Ernährung von Schildkröten im Terrarium

Schildkröten jagen ihre Nahrung in freier Wildbahn nicht, sondern suchen sie. Die daraus resultierende Lebensweise können Sie auch gut im Terrarium umsetzen. Wie das geht und was Sie füttern dürfen, erfahren Sie hier!

 

Schildkröte
Egal ob Sie Land- oder Sumpfschildkröten pflegen, überwiegend vegetarisch lebende Arten müssen auf jeden Fall so abwechselnd wie möglich ernährt werden.© tanita - stock.adobe.com

Bei den Sinnesorganen der Schildkröten ist insbesondere das Auge sehr leistungsfähig, da das Farben- und Formensehen gut funktioniert. Sie besitzen (wie auch Krokodile) kein Jacobson‘sches Organ, so dass ihre gesamte Geruchsleistung über die Nase erfolgt. Durch Sehen und Riechen finden Schildkröten ihre Nahrung oder Beute, natürlich auch ihre Artgenossen und ihre Geschlechtspartner. 

Die Aufnahme der Nahrung ist unterschiedlich: So reißen einige Schildkröten unter Wasser ihr Maul auf und durch den entstehenden Sog wird die Beute inklusive Wasser eingesaugt. Manche Arten locken die Beute durch Hautanhängsel und –zipfel am Kopf an, andere benutzen dazu ihre Zunge. Viele Schildkröten beißen einfach Stücke von der Nahrung ihrer Wahl ab, wozu sie ihre scharfen Hornkanten benutzen.

Die Futterwahl für Schildkröten

Der Großteil der Landschildkröten ernährt sich von Pflanzen und deren Teilen, wie Früchte, Samen, Blüten, Rinden und Wurzeln. Bei einigen Arten ist in ihrer Jugend ein relativ großer Anteil an tierischer Nahrung wichtig, den sie durch das Fressen von Wirbellosen wie Würmern und Insekten, aber auch Aas und Kot decken. Dagegen besteht die Ernährung im Alter ausschließlich aus vegetarischer Kost.

Sumpfschildkröten hingegen ernähren sich omnivor (gemischt), wobei einige Arten mehr carnivore (Fleisch), andere mehr herbivore (pflanzliche) Anteile bevorzugen. Die Halswenderschildkröten sind ebenfalls überwiegend Fleischfresser, ebenso die Weichschildkröten. Doch gibt es auch einige Schildkrötenarten, die sich auf besondere Nahrung spezialisiert haben, z. B. der Malaiische Schneckenfresser. 

Die vegetarische Ernährung bei Schildkröten

Egal ob Sie Land- oder Sumpfschildkröten pflegen, überwiegend vegetarisch lebende Arten müssen auf jeden Fall so abwechselnd wie möglich ernährt werden. Je nach Art und besonders nach Alter und Größe sollte man Schildkröten einmal täglich bis 2 Mal wöchentlich frisches Futter anbieten. Die Jungtiere einiger Arten sollten möglichst einmal am Tag etwas Nahrung bekommen.

Pflanzliche Nahrung kann direkt von der Pinzette verfüttert oder aber auf einer Schale oder einem Teller direkt im Terrarium angeboten werden. Die "klassische Kopfsalat-Diät" ist nicht mehr zeitgemäß und wird dem Nahrungsbedürfnis der Tiere nicht gerecht, denn Schildkröten benötigen die Nährstoffe verschiedener Gewächse für Wachstum und Stoffwechsel. Zu ihrer gesunden Ernährung sind besonders verschiedene Wildkräuter geeignet. Dazu gehören z. B. die Blätter und Blüten des Löwenzahns, verschiedene Klee- und Brennnesselsorten, Endivien, Vogelmiere, viele Gras-, Wegerich-, Distel- und Salatarten, sowie Luzerne.

Verzichten Sie auf die Fütterung von Obst und Gemüse, auch wenn es gern genommen wird. Manche Obst- und Gemüsesorten führen zu Problemen im Magen-Darm-Trakt, andere entziehen dem Panzer wichtiges Kalzium. 

Auch Fleisch, Hundefutter und Katzenfutter sollten auf keinen Fall verfüttert werden, da die Verdauung der vegetarisch lebenden Arten auf pflanzliche und eiweißarme Nahrung ausgerichtet ist.

