Schilddrüsenerkrankungen bei Hunden

Stumpfes Fell und Schlappheit bei Ihrem Hund? Harmlose Symptome oder eine ernsthafte Erkrankung? Erfahren Sie hier alles über mögliche Erkrankungen der Schilddrüse bei Hunden.

Hund beim Tierarzt
Der Tierarzt überprüft alle Symptome der kranken Hunde.© gamelover – stock.adobe.com

Bei Hunden wiegt die Schilddrüse im Durchschnitt gerade einmal eineinhalb Gramm. Doch ohne das Miniorgan läuft fast nichts im gesamten Organismus des Vierbeiners. Die winzige Drüse stimuliert über ihre beiden Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) die verschiedensten Vorgänge im Körper und treibt alle Organe zur Arbeit an. Beim Jungtier sind die Schilddrüsenhormone die treibenden Kräfte für Wachstum und Entwicklung. So gut wie alle Körperfunktionen des ausgewachsenen Hundes sind abhängig von der Gesundheit der Schilddrüse.

Mögliche Erkrankungen der Schilddrüse

Erbkrankheiten, Verletzungen, Entzündungen und die Entwicklung eines Tumors können die Schilddrüse der Hunde schädigen. Darüber hinaus haben auch andere Krankheiten – wie beispielsweise Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse – Einfluss auf die Gesundheit und Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse

Die mit Abstand häufigste Schilddrüsenkrankheit beim Hund ist jedoch eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigenen Abwehrzellen das Schilddrüsengewebe angreifen und zerstören (Autoimmunthyreoiditis). Warum die Abwehrzellen die Schilddrüse angreifen, weiß man nicht. Infolge der autoimmunen Prozesse kann die geschädigte Schilddrüse kaum noch oder gar keine Hormone mehr bilden. Es kommt zur sogenannten Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Die Hypothyreose hat gravierende Folgen für den gesamten Organismus des Hundes.

Schilddrüsenunterfunktion: Symptome

Da die Zerstörung der Schilddrüse durch die autoimmunen Prozesse in der Regel langsam verläuft, kann die Produktion von Schilddrüsenhormonen noch eine ganze Weile aufrechterhalten werden.

Erst wenn rund drei Viertel der Schilddrüse zerstört sind, zeigen sich Symptome:

Im weiteren Verlauf der Krankheit zeigen sich bei den betroffenen Hunden auch Haut­ und Fellveränderungen. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse kommt es zu Wassereinlagerungen in der Unterhaut. Dadurch wirkt die Haut dick, teigig und aufgedunsen. Das Gesicht der Hunde ist häufig aufgequollen und bekommt dadurch einen traurigen Ausdruck.

Folgende körperliche Veränderungen können auch auftreten:

  • stumpfes, glanzloses Fell
  • Haarausfall, vor allem am Schwanz
  • schädliche Auswirkungen auf das Herz und das Kreislaufsystem, die Verdauung und die Geschlechtsorgane
  • Schädigung des Nervensystems
  • Schäden an den Augen
kranker Hund
Betroffene Hunde kommen meist nur noch dann in Schwung, wenn es um Futter geht.© Denis Aglichev - stock.adobe.com

Schilddrüsenunterfunktion: Diagnose

Die Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion ist kompliziert, weil alle genannten Symptome auch bei anderen Krankheiten der Hunde vorkommen können. Auch die Messung der Schilddrüsenwerte im Blut liefert nicht immer eindeutige Ergebnisse, weil Hormonwerte auch beim gesunden Hund Schwankungen unterliegen.

Darüber hinaus sind die Normwerte für die Schilddrüsenhormone auch rassebedingt unterschiedlich. Die Schilddrüsenwerte völlig gesunder Salukis liegen beispielsweise häufig unter dem Durchschnitt.

Schilddrüsenunterfunktion: Behandlung

Da das Schilddrüsengewebe durch die autoimmunen Prozesse meist unwiederbringlich zerstört ist, müssen die fehlenden Hormone lebenslang ersetzt werden. Das geschieht durch Ersatzhormone, die der Hund je nach Präparat oder Krankheitsbild ein oder zweimal täglich erhält. Wichtig ist, dass die Hormone möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt gegeben werden. So kann sich der Organismus besser darauf einstellen. Die benötigte Dosis des Hormons ist von Hund zu Hund unterschiedlich, daher kann es eine Weile dauern, bis der Tierarzt die passende Dosis ermittelt hat.

Wenn die Unterfunktion der Schilddrüse rechtzeitig entdeckt wird und alles gut klappt, geht es den Tieren ein bis zwei Wochen nach Therapiebeginn bereits deutlich besser, sie sind wieder wesentlich aktiver und munterer. Haut und Fell der Hunde brauchen ungefähr acht Wochen, bis sie sich erholt haben.

Schilddrüsenüberfunktion bei Hunden

In den letzten Jahren kam es durch den Trend zur Rohfleischfütterung auch immer wieder zu Fällen einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) bei den entsprechend ernährten Hunden. Ursache hierfür war die Fütterung von großen Mengen Schlundfleisch, das noch Schilddrüsenreste und damit die Schilddrüsenhormone der Schlachttiere enthielt.

Dadurch kam es zu einer gefährlichen Überversorgung mit Hormonen. Die Hunde litten unter Herzrasen und zeigten Symptome wie Nervosität, Gewichtsverlust, Hecheln, großen Durst und vermehrten Harnabsatz. Sobald das Schlundfleisch aus den Rationen entfernt wurde, hörten auch diese Symptome wieder auf.

Hund beim Fressen
Rohes Fleisch, vor allem Schlundfleisch, kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.© mfotohaus – stock.adobe.com
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