Mit anderen Hundehaltern richtig umgehen

Zum Thema Hundeerziehung gibt es wohl so viele verschiedene Meinungen wie Hundebesitzer. Schwierig wird es oft, wenn Hundehalter aufeinandertreffen und sich gegenseitig belehren. Wir haben Hundetrainerin Rita Kampmann gefragt, wann man etwas ansprechen sollte und wann man sich besser zurückhält.

Hundehalter belehren
Anderen Hundehalter die Meinung sagen – wann sollte man es tun, wann nicht? © highwaystarz-stock.adobe.com

Niemand wird wirklich gerne auf Fehler hingewiesen. Vor allem, wenn es um den Umgang mit dem geliebten Haustier geht, für das man ja nur das Beste will. Dann von anderen belehrt zu werden und zu hören, dass man etwas anders machen soll, ist meist nicht schön.

Oft kommt es dabei zu Diskussionen und Streitereien zwischen Hundebesitzern. Es gebe auch ab und zu ein Konkurrenzverhalten zwischen den Hundehaltern, sagt Rita Kampmann von der Münchner Hundeschule „Freude am Hund“. Aber was darf oder muss man sogar ansprechen, welche Kommentare behält man lieber für sich?

1. Ab- und Anleinen des Hundes

Häufig kommt es zu Problemen zwischen Hundehaltern, wenn der eine seinen Hund nicht anleint und dieser einfach auf den anderen Hund zuläuft. Wie Hundetrainerin Rita Kampmann erklärt, suchen nicht alle Hunde den sozialen Kontakt zu anderen. Es gebe auch Hunde, die Angst oder ein Trauma oder gerade einfach keine Lust darauf haben.

Das sollten Sie tun: Ist das der Fall und Sie merken, dass Ihr Hund sich unwohl dabei fühlt, von einem anderen Hund beschnüffelt zu werden, dann sollten Sie den anderen Hundehalter dringend freundlich darauf hinweisen und ihn bitten, seinen Hund zu sich zu rufen und anzuleinen.

Im schlimmsten Fall könne sich Kampmann zufolge sonst eine Leinenaggression  entwickeln,  denn wenn Sie als Hundehalter die unangenehme Situation nicht für Ihren Hund lösen, muss er das selbst machen: „Hundehalter sollten ihren Hund an der Leine schützen. Das ist, wie wenn man ein Kind an die Hand nimmt“, erklärt Kampmann.

Kontakt zwischen Hunden ist dann gut, wenn das beide Parteien wollen! Eine Ausnahme bilden angeleinte Hunde. Hier sollte der Hundekontakt vermieden werden, wie die Hundetrainerin erklärt: „Die Hunde können ihre Körpersprache an der Leine nicht richtig ausdrücken“.
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An der Leine können Hunde ihre Körpersprache nicht richtig ausdrücken. © Anna Jurkovska-stock.adobe.com

2. Der Umgang des Menschen mit dem Hund

Sollte man andere Hundehalter darauf hinweisen, wenn sie sich ihrem Hund gegenüber falsch verhalten? Das kommt auf die Situation an, findet Hundetrainerin Rita Kampmann. Es gebe viele verschiedene Meinungen und Einstellungen. Nicht immer ist etwas falsch, wenn es nicht der eigenen Vorstellung entspricht. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten für die Hundeerziehung.

Ab einem bestimmten Grad muss man sich jedoch einmischen, und zwar, wenn das Tier unter dem Verhalten seines Besitzers leidet.

Das sollten Sie tun: Wenn Sie beobachten, dass ein Hundehalter seinem Hund Gewalt oder Schmerzen zufügt, er ihn beispielsweise so fest am Halsband zieht, dass ihm die Luft abgeschnürt wird, sollten Sie zum Wohl des Hundes dringend einschreiten.

Wie sollten Sie mit dem Hundehalter sprechen? In solchen Situationen ist Vorsicht geboten, da der andere Hundehalter meist schon gereizt ist. Reagieren Sie aggressiv, so wird er Ihnen wahrscheinlich auch aggressiv gegenübertreten und Ihre Bemerkung nicht hören wollen. Reagieren Sie stattdessen ruhig und freundlich und zeigen Sie ihm, dass Sie ihm helfen möchten und welche Alternativen es gibt bzw. wie Sie das Problem lösen würden.

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Zum Wohl des Hundes sollte man einschreiten, wenn das Verhalten seines Besitzers ihn verletzt. © Chickaen-stock.adobe.com

3. Hundehalter sammelt das Häufchen des Hundes nicht auf

Viele Hundehalter sind genervt, wenn andere Hundebesitzer die Häufchen ihrer Hunde einfach liegen lassen. Wie sollte man sich verhalten, wenn man beobachtet, dass ein Hundebesitzer einfach weitergeht, wenn sein Hund ein Geschäft verrichtet hat?

