Verhalten Hund

7 Tipps gegen Leinenaggression beim Hund

Mit einem Hund, der sofort in die Leine springt und wütend bellt, wenn sich ein Artgenosse nähert, ist ein entspannter Spaziergang kaum möglich. Lesen Sie hier, wie Leinenaggression beim Hund entsteht und wie der Hunde und Sie selbst lernen, Begegnungen mit anderen Hunden an der Leine entspannt zu meistern.

Leinenaggression beim Hund
Leinenaggression ist für Hund und Halter sehr stressig. © adobestock.com/Photoboyko

Leinenaggression bei Hunden kann verschiedene Ausprägungen und Schweregrade annehmen. Für den Besitzer eines leinenaggressiven Hundes wird der Spaziergang schnell zur absoluten Stresssituation, wenn in der Ferne ein anderer Hund auftaucht. Denn in besonders schweren Fällen der Leinenaggression rastet der Hund beim Anblick eines anderen Hundes schon komplett aus, springt mit all seiner Kraft in die Leine, ist nur schwer zu halten, knurrt und bellt. Schnell kann man hier auch in Situationen geraten, in denen es sinnvoll ist, sich mit der aktuellen Gesetzgebung rund um den Hund auszukennen.

Manche Hunde reagieren auch nur bei bestimmten Hunden (markante Farbe, Größe, bestimmtes Geschlecht) leinenaggressiv, bei anderen sind sie völlig entspannt. Auch Hunde, die im Freilauf freundlich zu anderen Hunden sind und freundschaftlich mit diesen spielen, können an der Leine wie ausgewechselt sein. Auf Dauer kann sich die Leinenaggressivität für Hund und Halter zu einem sehr belastenden Problem entwickeln. Um die Leinenaggression des Hundes abzustellen, sollte zuerst die Ursache für sein Verhalten geklärt werden.

Drei Hunde spielen beim Freilauf

Leinenaggressive Hunde sind im Freilauf oft wie ausgewechselt.  ©adobestock.com/Robert Petrovic

Ursachen für Leinenaggression beim Hund

Dass der Hund eine Leinenaggression entwickelt, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Nicht immer lässt sich herausfinden, welches Erlebnis für den Hund so traumatisch war, dass er begonnen hat, sich an der Leine massiv gegen andere Hunde zu wehren. Leinenaggression ist jedoch absolut kein Anzeichen, dass der Hund bösartig ist. Diese Ursachen stecken häufig hinter einer Aggression gegenüber anderen Hunden:

  • Schlechte Erfahrung an der Leine: Der Hund wurde gebissen, hat sich weh getan, ist sehr erschrocken und hat dieses traumatische Erlebnis mit der Begegnung eines anderen Hundes verknüpft.
  • Mangel an Erfahrung: Der Hund hatte bislang nur wenig Kontakt zu anderen Hunden, er ist unsicher und fühlt sich durch die Leine eingeschränkt und durch den anderen Hund bedroht.
  • Frust: ­Der Hund will unbedingt zu dem anderen Hund, ihn beschnuppern und mit ihm spielen. Weil er nicht hin darf, reagiert er immer aggressiver (häufig bei jungen, sehr verspielten Hunden der Auslöser für Leinenaggression).
  • Stimmungsübertragung: Der Hundeführer ist angespannt, fürchtet selbst die Begegnung mit einem anderen Hund, da er ja schon weiß, was dann kommt. Die Anspannung überträgt sich auf den Hund.
  • Rassetypische Veranlagungen: Hunde, die besonders zum Bewachen und Schützen gezüchtet sind, sind sehr territorial veranlagt und können leichter eine Leinenaggression entwickeln.
 

