Die Sinne der Vögel

Vögel sind wie wir Menschen mit den fünf wichtigsten Sinnen ausgestattet. Es gibt jedoch einige Unterschiede zu unseren Sinnesleistungen und auch bei den einzelnen Vogelarten sind sie unterschiedlich stark ausgeprägt. Hier erfahren Sie mehr.

Ein Vogel auf der Nahrungssuche
Ein Vogel auf der Nahrungssuche© K.-U- Häßler – stock.adobe.com

Vögel können ebenso wie wir Menschen sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Sie verfügen zusätzlich über einen mehrfachen Kompass: einen Sternen- bzw. Sonnenkompass und einen Magnetkompass. Dieser ist hauptsächlich für die Fernreisenden unter den Vögeln relevant, aber auch unsere Brieftauben haben ihn entwickelt. Um die Stärke des Magnetfeldes zu bestimmen, haben diese Vögel Eisenkristalle in der Schnabelhaut. Die Richtungsinformation wird im Auge wahrgenommen.

Der Sehsinn von Vögeln

Die Augen sind bei den Vögeln sehr groß, meistens größer als das Gehirn. Schon aufgrund ihrer Größe lässt darauf schließen, dass sie für die gefiederten Tiere sehr wichtig sind.

Vögel orientieren sich hauptsächlich anhand ihrer scharfen Augen: Die Singvögel und viele andere Arten haben sehr flache, seitlich angeordnete Augen auf dem schmalen Kopf. Aufgrund des großen Sichtfeldes, sehen sie sehr gut, ohne den Kopf drehen zu müssen. Deshalb können sie auch kaum durch Bewegungen überrascht werden.

Die kugelförmigen Augen der Greifvögel sind mehr nach vorne gerichtet, denn sie müssen ihre Beute auf dem Boden, im Wasser oder in der Luft genau fixieren. Sie sehen alles viel größer und schärfer. Dafür haben sie im Gegensatz zu den meisten Vögeln keine beinahe Rundumsicht. Der Fettschwalm, die Nachtschwalben und die Eulen sehen nachts am besten.

Letztere haben besonders röhrenförmige Augen, und einen breiten Kopf, der diese großen, nach vorne gerichteten Augen aufnimmt. Zwar fehlt ihnen das große Sehfeld der anderen Vögel, dafür besitzen sie aber auch über acht Halswirbel. Diese ermöglichen es den Eulen, ihren Kopf um bis zu 270 Grad zu drehen.

Eulen können ihren Kopf fast bis auf den Rücken drehen. © kajornyot – stock.adobe.com

Der Gehörsinn von Vögel

Alle Vögel hören gut, denn sie haben gut ausgeprägte Ohren. Man könnte meinen, das stimme nicht, weil die äußeren Ohrmuscheln nicht so ausgeprägt sind wie bei den Säugetieren. Aber sie hören Töne, die wir Menschen nicht wahrnehmen können.

Statt den Ohrmuscheln besitzen viele Vögel, wie zum Beispiel Eulen, Federohren, die nicht zum Hören, sondern nur zum Drohen und Abschrecken dienen. Die eigentlichen Ohren sitzen asymmetrisch hinter den Gesichtsschleiern verborgen. Dadurch können sie die Position des raschelnden Beutetiers mit wenigen Hundertstel Zeitdifferenz hören und so zielgenau ausmachen.

Der Geruchssinn von Vögeln

Auch wenn Augen und Gehör die wichtigsten Sinnesorgane bei Vögeln sind, verfügen Vögel über sehr viele Geruchsrezeptor-Gene. Denn der Geruchssinn hilft vielen Vögeln dabei, sich zu orientieren, Nahrung zu finden oder sich gegenseitig zu erkennen.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Arten. Der Streifenkiwi aus Neuseeland hat zum Beispiel fast sechsmal so viele Geruchsrezeptor-Gene wie ein Kanarienvogel oder eine Blaumeise. Das kann als Anpassung an die Nachtaktivität gedeutet werden.

Der Geschmackssinn von Vögeln

Der Geschmacksinn ist bei Vögeln weniger ausgeprägt als bei den Säugetieren. Dennoch wurde er bei Singvögeln, Tauben, Hühnervögeln, Enten und einigen anderen Familien getestet und nachgewiesen. Vögel können alle vier Geschmacksqualitäten schmecken: salzig, sauer, bitter und süß.

Die Ernährungsweise scheint zudem das Geschmacksempfinden wesentlich zu beeinflussen: Die geringe Empfindlichkeit für Bittergeschmack ist zum Beispiel auf die Gewöhnung an bitter schmeckende Nahrung zurückzuführen.

Dieser Adler probiert seine Beute. © Ji – stock.adobe.com

Der Tastsinn von Vögel

Der Tastsinn an den Flügeln ist für Vögel von großer Bedeutung: Die Druckinformation, die beim Fliegen auf den Federn lastet, wird vom Gehirn automatisch in die richtige Flügelstellung umgerechnet.

Auch bei der Nahrungsaufnahme der Vögel spielt der Tastsinn eine große Rolle: Ihre Schnäbel und Zungen sind sehr empfindsam, vor allem bei würmer- und madenfressenden Vögeln. Durch Tasten mit der Zunge stellen Vögel die Form und Härte ihrer Nahrung oder eines Gegenstands fest. Schließlich müssen sie ihre Beute im seichten Wasser, im schlammigen Schlick, im dunklen Erdboden oder hinter borkiger Rinde ertasten.

Bartvögel und Eulensehen eine Beute direkt vor ihren Augen aufgrund der röhrenförmigen und gerade nach vorne gerichteten Augen nicht. Stattdessen setzen sie ihren Tastsinn an den Füßen und rund um den Schnabel ein.

Der rote Ibis tastet mit seiner Zunge nach essbaren Körnern. © sebastienvdc – stock.adobe.com

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