Ausgestorbene Tiere

Immer wieder verschwinden Tierarten für immer von unserem Planeten. Oft ist der Mensch dafür die Ursache: Lebensraumverlust, intensive Jagd und invasive Arten machen vielen Tieren zu schaffen. Wir stellen Ihnen 14 ausgestorbene Tiere vor.

Ausgestorbene Tiere
Viele Tigerarten sind bereits ausgestorben.© Ivan Tonev-stock.adobe.com

Dass neue Tierarten sich entwickeln und andere aussterben, ist ganz normal. Können Arten sich nicht schnell genug an die neuen Umweltbedingungen anpassen, sterben nach und nach einzelne Populationen, dann einzelne Unterarten und mit ihnen schließlich die letzten Vertreter der ganzen Art aus. Schätzungsweise sind 99,9% aller Tiere und Pflanzen, die jemals existiert haben, ausgestorben. In der Neuzeit ist der Mensch ein häufiger Grund für das Aussterben von Tieren - direkt durch Jagd sowie indirekt, zum Beispiel durch Lebensraumzerstörung. Der IUCN (International Union for Conservation of Nature) zufolge sind seit dem Jahr 1500 insgesamt 84 Säugetierarten und 159 Vogelarten ausgestorben.

Kürzlich ausgestorbene Tiere: Seit 2000 ausgestorbene Tiere

Auch in den vergangenen Jahren sind einige Tiere von der Erde verschwunden. Ein paar davon stellen wir Ihnen nun vor:

1. Der Schwertstör

Der Schwertstör ist die erste Art, die im Jahr 2020 ausgestorben ist, bzw. in diesem Jahr als ausgestorben erklärt wurde. Der Riesenfisch lebte ursprünglich im Chinesischen Fluss Jangtse und konnte bis zu drei Meter lang werden.

Seit 2003 wurde schon kein Schwertstör mehr gesehen, die Versuche, einen aufzuspüren reichten noch bis ins Jahr 2018. Vergeblich. Durch starke Überfischung in der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts und die Zerstückelung seines Lebensraums wurde er immer seltener. Als schließlich der Bau eines Wasserkraftwerks die Wanderung der Störe zu ihren Laichgebieten verhinderte, war ihr Ende quasi besiegelt.

Der Schwertstör war nicht nur aufgrund seiner Größe ein besonderer Fisch. Er war auch der einzige Vertreter seiner Gattung. Die ist nun mit ihm ausgestorben.

2. Weihnachtsinsel-Waldskink

Der Weihnachtsinsel-Waldskink lebte auf der australischen Weihnachtsinsel. Schon 1998 fiel auf, dass die Bestände der Eidechse sanken, 12 Jahre später wurde bereits kein freilebender Weihnachtsinsel-Waldskink mehr gesehen. Der letzte in Gefangenschaft starb 2014. 2017 wurde die Art als ausgestorben erklärt.

Verantwortlich für das Aussterben dieser Eidechse war anscheinend die Gelbe Spinnerameise, eine invasive Art, sowie der Lebensraumverlust durch den Bergbau.

Außerdem: Noch ein weiterer Bewohner der Weihnachtsinsel verschwand in den vergangenen Jahren für immer: Die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus. Sie gilt ebenfalls seit 2017 als ausgestorben. Die Gründe dafür sind jedoch unklar.

3. Pinta-Riesenschildkröte

Auf den Galapagosinseln leben viele verschiedene Schildkröten-Unterarten. Da sie auf unterschiedlichen Inseln leben, hat sich ihr genetisches Erbgut mit der Zeit getrennt, sodass sie sich nicht mehr paaren können. 2016 ist die Pinta-Riesenschildkröte als ausgestorben erklärt worden. Sie kam nur auf der Insel Pinta vor. Die Schildkröte „Lonesome George“ war der letzte Vertreter der Art. Es wurde vergeblich versucht, ihn mit Schildkröten anderer Galapagosinseln zu kreuzen. Die Tiere wurden zur Nahrungsgewinnung getötet. Außerdem ernährten sich eingeschleppte Ratten von den Schildkröteneiern.

4. Bramble-Cay Mosaikschwanzratte

Die Bramble-Cay Mosaikschwanzratte wurde 2016 als ausgestorben erklärt. Sie lebte auf einer kleinen Koralleninsel im Great Barrier Reef (Australien) und ist scheinbar eines der ersten Tiere, deren Aussterben direkt auf den Klimawandel zurückzuführen ist: Regelmäßige Überschwemmungen vernichteten den Lebensraum der Mosaikschwanzratte.

