Kopfschlagen beim Pferd: Das Headshaking-Syndrom

Schlagen Pferde mit dem Kopf, wird eine ruhige Anlehnung am Zügel unmöglich. Bei einigen Pferden ist das Verhalten so schlimm, dass es unmöglich wird, sie zu reiten. Ob Ihr Pferd nur eine unruhige Kopfhaltung aufweist, oder bereits Symptome der Krankheit zeigt, lesen Sie hier!
 
Headshaking macht eine ruhige Anlehnung am Zügel unmöglich! © anjajuli - stock.adobe.com
Headshaking macht eine ruhige Anlehnung am Zügel unmöglich!
Mit „Headshaking“ ist nicht das einmalige Kopfhochwerfen aufgrund von nervenden Insekten oder zur Kommunikation gemeint, sondern eine mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrende Bewegung. Dieses Kopfschlagen kann dabei so heftig sein, dass es das Pferd förmlich von den Hufen reißt. Im schlimmsten Fall gipfelt es im Steigen. Der Übergang von einer unruhigen Kopfhaltung zum Kopfschlagen kann fließend sein. Spätestens dann, wenn das Pferd dem Reiter mit ruckartigem Kopfschlagen die Zügel zu nehmen droht, muss diesem Verhalten auf den Grund gegangen werden. Es droht auch eine hohe Selbstverletzungsgefahr des Pferdes!

Zur Abgrenzung zwischen unruhigem Verhalten und einer ernsthaften Erkrankung können weitere Symptome hilfreich sein:
  • häufiges Schnauben
  • Überempfindlichkeit gegenüber Insekten, Licht und Stresssituationen
  • klarer bis weißlicher Schleim aus der Nase
  • tränende Augen
  • Übersensibilität auf Berührungen im Kopfbereich
  • gelegentliches Zittern der Gesichtsmuskeln
  • ausgeprägtes Kopfzucken, Schlagen oder Treten mit dem Vorderbein Richtung Kopf
  • in schlimmen Fällen: Anzeichen von starken Kopfschmerzen, dadurch konstantes oder phasenweises Schlagen des Kopfes gegen feste Gegenstände


Dieses Pferd reagiert empfindlich auf Berührung. © Valeri Vatel – stock.adobe.com
 

Es gibt unterschiedliche Ursachen, die zu Kopfschlagen führen können:

Gesundheit

Headshaking ist inzwischen als Krankheitsbild bekannt. Es handelt sich um eine Verhaltensstörung, die zu Beginn besonders im Frühjahr und Sommer auftritt. Ein Zusammenhang zwischen Lichteinfall und Headshaking wird vermutet, ebenso kommt eine Trigeminus-Neuralgie als Ursache in Betracht.

Neuralgien sind Nervenschmerzen im Bereich sensibler Nerven, die wie anfallsweise auftreten. Dabei reagiert ein Gehirnnerv (Hier: Trigeminusnerv) übermäßig auf Reize im Kopfbereich. Dieser ist normalerweise für die sensorische Wahrnehmung im Kopfbereich verantwortlich und steuert z.B. die Kaubewegungen. Diese Form des Kopfschlagens heißt dann idiopathisches Headshaking. Auch Nervenschädigungen, welche durch die verschiedensten Viren z.B. Herpesviren oder Bakterien wie Borreliose ausgelöst werden, rufen Kopfschlagen hervor.

Selbst Ohren- oder Zahnschmerzen können die Verhaltensstörung auslösen. Bei heftigem Kopfschlagen sollte daher stets auch der Tierarzt zu Rate gezogen werden.


Ausrüstung

Ein scharfkantiges, falsch verschnalltes oder beschädigtes Gebiss und ein unpassender Sattel können das Pferd zu heftigem Kopfschlagen veranlassen. Ebenso können Reithalfter mit Sperrriemen gegen eventuell vorhandene Zahnhaken drücken und auf diese Weise Schmerzen verursachen. Darüber hinaus rufen auch stark einengende Hilfszügel Abwehrreaktionen hervor. Wie bei jedem Problem mit dem Pferd muss auch hier die Ausrüstung genau überprüft werden.