Zwei Hunde begegnen sich beim Gassigehen

Mit Geduld und Übung kann Leinenaggression besiegt werden. ©adobestock.com/Martina Topf

Sieben Tipps gegen Leinenaggression beim Hund

Hat der Hund erst einmal eine Leinenaggression entwickelt, braucht es viel Geduld und konsequentes Training, um diese wieder abzustellen. Diese 7 Tipps können Ihnen dabei helfen:

1. Ursache für Leinenaggression abklären

Bei Leinenaggression ist Ursachenforschung wichtig. Beantworten Sie folgende Fragen und halten Sie die Antworten auf einem Zettel fest: 

  • Wurde der Hund schon mal angegriffen, verletzt, gemobbt?
  • Zeigt er dieses Verhalten von Anfang an?
  • Sind es nur bestimmte Hunde/Geschlechter, auf die er reagiert?
  • Ist er ausschließlich an der Leine so sauer oder auch beim Freilauf?
Notieren Sie sich alles, was Ihnen zum Thema einfällt. Vielleicht kommt beim Durchlesen schon die Erleuchtung und mit ihr eine mögliche Lösung.

2. Kommandos lenken von der Situation an

Einen leinenaggressiven Hund umzukonditionieren, erfordert Zeit und Geduld. Vor allem aber auch Konsequenz und Erziehung. Denken Sie sich etwas aus, das der Hund, statt an der Leine zu zerren, tun soll. Sich hinsetzen, hinlegen, im Kreis drehen, Pfote geben. Er soll das Kommando gerne ausführen und bereits prima können. Ab dann kommt bei jeder Aggressionsäußerung einem anderen Hund gegenüber sofort Ihr scharfes "Nein!", gefolgt von einer netten Aufforderung "Sitz, Platz, Kreisel, Pfote …" Es gibt Hunde, die schon nach zehn bis zwanzig solchen Übungen die Alternative von sich aus anbieten. Andere brauchen länger, um richtig zu verknüpfen: Ein Hund kommt, ich setze mich.

3. Anderen Hunden freundlich begegnen

Die negativen Gefühle eines Hundes umzukrempeln, kann eine gute Methode sein. Sie brauchen unendlich viele besondere Leckerlis und ein Schlüsselwort wie etwa "Schau mal" oder "Hmm, lecker". Dann gilt es, Strecken zu finden, die Ihnen genügend Ausweichmöglichkeiten bieten, wo aber trotzdem in der Ferne Hunde sind, zum Beispiel in der Nähe einer Hundewiese. Jetzt gehen sie los, bis ganz weit weg ein Hund auftaucht, und stecken in der selben Sekunde dem Hund auf Ihr Schlüsselwort hin den Leckerbissen ins Maul. Dann entfernen Sie sich. Nach ein paar solcher Übungen passieren Sie den anderen Hund einige Meter näher und arbeiten wieder mit Codewort und Happen. Der Sinn: Ihr Hund registriert den anderen Hund, der noch zu weit weg für seine Reaktion ist, und verknüpft ihn unwillkürlich mit etwas Positivem. Es kann dauern, bis bei ihm ankommt: Anderer Hund in Sicht bedeutet Leckerbissen.

4. Selber locker bleiben

Wer schon einige Male von seinem Hund beinahe umgerissen wurde, weil der sich in Geschirr oder Halsband warf, ist auf Spaziergängen nervös und scannt die Umgebung auf mögliche Hunde-Begegnungen ab. Der Hund übernimmt den menschlichen Stressspiegel 1:1, spannt deutlich an und bereitet sich auf die nächste Attacke vor. Eine Spirale, die nur Sie unterbrechen können. Konzentrieren Sie sich ganz bewusst auf Ihr Ziel, nicht auf die Umgebung. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Denken Sie an etwas Schönes. Lächeln Sie. Sie werden über die Wirkung verblüfft sein.

5. Wichtigere Aufgaben schaffen

Diese Ablenkung bei leinenaggressiven Hunden ist anstrengend, führt aber bei einigen Hunden auch zur Lösung des Problems. Beim gemeinsamen Gassigang lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes permanent auf sich. Laufen Sie zu zweit um Bäume herum, lassen Sie ihn Leckerbissen in Reichweite der Leine suchen. Wenn er gerne apportiert, soll er jetzt etwas aufheben und tragen, bevor er es Ihnen übergibt. Wichtig: Er genießt Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und umgekehrt. Andere Hunde werden unwichtig, nur um Sie beide dreht sich jetzt die Welt.