5. Chinesischer Flussdelfin

Der Chinesische Flussdelfin, auch Jangste-Delfin oder Baiji genannt, ist die erste Delfinart, die aufgrund des Menschen ausgestorben ist. Sie lebte im chinesischen Fluss Jangtsekiang, dem drittgrößten Fluss der Welt. Er gehört zu den am stärksten verschmutzten Flüsse der Welt. Nicht zuletzt diese starke Verschmutzung wurde dem Chinesischen Flussdelfin zum Verhängnis. Seit dem Jahr 2007 geht man davon aus, dass er ausgestorben ist, nachdem man ihn bei mehrwöchigen Expeditionen im Jahr 2006 nicht mehr auffinden konnte.

6. Goldkröte

Die Verbreitung der Goldkröte war auf ein wenige Kilometer großes Gebiet in Costa Rica in Höhenlagen von etwa 1.500 bis 1.600 Meter beschränkt. Seit 1989 wurde die Goldkröte nicht mehr beobachtet und seit 2004 gilt sie nach der Roten Liste der IUCN als "ausgestorben". Die Hauptursache für das Verschwinden der Art wird in der Infektion mit Chytridiomykose gesehen, eine der verheerendsten Infektionskrankheiten innerhalb der Amphibienpopulationen.

Der vermehrte Ausbruch der Infektion wird auch auf die globale Klimaerwärmung zurückgeführt. Besonders in Mittel- und Südamerika schaffe der Treibhauseffekt günstige Wachstumsbedingungen für den Chytridpilz.

Im 20. Jahrhundert ausgestorbene Tierarten

Auch in den vergangenen hundert Jahren sind einige Tiere von der Erde verschwunden.

1. Ausgestorbene Tiger-Arten

Von den insgesamt acht Unterarten des Tigers sind heute bereits drei ausgestorben, einer wurde seit 30 Jahren nicht mehr gesehen (Quelle: WWF):

  • Bali-Tiger: Seit den 1930er Jahren ausgestorben
  • Kaspischer Tiger: In den 1950er Jahren ausgestorben
  • Java-Tiger: In den 1950er Jahren ausgestorben
  • Südchinesischer Tiger: Zuletzt in den 1990er Jahren gesehen

Bis heute wurden etwa 95 Prozent der Tigerlebensräume zerstört. Aufgrund seines Fells und der Knochen, die als Trophäen oder für die traditionelle Medizin in Asien begehrt sind, wird der Tiger auch heute noch gejagt. Heute sind alle verbleibenden fünf Unterarten des Tigers vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

2. Tasmanischer Beutelwolf

Die hundeähnliche Beuteltierart mit tigerartigem Streifen im hinteren Rückenbereich war auch als "Tasmanischer Tiger" bekannt. Er hatte einen Ruf als blutrünstiger nachtaktiver Jäger, weil er gewöhnlich den Schädel der Beute mit seinen kräftigen Klauen zertrümmerte und auch Aas aus Fallen raubte.

Zunächst lebte er auch auf dem australischen Festland, wurde dann aber vom anspruchsloseren Dingo immer mehr verdrängt, bis er schließlich nur noch auf der Insel Tasmanien vorkam. Hier wurde er ab 1850 wegen seiner nächtlichen Raubzüge besonders von Schafzüchtern gejagt und die Bestandszahlen gingen schnell zurück.

Seit 1936 gilt der Tasmanische Beutelwolf als ausgestorben, doch immer wieder werden Sichtungen gemeldet. 1961 soll ein Tier bei einem Unfall getötet worden sein. Diese Funde wurden jedoch nie bestätigt.

3. Amerikanische Wandertaube

Fast immer ist es eine Konstellation von mehreren Faktoren, die letztlich zum Aussterben einer Art führen. Bei der amerikanischen Wandertaube sind diese Gründe außerordentlich gut erforscht. Das Schicksal dieser Vogelart vollzog sich im Zuge der Besiedlung und wirtschaftlichen Erschließung Nordamerikas durch die Europäer. 1914 starb die letzte Wandertaube als Käfigvogel im Zoo von Cincinatti, während das letzte wildlebende Tier schon 1899 erbeutet worden war. Primäre Ursache des Aussterbens war die maßlose Jagd auf das Fleisch der Tauben. Die einst Milliarden von Individuen zählende Art wurde so auf wenige Tausend Tiere reduziert.

