögel ihr Brutareal nach Norden. Auch der Bienenfresser ist ein Gewinner des Klimawandels: Er hat sich in einigen Gegenden Deutschland als Brutvogel etabliert.

Der Bienenfresser ernährt sich von Insekten. © Stock.adobe.com/VOLODYMYR KUCHERENKO

Das, was in den Sommermonaten in warmen mittel- und südeuropäischen Regionen ein gewohnter Anblick ist, kann inzwischen immer häufiger auch in Deutschland beobachtet werden: brütende Bienenfresser, die es vermutlich als Folge des zunehmend kontinentaler werdenden Klimas verstärkt in nördlichere Gefilde zieht. 

Bienenfresser: bunt und exotisch

Der Bienenfresser zählt zur Familie der Spinte, die alle besonders farbenprächtig sind. Durch seine auffällige Färbung kann er selbst von Laien leicht erkannt werden. Das Gefider des Bienenfressers strahlt in vielen Farbtönen: 

  • Kopf und Nacken: kastanienbraun
  • Rücken: bräunlich-goldgelb
  • Unterseite: gelbe, mit schwarzem Strich begrenzte Kehle
  • Brust und Bauch: grün-blau bis türkisgrün
  • Schwanzfeder: dunkel mit grünblauen Außensäumen
  • Handschwingen: grünlichblau
  • Armschwingen: rotbraun mit schwärzlicher Spitze
  • Schnabel: schwarz und spitz

Bienenfresser sind etwa 27 bis 29 Zentimeter groß. Männliche Bienenfresser sind dabei etwas größer als weibliche, außerdem ist auch ihr Gefieder etwas stärker gefärbt.

Bienenfresser haben prächtige Farben. © Stock.adobe.com/drakuliren

Fressen Bienenfresser wirklich Bienen?

Auf dem Speiseplan des Bienenfressers stehen Insekten wie Hummeln, Bienen, Libellen, Käfer und Schmetterlinge. Um satt zu werden, benötigt ein Bienenfresser etwa 200 Insekten pro Tag.

Besonders spektakulär ist auch das Fressverhalten des Bienenfressers. Im Flug packen sie geschickt ein flatterndes Insekt und schlagen diesem auf einem Ast den gefährlichen Stachel aus. Dann werfen sie das Insekt wieder hoch in die Luft, fangen es auf und verschlucken es. 

Während der 30-tägigen Nestlingszeit braucht ein Junges etwa 700 Insekten als Nahrung. Da die Eltern während dieser Zeit ja auch selbst versorgt sein wollen, gestaltet sich die Jagd nach Nahrung als anstrengende und kräftezehrende Angelegenheit. Deshalb helfen kinderlose Artgenossen bei der Brutpflege. Ohne deren Hilfe könnte ein Elternpaar nur etwa zwei Junge durchbringen. Nur mit Beistand der Helfervögel können Gelege mit mehr als zwei Jungen überhaupt aufgezogen werden.

Bienenfresser brütet in Deutschland 

Schon seit dem Jahr 1964 kann nachgewiesen werden, dass Bienenfresser auch in Deutschland brüten. Jedoch wechselte er sein Brutgebiet stark und eine feste Bienenfresser-Kolonie entwickelte sich nicht. Erst ab 1990 konnte in einigen Bundesländern eine dauerhafte Besiedelung festgestellt werden. 

Mehr als 500 Bienenfresser-Brutpaare können aktuell in Deutschland nachgewiesen werden – Tendenz steigend. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt vor allem in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Kleinere Bienenfresser-Vorkommen gibt es jedoch auch in Sachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. 

Wer sich auf die Suche nach einem Bienenfresser machen möchte, sollte einen genauen Blick in aufgelassene Kies-, Sand- und Braunkohlegruben mit Steilwänden werfen. Hier brütet der Bienenfresser zwischen Mai und August besonders gern. Bevor sie im Juni mit dem Brutgeschäft beginnen, bauen sie bis zu zwei Meter lange, horizontale und am Ende zu Brutkammern erweiterte Brutröhren in steile Löss- und Sandwände. 

Bienenfresser brüten an Steilwänden. © Stock.adobe.com/Frank Fichtmüller

Wo verbringt der Bienenfresser den Winter?

Da es nicht möglich ist, den kleinen Vogel mit einem Satellitensender auszustatten, konnten über das Winterquartier des Bienenfressers lange Zeit nur Vermutungen angestellt werden. Erst 2010 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts von NABU und einigen anderen Partnern 40 Bienenfresser mit winzigen Ortungschips ausgestattet. 

Die Bienenfresser verlassen Deutschland Anfang September und fliegen südlich. Die Aufzeichnung der Ortungschips zeigte, dass die Vögel in Südspanien das Mittelmeer überqueren und in Zentralafrika überwintern. Mitte Mai kehren sie nach Deutschland zurück und beginnen mit dem Nestbau. 
 

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