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Reh

Tagsüber verbergen sich Rehe im Unterholz, erst zur Dämmerung begeben sie sich auf Nahrungssuche. Erfahren Sie hier alles zu Aussehen, Fortpflanzung, Verhalten, Kommunikation, Sinnesleistungen und Ernährung von Rehen.

Reh
Der Hirsch ist kein männliches Reh! Dieser Irrtum ist weit verbreitet. © photoL / iStockphoto

Das Reh ist der in Europa am häufigsten vorkommende Vertreter der Familie der Hirsche.

Steckbrief

Körperlänge: 100 - 140 cm
Gewicht: Weibchen: 17 - 27 kg, Männchen: 20 - 30 kg
Lebenserwartung: bis 12 Jahre
Verbreitung: Europa, Asien
Lebensraum: Waldrandzonen, Feldflur
Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Hirsche
Gattung: Rehe (Capreolus)
Art: Europäisches Reh (Capreolus capreolus)

Aussehen

Das Reh wechselt seine Fellfarbe mit der Jahreszeit:

  • Sommer: rotbraun
  • Winter: graubraune oder seltener dunkelbraune Färbung

Bei jungen Rehen (Kitze) kann man zusätzlich helle Punkte auf dem Rücken und in der seitlichen Bauchregion erkennen. Der Schwanzansatz (Spiegel) ist weiß. Die Schnauze der Tiere umrahmt ein schwarzer Bereich.

Die Ohren von Rehen sind mit circa 14 Zentimeter relativ lang. Männliche Rehe tragen ein Geweih, das jedes Jahr zwischen Oktober und November abfällt, aber sofort unter einer so genannten Basthaut neu zu wachsen beginnt. Nachdem sich ein neues Geweih gebildet hat, stirbt die Basthaut ab und der Bock reibt sie an Bäumen und Büschen ab.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Brunft der Rehe findet ab Ende Juli bis Anfang August statt. In dieser Zeit kommt es zu heftigen Revierkämpfen unter den Böcken. Nach der Befruchtung tritt für vier Monate eine so genannte Keimruhe ein. Das heißt, die eigentliche Tragzeit beginnt erst im Dezember und beträgt dann nochmal gute vier Monate.

Im Mai oder Juni erblickt der Nachwuchs schließlich das Licht der Welt. Meist umfasst ein Wurf nur ein bis zwei Kitze. Die kleinen Rehe werden im hohen Gras abgelegt, die Mutter (Ricke) kommt in den ersten Tagen nur, um sie zu säugen. Nach einer Woche folgt das Junge dann der Ricke. Kitzböcke bilden mit vier bis fünf Monaten ihr erstes Geweih. Nach etwa einem Jahr sind die Jungtiere selbstständig, die Geschlechtsreife erreichen sie mit dem zweiten Jahr.

Lebensweise und Verhalten

Rehe sind hauptsächlich abend- und dämmerungsaktive Tiere. In den kälteren Monaten schließen sich Ricken und ihre Jungen zu so genannten "Sprüngen" zusammen, die sich dann im Frühjahr meist wieder auflösen. Ein Sprung kann mehr als 50 Tiere umfassen. In dieser Gemeinschaft gibt es eine geregelte Aufgabenverteilung: Die einen grasen, die anderen Rehe beobachten die Umgebung. Sobald Gefahr droht, geben sie ein Warnsignal und eine Fluchtbewegung beginnt.

Vor allem ältere Böcke leben außerhalb der Brunftzeit aber lieber als Einzelgänger und sind stark revierbezogen. Ihr Territorium verteidigen sie vehement gegen Eindringlinge und kennzeichnen es mit Duftmarken.

Sinnesleistungen und Kommunikation

Rehe haben einen sehr guten Gehör- und Geruchssinn, der Sehsinn ist dagegen eher schlecht ausgebildet. Sie können lediglich einen Hell-Dunkel-Kontrast und Bewegungen wahrnehmen.

Bei ungewohnten Geräuschen stellen sie ihre Ohren spitz auf und sind jeder Zeit zur schnellen Flucht bereit. In Gefahrensituationen warnen die sonst so stummen und friedlichen Tiere ihre restliche Gemeinschaft durch laute Geräusche. Weibliche Tiere fiepen, ausgewachsene Böcke können in der Paarungszeit sogar bellende Laute von sich geben – wie ein Hundebellen.

Ernährung

Tagsüber verbergen sich Rehe im Unterholz, erst zur Dämmerung begeben sie sich auf Nahrungssuche. Oft kann man dann große Gruppen von Tieren auf offener Wiese oder am Waldrand sehen. Als Vegetarier fressen Rehe:

  • Gräser
  • Blätter
  • junge Triebe
  • Kräuter
  • Eicheln
  • Waldfrüchte
  • Beeren

Eher selten kommt es vor, dass Rehe Feldfrüchte und Knollen in ihren Speiseplan aufnehmen. Und eines mögen sie gar nicht: Taufeuchtes Gras.

Hätten Sie's gewusst?

Der Hirsch ist kein männliches Reh! Dieser Irrtum ist weit verbreitet. Männliche Rehe werden nämlich Böcke genannt.

Ein anderer Fehler, der oft im Umgang mit Rehen gemacht wird, ist das Anfassen frischer Kitze im hohen Gras. Es ist nicht richtig, dass die Ricke das Junge verlassen hat. Das Kitz liegt nur zu seinem eigenen Schutz im hohen Gras. Mehrmals täglich kommt die Mutter, um es zu säugen und zu säubern. So ist das Kitz fast geruchsfrei und vor Feinden geschützt. Sobald man das Tier aber berührt, besteht die Gefahr, dass die Mutter ihr Junges wegen des fremden menschlichen Geruches nicht mehr akzeptiert.

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