Beachten Sie: Durch falsche Ernährung riskieren Sie schwerwiegende gesundheitliche Probleme bei Ihrer Schildkröte.

Bieten Sie in regelmäßigen Abständen vitaminisierte Kalkpräparate oder Sepiaschalen an.

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Landlebende Schildkröten fressen gerne aus Schalen. © cabado - stock.adobe.com

Die Fleischfresser unter den Schildkröten

Beim Anbieten von tierischer Nahrung ist zu unterscheiden, ob sie an landlebende Schildkröten oder an Wasserbewohner verfüttert wird. Für erstere kann das Angebot in Schalen oder Schüsseln erfolgen, letzteren wird die Nahrung oft direkt von der Pinzette angeboten.

Generell eignet sich besonders totes Material zur Verfütterung. Dazu gehören nahezu alle Arten von Insekten und deren Larvenstadien, diverse Würmerarten, Egel, Krebse, Weichtiere, Fische, Fleisch wie Herz oder Filet, Dosennahrung für Hunde und Katzen, sowie ganze Mäuse- und Rattenbabys.

Weiterhin können Katzen- und Hundepellets (eingeweicht) ergänzend angeboten werden. Im Allgemeinen muss den Schildkröten keine lebende Nahrung vorgesetzt werden.

Kleinere, wasserbewohnende Arten und Jungtiere nehmen gern Mückenlarven, Wasserflöhe, getrocknete Garnelen, zerschnittene oder kleine Regenwürmer, Wasserschnecken, Fertig- und Zierfischfutter. Hier sollte eine entsprechende Filterung in Verbindung mit Teilwasserwechseln nicht vergessen werden. Hält man etliche Wasserschildkröten, dann ist die Herstellung des sogenannten "Schildkrötenpuddings" zu empfehlen, jedoch sollte sich die Rezeptur an die Ansprüche der zu ernährenden Art richten.

Wichtig ist auch bei der Fütterung mit tierischer Nahrung die Abwechslung. Das häufige Wechseln der Nahrungskomponenten stellt die Aufnahme möglichst unterschiedlicher Nährstoffe, Vitamine und Mineralien sicher. Dennoch müssen auch hierbei in geeigneten Abständen käufliche Kalkpräparate, Sepiaschalen oder zerstoßene Eierschalen angeboten werden. Fleischfressern muss nur 2 - 3 Mal wöchentlich Nahrung angeboten werden, Ausnahme davon sind natürlich Jungtiere.

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Achten Sie auf eine ausreichende Wasserreinigung und -filterung! © Bianca - stock.adobe.com

Nahrung für Schildkröten mit spezieller Nahrungsaufnahme

Nur wenige Schildkrötenarten haben sich in der Nahrungsaufnahme spezialisiert. Dazu gehört z. B. der Malaiische Schneckenfresser (Malayemys subtrijuga), der (wie der Name bereits andeutet) sich auf das Verzehren von Gehäuseschnecken spezialisiert hat. Dies bedeutet zwar nicht, dass sich diese Altwelt-Sumpfschildkröte ausschließlich von Schnecken ernährt, denn sie nimmt auch Insekten, Würmer, Krabben und Fische zu sich. Allerdings brauchen Exemplare im Terrarium eben einen guten Anteil an Schnecken, besonders die weiblichen Tiere, wenn man lange an ihnen Freude haben will.

Hier bieten sich verschiedene Wasser- und Landschnecken als Nahrung an. In den Frühjahrs- und Sommermonaten gesammelte Schnecken können für die Wintermonate eingefroren werden, und nach dem Auftauen verfüttert werden. Hat man mehrere dieser Schildkröten, so ist die separate Zucht von Schnecken anzuraten, da man so immer genügend Futter in den geeigneten Größen vorrätig hat.

Beachten Sie: Um den Schildkröten die Nahrungsaufnahme nicht zu einfach zu gestalten, können Sie die Nahrung bei jeder Fütterung an unterschiedlichen Stellen im Terrarium abstellen. Das fördert das natürliche Verhalten der Schildkröten – nämlich die aktive Suche nach Nahrung.

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