Taubenschwänzchen: Deswegen ist es kein Kolibri

Immer wieder sprechen Menschen davon, einen Kolibri in Deutschland gesehen zu haben. Dabei handelt es sich aber um ein Taubenschwänzchen. Wir klären auf!

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Die Sichtungen häufen sich: Immer mehr Menschen in Deutschland berichten von „kleinen Vögeln“, die an Gartenpflanzen Nektar saugen. Ihre Flügel schlagen unfassbar schnell und sie bleiben in der Luft stehen. Danach fliegen sie wieder fort und sind genauso schnell weg, wie sie aufgetaucht sind.

Für viele ist es klar: Das war ein Kolibri. In Wirklichkeit handelt es sich dabei aber um ein Taubenschwänzchen. Wir klären auf, was das Taubenschwänzchen vom Kolibri unterscheidet und zeigen Ihnen fünf spannende Fakten, die Sie über das Taubenschwänzchen noch nicht wussten.

Inhaltsüberischt

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© Andreas Kieling

Wo gibt es Kolibris in Deutschland?

Kolibris gibt es in Deutschland nicht, sie leben nur in Amerika. In Europa sind Kolibris also nur in Zoos anzutreffen. Den Kolibri, den laut dem NABU immer mehr Menschen in Deutschland gesehen haben wollen, ist ein Taubenschwänzchen (auf Latein Macroglossum stellatarum).

Taubenschwänzchen sind keine Vögel, sondern Schmetterlinge – um genau zu sein Wanderfalter. Sie fliegen sehr schnell und sind wendig. Sie schweben vor jeder Blüte starr in der Luft und saugen mit ihrem langen Rüssel (bis zu drei Zentimeter) den Nektar heraus. Diese Ähnlichkeiten sind der Grund dafür, warum das Taubenschwänzchen häufig mit einem Kolibri verwechselt wird.

Taubenschwänzchen sind nicht selten: Sie sind weit verbreitet und ihr Bestand ist nicht gefährdet. Sie kommen aus dem Mittelmeerraum manchmal nach Deutschland. Immer mehr Taubenschwänzchen überwintern sogar in Deutschland.

Taubenschwänzchen an Blume
Im Schwebeflug erinnert das Taubenschwänzchen an einen Kolibri.© stock.adobe.com/JuergenL

Taubenschwänzchen und Kolibri: Das ist der Unterschied

Auch, wenn sie viel gemeinsam haben – wer genauer hinsieht, erkennt den deutlichen Unterschied zwischen einem Kolibri und einem Taubenschwänzchen. So unterscheiden Sie diese beiden Tiere:

KolibriTaubenschwänzchen
VogelSchmetterling (Wanderfalter)
FedernSchuppen (verlängert am Hinterleib, was an Federn erinnert)
SchnabelSaugrüssel

 

Taubenschwänzchen und Kolibri im Vergleich
Der Kolibri und das Taubenschwänzchen sind eigentlich sehr unterschiedlich.© Ein Herz für Tiere Media

Welche Pflanzen mag das Taubenschwänzchen?

Wer ein Taubenschwänzchen sehen möchte, sollte auf seinen Balkon oder in seinen Garten folgende Pflanzen stellen:

  • Geranien
  • Lichtnelken
  • Phlox
  • Sommerflieder

Diese Blumen mögen Taubenschwänzchen nämlich besonders gerne und Sie vergrößern so die Chance, eines dieser faszinierenden Tiere beobachten zu können.

Taubenschwänzchen trinkt Nektar
Ein Taubenschwänzchen trinkt an einer Nelke.© stock.adobe.com/Reiner Ugele

Wo überwintert das Taubenschwänzchen?

Taubenschwänzchen überwintern als voll entwickelte Schmetterlinge. Dabei müssen sie vor Frost geschützt sein. Manchmal überwintern sie nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in den warmen Gebieten in Süddeutschland.

In manchen Regionen Deutschlands kann man das Taubenschwänzchen das ganze Jahr über sehen.

Taubenschwänzchen legen im März ihre Eier an Labkräutern ab. Davon ernähren sich dann die Raupen. Erst Mitte Juni verpuppen sie sich und werden zu neuen Taubenschwänzchen. Vor allem im Juni, Juli und August kann man Taubenschwänzchen in Deutschland begegnen.

Taubenschwänzchen fliegt zur Blume
Taubenschwänzchen sind teilweise das ganze Jahr über in Deutschland zu sehen. © stock.adobe.com/bennytrapp

5 verblüffende Fakten über Taubenschwänzchen

Taubenschwänzchen sind faszinierende Tiere mit erstaunlichen Fähigkeiten. Diese fünf Fakten über diese Insekten kannten Sie bisher sicher noch nicht:

Taubenschwänzchen haben für Insekten eine recht hohe Lebenserwartung. Sie werden etwa drei bis vier Monate alt. Andere Arten (Fliegen, Mücken, Käfer) leben nur etwa fünf Wochen.

Besonders alt werden hingegen die Königinnen von Insektenstämmen: Eine Bienenkönigin wird im Schnitt etwa sechs Jahre alt, eine Termitenkönigin kann sogar 11 Jahre alt werden.

Taubenschwänzchen sind nicht nur schnell, sondern auch ausdauernd. Die Tiere können Wanderungen von bis zu 2.000 Kilometern zurücklegen. So gelangen sie vom Mittelmeerraum immer weiter in Norden, bis nach Skandinavien.

Taubenschwänzchen sind für ihre Größte unfassbar schnell. Die Falter können bis zu 80 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Bei diesem Tempo erreichen sie über 100 Blüten in nur fünf Minuten.

Wegen dieser beachtlichen Leistung haben Taubenschwänzchen aber auch einen erheblichen Energieverbrauch: Sie fressen jeden Tag das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts.

Die meisten Insekten suchen sich bei Regen Schutz – das Taubenschwänzchen nicht. Es ist auch bei Regenwetter aktiv. Allerdings meidet es zu hohe Temperaturen. An heißen Tagen ist es vorwiegend in der Früh und abends bis nachts anzutreffen.

Taubenschwänzchen fliegen bis in erstaunliche Höhen. Sie wurden bereits auf Alpengletschern beobachtet. Aber auch schon in der Schweiz auf einer Höhe von etwa 2.500 Metern wurden die Insekten gesichtet.

Taubenschwänzchen von oben
Taubenschwänzchen haben viele faszinierende Fähigkeiten. © stock.adobe.com/Karin Jähne

Taubenschwänzchen gesehen: Das ist zu tun!

Begegnet Ihnen einen Taubenschwänzchen auf dem Balkon oder im Garten, sollten Sie nur eines tun: das Tier beobachten. Versuchen Sie nicht, es anzufassen. Taubenschwänzchen haben sehr feine Schuppen auf ihren extrem dünnen Flügeln. Die Schuppen machen die Flügel stabil, sodass das Tier überhaupt in der Lage ist zu fliegen. Berühren Sie die Flügel, fallen diese Schuppen ab. Das Taubenschwänzchen ist dann nicht mehr flugfähig – es wird verhungern oder von einem anderen Tier gefressen.

Taubenschwänzchen sind nicht gefährlich: Ihr langer Saugrüssel wird häufig mit einem Stachel verwechselt. Wir sollten nur die Schönheit dieser harmlosen und friedfertigen Tiere bewundern und sie beobachten, solange sie in unserer Nähe sind.

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