Das sollten Sie tun: Extra stehen zu bleiben und zu beobachten, ob der andere das Häufchen einsammelt oder nicht, um ihn dann zu belehren, ist für Hundetrainerin Rita Kampmann keine Option. Das gehe zu weit, findet sie. Etwas anderes sei es, wenn man es zufällig mitbekommt: Wenn Sie zufällig beobachten, dass ein Hundehalter das Häufchen seines Hundes nicht aufsammelt, können Sie ihn freundlich darauf aufmerksam machen.

Wie sollten Sie mit dem Hundehalter sprechen? In solchen Situationen macht es Kampmann zufolge mehr Sinn, eher unterschwellig auf den Fehler hinzuweisen. Anstatt ihn mit „Räumen Sie das Häufchen Ihres Hundes weg“ zu belehren, können Sie dem Hundebesitzer freundlich ein Tütchen reichen und sagen: „Ich glaube, Sie haben kein Tütchen mehr. Hier, damit Sie das Häufchen Ihres Hundes einsammeln können.“

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Hundehalter sollten die Hinterlassenschaften Ihres Hundes aufsammeln. © Francesco83-stock.adobe.com

4. Hundehalter gibt falsche Kommandos oder Hund zieht an der Leine

Sie bemerken, dass ein Hundehalter zum Beispiel Kommandos oder Belohnungen falsch gibt, sein Hund ständig  an der Leine zieht oder nicht auf ihn hört?

Das sollten Sie tun: In den meisten Fällen ist es besser, hier nichts zu sagen und sich seinen Teil zu denken. Das ist die Sache des jeweiligen Hundehalters, solange das Tier dabei nicht leidet oder andere gefährdet. Sie können schließlich nie wissen, welche Vorgeschichte Hund oder Halter haben oder ob sie vielleicht schon an den Problemen arbeiten. „Leben und leben lassen“ wäre hier das richtige Stichwort.

Allerdings ist alles auch situativ zu betrachten. „Die Körpersprache und Mimik des Menschen sagt in der Regel einiges aus“, erklärt Hundetrainerin Rita Kampmann. Wirkt die Person sichtlich überfordert, so kann es selbstverständlich sinnvoll sein, seine Hilfe anzubieten oder eine Empfehlung für eine Hundeschule zu geben.

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Nicht immer muss man sich einmischen. © Alan-stock.adobe.com

5. Der Hund springt am Menschen hoch

Es gibt immer wieder Hunde, die einfach an fremden Menschen hochspringen. Einige Menschen mögen das jedoch gar nicht. Was sollte man tun, wenn der Besitzer des Hundes von sich aus nichts dagegen unternimmt?

Das sollten Sie tun: Springt ein Hund an Ihnen hoch, drehen Sie sich ruhig von dem Hund weg, verschränken Sie die Arme, wenden Sie den Blick ab und teilen Sie dem Besitzer freundlich mit, dass Sie das nicht möchten.

Wie sollten Sie mit dem Hundehalter sprechen? Wichtig ist, dass Sie ruhig und freundlich bleiben, sonst überträgt sich die angespannte Stimmung auf den Hund.

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Wenn ein Hund unerlaubt an Ihnen hochspringt, sollten Sie ruhig bleiben. © Christian Müller-stock.adobe.com

Wie mit uneinsichtigen oder ignoranten Hundehaltern umgehen?

Egal in welcher Situation, es gibt immer Menschen, die nicht damit klar kommen, wenn sie belehrt werden. Außerdem wollen viele Hundehalter nicht hören, dass ihr Hund sich gerade „falsch“ verhält. Gerade bei Punkten wie Hochspringen oder unerwünschtem Kontakt zum anderen Hund sind Hundehalter leider häufig uneinsichtig oder ignorant. Es fallen dann auch Sätze wie „Der tut schon nichts“, wenn man sie bittet, ihren Hund zu sich zu rufen.

Es ist wichtig, dass Sie in solchen Situationen trotzdem ruhig bleiben. Aggression löst ja bekanntlich Aggression aus und ändert nichts an der Situation, deshalb versuchen Sie Ihrem Gegenüber freundlich Ihre Perspektive zu erklären.

Fazit: Hundetrainerin Rita Kampmann zufolge sind im Umgang mit anderen Hundehaltern vor allem drei Aspekte wichtig:

  • sich in die Perspektive des anderen hineinversetzen
  • der freundliche und ruhige Umgangston
  • jede Situation individuell betrachten und situativ handeln, nicht pauschalisieren
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