Nilgans: Vertreibt sie heimische Vögel?

Die ursprünglich aus Afrika stammende Nilgans hat sich in Deutschland rasant ausgebreitet. Sie sorgt für Kritik – doch: Wie können Menschen und Gänse in Parks und weiteren Flächen miteinander auskommen? Fachmann Dr. Stefan Bosch gibt Auskunft. 

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Nilgänse breiten sich in Stadtparks immer mehr aus. © Stock.adobe.com/Wiltrud

Die Nilgans ist in Deutschland heute weit verbreitet und kann beinahe in jedem Stadtpark beobachtet werden. Teils wirken die Tiere sehr aggressiv. Wörter wie „Plage“, „Abschuss“ und „Jagd“ lassen nicht lange auf sich warten. 

Dr. Stefan Bosch kennt die Kritik und die mit der Nilgans in Verbindung gebrachten Probleme. Er ist seit vielen Jahren ehrenamtlich Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz im Naturschutzbund (NABU)-Landesverband Baden-Württemberg. 

Inhaltsübersicht: 

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© Andreas Kieling

Nilgans: Deshalb wird sie zum Problem

Probleme mit der Nilgans entstünden beim Aufenthalt der Tiere in Parkanlagen und Schwimmbädern. Dort kämen ihnen die gemähten Flächen, die einfache Nahrungssuche und die Übersicht entgegen. 

Die weiteren Kritikpunkte seien, so Bosch, das aggressive Verhalten der Nilgänse auf Parkgewässern und die Konkurrenz um Brutplätze

Bei der Besetzung der Nester seien Nilgänse „relativ dominant“. Das recht aggressive Auftreten im Wasser erklärt sich Bosch wie folgt: „Das liegt wahrscheinlich daran: Wenn sich – häufig in Stadtparks – zu viele Nilgänse mit anderen Wasservögeln ein Gewässer teilen müssen, dann steigt die Aggression der Nilgans.“ 

Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Tiere auf größeren Gewässern oder Flussabschnitten ein unproblematisches Verhalten zeigen.

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Eine Nilgans im Stuttgarter Rosensteinpark auf einer der vielen und großen Grünflächen. © Rouven Spindler
Die Nilgans im Steckbrief

Die Nilgans ist im 17. und 18. Jahrhundert aus Afrika nach Europa gebracht worden, um dort als Ziervogel gehalten zu werden. Sie konnte vereinzelt fliehen und breitete sich später nach und nach auf dem europäischen Kontinent aus. Über die Niederlande erreichte sie vermutlich in den 1970er-Jahren Deutschland. 
Die Nilgans wird rund 70 Zentimeter groß und ernährt sich hauptsächlich vegetarisch. Sie fühlt sich unter anderem in Parks wohl, wo sie sich auf den Grünflächen und in den Gewässern aufhält. Bezogen auf ihr Aussehen stechen ihre Flecken rund um die Augen, die langen Beine und generell ihr farbliches Gefieder hervor. 

Wird die exotische Nilgans zum Dauergast?

 „Die Hauptfrage ist, wie man in den Grünflächen mit den Gänsen klarkommt. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, ein Patentrezept gibt es nicht,“ so der Fachbeauftragte für Ornithologie und Vogelschutz im Naturschutzbund. Er kann sich nicht vorstellen, dass eine Eindämmung der Art möglich ist. Nilgänse gelten als flexibel in ihrer Brutzeit, ihrem Brutplatz und ihrer Nahrungsbeschaffung, beispielsweise auf Wiesen. 

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„Die Nilgans hat sich mittlerweile in Europa so weit ausgebreitet und etabliert, dass man sie auch mit irgendwelchen Verfolgungsmaßnahmen wahrscheinlich nicht mehr wird eindämmen können“, so der Fachbeauftragte. 

Er fügt an: „Wenn sich eine neu eingebürgerte Art einmal etabliert hat und in der Fläche präsent ist, ist es extrem schwierig, diese nochmal irgendwie einzugrenzen. Von daher wird man mit der Nilgans leben müssen.“ 

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Nilgänse scheuen nicht davor zurück, sich in die Nähe des Fuß- und Fahrradweges zu begeben.© Rouven Spindler

Richtig verhalten in der Nähe von Nilgänsen

Wer sich in Stadtparks in der Nähr von Nilgänsen aufhält, sollte sich richtig verhalten: 

1. Fütterungsverbot

An erster Stelle betont Bosch das Fütterungsverbot, das es zu beachten gilt: „Wenn man den Vögeln Futter zuwirft oder sie irgendwie interessiert und neugierig macht, dann hat man verloren, weil sie dann wissen: Da, wo die Menschen auf ihren Badetüchern liegen, gibt es etwas zu fressen.“ 

Ein Lerneffekt setzt ein, die Gans kommt wieder und wieder. „Man muss ihnen zeigen, dass es vom Futterangebot her unattraktiv ist.“ Dazu gehöre auch, Müllbehälter entsprechend zu verschließen. 

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2. Geregelte Vegetationspflege

Ebenso könne man die beliebten Flächen, beispielsweise in Parks, „eingrenzen“, sagt Bosch. Er nennt gestaffeltes Mähen als Vorschlag. Das würde auch für eine eingeschränkte Sichtbeziehung unter den Tieren sorgen. „Wenn man sich die ökologischen Ansprüche der Art genau anschaut und danach zum Beispiel die Vegetationspflege managt, könnte man da durchaus wirkungsvoll Einfluss nehmen.“

3. Respektvoller Umgang

Zu einem vernünftigen und respektvollen Verhalten von Passanten an Teichen gehöre auch, die Tiere nicht in Stress zu bringen, so Bosch. Verhält man sich nicht rücksichtsvoll, reizt man die Nilgänse sowie andere Wasservögel. 

Bosch empfiehlt, Abstand zu den Jungtieren zu halten, um keine Aggression bei den Nilgänsen auszulösen. Die würden ihren Nachwuchs verteidigen. 

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Um aggressive Gegenreaktionen zu vermeiden, sollte man den Jungtieren nicht zu nah kommen.© Rouven Spindler

Sind Nilgänse aggressiver als andere Gänsearten?

„Wenn man die Regeln einhält und wenn die Nilgänse genügend Freiraum am Gewässer haben, sind sie auf gar keinen Fall aggressiver als andere Gänsearten. Von daher muss man im Moment eher die ganze Sache tolerant und gelassen sehen und vielleicht weitere Erkenntnisse abwarten.

Aber sie jetzt aufgrund ihres Verhaltens zu verurteilen ist nicht gerechtfertigt und auch eine ökologische Schädlichkeit wird im Moment von der Wissenschaft für wenig wahrscheinlich gehalten“, sagt der Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz im NABU-Landesverband Baden-Württemberg. „Insgesamt sehen wir keinen Grund, dass man Maßnahmen zur Bestandsreduktion durchführt oder dass diese gerechtfertigt sind.“

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