6. Ernsten Problemen aus dem Weg gehen

Wenn zwei Rüden oder zwei Hündinnen sich persönlich spinnefeind sind, Ihr Hund also nur auf diesen einen Erzfeind aggressiv reagiert, helfen alle Übungen nichts. Das ist ein Sonderfall. Stimmen Sie sich am besten mit dem Halter des anderen Hundes ab und gehen sich möglichst aus dem Weg.

7. Unterstützung beim Verhaltens-Trainer anfragen

Ein Spezialtraining hat viele Vorteile. In einem eingezäunten Gelände sind Hundebegegnungen nie zufällig, sondern werden provoziert. Spezialtrainer haben immer einen friedlichen nervenstarken Hund, der auf Aggressionen an der Leine mit Gleichmut reagiert. Und sie beobachten und therapieren nicht nur den Hund, sondern auch Sie. Bevor Sie mit Ihren Nerven am Ende sind, ist ein Spezialtraining unter erfahrenen Augen durchaus überlegenswert.

Hundetrainer mit drei Hunden

Professionelles Training ist bei Leinenaggression sinnvoll. ©adobestock.com/oscity

Das richtige Geschirr für leinenaggressive Hunde

Das Verhalten eines leinenaggressiven Hundes wird sich nicht von heute auf morgen ändern. Auch wenn Sie versuchen, anderen Hunden konsequent aus dem Weg zu gehen, kann es vorkommen, dass plötzlich ein anderer Hund auftaucht. Neben einem konsequenten Verhaltenstraining, kann ihnen auch die richtige Ausrüstung dabei helfen, bei Begegnungen mit anderen Hunden besser die Kontrolle zu behalten.

Halsband oder Geschirr?

Experten empfehlen bei leinenaggressiven Hunden ein gut passendes Brustgeschirr. Springt der Hund mit all seiner Kraft ins Halsband, wenn er einen Artgenossen erspäht, kann das gesundheitsschädlich für ihn sein. Er spürt in diesem Moment Schmerz und Luftnot, verknüpft das jedoch nicht mit seiner eigenen Reaktion, sondern mit dem Auftauchen des anderen Hundes. Zudem wird der Hund mit Zug am Halsband nach vorne oben aufgestellt, was für den entgegenkommenden Hund zusätzlich bedrohlich wirkt.

Die richtige Leine

Die Leine sollte stabil sein, gut in der Hand liegen und eine bequeme Länge aufweisen. Dem Hund soll genug Freiraum gegeben werden, dass er entspannt schnüffeln kann, jedoch darf die Leine nicht so lang sein, dass er bei plötzlicher Begegnung mit einem anderen Hund sofort durchstarten kann und durch seinen Anlauf den Hundeführer von den Beinen reißt. Eine Flexileine ist für leinenaggressive Hunde ungeeignet, da sie in brenzligen Situationen nicht schnell genug festgestellt werden kann.

Muss er einen Maulkorb tragen?

Bei leinenaggressiven Hunden, die sich gerne auf Artgenossen stürzen, kann ein Maulkorb Sicherheit bieten. So kann sich der Hundeführer sicher sein, dass sein Hund keinen anderen Hund verletzen kann, auch wenn ihm die Leine entgleiten würde. Oft reicht es schon aus, dass der Hundeführer dadurch deutlich gelassener ist und diese positive Stimmung auf den Hund überträgt. Bevor der Hund jedoch mit Maulkorb zu einer Gassirunde aufbrechen soll, muss er langsam an das Tragen eines gut sitzenden Maulkorbs gewöhnt werden.

Frau gibt Hund Kommando

Die Gassirunde soll für Halter und Hund entspannend sein.     ©adobestock.com/Lars Zahner

 

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