Trotz dieser relativ großen Population erholte sich der Bestand nicht wieder. Die Vögel waren unterschiedlichen neuen Bedrohungen ausgesetzt: Wegen intensiver Waldrodungen fiel es ihnen immer schwerer, geeignete Nistplätze zu finden. Bei sozial brütenden Arten wie der Wandertaube, die oft zu Hunderten auf einem Baum brütete, wirkt die Anwesenheit von Artgenossen stimulierend auf das Brutgeschäft. Bei einem ohnehin schon drastisch reduzierten Bestand sank zusätzlich die Anzahl der Nachkommen, weil Einzelpaare nicht mehr in Brutstimmung kamen. Die dezimierte Population war zudem anfälliger für Fressfeinde und Krankheiten, sodass die Art ausstarb.

4. Knolliger Neuseeland-Rüsselkäfer

1910 starb der bis zu 3 cm große Rüsselkäfer aus. Das Einführen von Ratten nach Neuseeland durch den Menschen war die wesentliche Ursache für das Aussterben dieser Insekten. Ratten fraßen die Käfer, bis die Art mit dem letzten Individuum ausgestorben war.

Noch früher ausgestorbene Tierarten

Weitere ausgestorbene Tiere aus den vergangen Jahrhunderten. Für das Aussterben dieser Tiere ist der Mensch verantwortlich.

1. Quagga

Das Quagga lebte in den Grasland-Gebieten Südafrikas und war eine Zebra-Form. Es war gelbbraun, hatte aber nur an Kopf, Hals und Brust Streifen. Im 17. Jahrhundert lebten unzählige Quaggas in Südafrika, sie gehörten zu den häufigsten Großsäugern dieser Zeit. Dann begann die intensive Bejagung aus unterschiedlichen Gründen wie Leder, Fleisch, und „Sport“. Außerdem sahen viele Kolonialisten die Quaggas als Nahrungskonkurrenten ihrer Rinder.  In der Wildnis der afrikanischen Wüsten starben die Quaggas in den späten 1870ern aus. Das letzte Individuen in Gefangenschaft starb 1883 in einem Zoo in Amsterdam.

2. Riesenalk

Der Riesenalk ein flugunfähiger Seevogel. Sein Gefieder war schwarz-weiß, ähnlich dem eines Pinguins. Er lebte jedoch auf der Nordhalbkugel auf Inseln im Nordatlantik (z.B. Funk Island, Färorer, Inseln vor Island...). Sie hielten sich meistens im Wasser auf und nutzten die felsigen Steilküsten als Brut- und Rastplatz. Ein einziges Ei wurde ohne Nest auf schwer zugänglichen Felskanten abgelegt.

Die Riesenalke wurden in erster Linie aufgrund ihrer Daunen und fetten Gebeine (als Brennstoff) mit Knüppeln erschlagen. Aufgrund der geringen Fortpflanzungsrate konnten sich die Bestände nicht erholen. Das Töten der Vögel war so weit verbreitet, dass die Vögel schließlich nur noch auf einer Insel vor Island vorkamen. Die letzten zwei Riesenalke wurden im Juni 1844 erwürgt und das letzte Ei zertreten.

3. Stellers Seekuh

Der deutsche Forscher Georg Wilhelm Steller entdeckte die riesigen Seekühe zufällig auf einer Expedition von der sibirischen Küste nach Alaska im Jahr 1741. Die mit den Elefanten verwandten Seekühe erreichten eine Länge von  8 Metern und waren damit größer als ihre tropischen Verwandten. Innerhalb von 27 Jahren töteten Pelztierjäger die Seekühe rund um die Beringinsel zur Nahrungsgewinnung und rotteten sie so aus. Im Jahr 1768 wurden die letzten ihrer Art erschlagen.

4. Auerochse

Der Auerochse, auch Ur genannt, ist eine der bekanntesten ausgestorbenen Tierarten. Unsere Vorfahren zeichneten seine Silhouette auf Höhlenwände und jagten die bis zu zwei Meter hohen Tiere. Domestikation und Zucht durch den Menschen seit der Steinzeit führten den Auerochsen zu den heute bekannten Rinderrassen.

Doch die Domestikation nützte der kräftigen, wildlebenden Art nicht: Sie starb 1627 aus. Seit dem 20. Jahrhundert versuchte man immer wieder, aus unserem Hausrind ein auerochsen-ähnliches Rind rückzuzüchten. Selbst wenn das Äußere einer Rinderrasse dem Auerochsen nach solch einer Züchtung ähnlich sehen würde, ist das genetische Material des echten Auerochsen mit seinem Aussterben nun für immer verloren.

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