Der Einfluss des Reiters und der Umgebung

Eine harte Reiterhand kann das Pferd zur Verzweiflung treiben. Dabei muss nicht immer große Kraft im Spiel sein: schon ein springender Zügel, der ständig am Maul des Pferdes ruckt, kann genügen, um Kopfschlagen auszulösen.
So kann ein zu langer Zügel ebenso wie ein zu kurzer Zügel für das Pferd hart und unangenehm wirken. Entweder wird das Pferd in weicher Anlehnung – und das heißt in einer konstanten, nicht springenden Anlehnung – oder mit ganz hingegebenen Zügeln geritten. Natürlich sind Zügelhilfen nur eine Form der Hilfengebung: Ein steifer, klammernder Sitz zieht einerseits oft diese harte Hand nach sich, andererseits kann auch der Rücken des Pferdes in Mitleidenschaft gezogen werden.

Kopfschlagen bei Pferden kann auch auf nicht artgerechte Haltung zurückgeführt werden: schlechte Stallbedingungen und Fütterung, sowie Stress z.B. bei Wettkämpfen oder Stallwechsel sind häufig ursächlich für die Krankheit. Eventuell können auch abrupte Haltungsänderungen und Überforderung, Angst und Wut das Kopfschlagen hervorrufen.


Dieses Pferd versucht durch Kopfschlagen der zu harten Zügelhilfe zu entkommen. © Azaliya (Elya Vatel) – stock.adobe.com

 

Was tun, wenn das Pferd mit dem Kopf schlägt?

Erst wenn alle möglichen Ursachen abgeklärt wurden, und gesundheitliche und ausrüstungstechnische Gründe ausgeschlossen werden können, beginnt die Korrektur unter dem Sattel durch einen erfahrenen und feinfühligen Reiter. Der lösenden Phase in der Skala der Ausbildung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Das Augenmerk des Reiters richtet sich vor allem auf korrekte Stellung und Biegung des Pferdes: Kopfschlagen kann das Pferd am besten mit geradem Hals, in entsprechender Stellung wird es schon schwieriger. Vorwärts-abwärts wird die Dehnungshaltung erreicht.

Unverzichtbar ist eine flexibel agierende Reiterhand, die in jeder Situation die Verbindung zum Pferdemaul behält, ohne dabei hart einzuwirken. Dadurch wird das Stressempfinden der Pferde gemindert. Als Reiter ist es wichtig, geschmeidig, locker und im Gleichgewicht auf dem Pferd zu reiten – der korrekte Sitz ist die beste Vorbeugung.

Bei Lichtempfindlichkeit bringt ein Kopfschutz mit UV-Filter, wie eine Sonnenbrille, oft Linderung.

Alternativ können adaptogene Pflanzen den betroffenen Pferden Linderung verschaffen, wenn sie im Rahmen der Krankheit unter Kopfschmerzen und Angstzuständen leiden.
Die Bezeichnung „adaptogene Pflanze“ kommt vom englischen Verb „to adapt“ – „sich anpassen“. Der Begriff fasst biologisch aktive Pflanzen zusammen, die einem Organismus helfen sollen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen.

In der Tiermedizin ist Ginseng das bekannteste Beispiel und gilt allgemein als tonisierend (kräftigend) und stärkend. Die Pflanze mobilisiert die körpereigenen Abwehrkräfte und lindert Angst und Stress. Aber auch Taigawurzel und Rosenwurz können die erkrankten Pferde stärken. Natürlich muss die Gabe von Zusatzfuttermitteln und die genaue Dosierung immer mit dem Tierarzt abgesprochen werden, um das Wohl des Pferdes nicht zu gefährden!


So sieht die Ginsengwurzel aus. © leungchopan – stock.adobe.com
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