Tierschutzhunde aus dem Ausland – was Sie wissen sollten

Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Hund aus dem Auslandstierschutz. Vor der Anschaffung muss man sich jedoch gut informieren und sich bewusst sein, dass diese Hunde teilweise traumatisiert sind. 

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Viele Menschen entscheiden sich ganz bewusst für einen Tierschutzhund aus dem Ausland© stock.adobe.com/celiafoto

Viele Menschen entscheiden sich für einen Hund aus dem ausländischen Tierschutz. Wer sich für einen solchen Hund entscheidet, muss sich im Vorfeld gut informieren und sich darüber im Klaren sein, dass viele dieser Hunde aufgrund ihrer Vergangenheit, in Bezug auf Verhalten und Gesundheit, ein Überraschungspaket sind. 

Tierschutzhunde aus dem Ausland – seriöse Vermittlung

Was die seriöse Tierschutzhundeeinfuhr im Wesentlichen vom illegalen Hundehandel unterscheidet, ist eine Anlaufstelle im Inland. Diese hilft bei Problemen sowie der Vermittlung und nimmt gegebenenfalls das Tier auch wieder zurück. Hunde, die über eine solche Anlaufstelle vermittelt werden, erfüllen alle wesentlichen veterinärrechtlichen Vorschriften für die Einreise nach Deutschland. Der Kauf von sogenannten Wühltischwelpen hat nichts mit Tierschutz zu tun, sondern unterstützt den illegalen Welpenhandel und macht Profit auf Kosten des Tierwohls. Bei Fragen zu diesem Thema finden Sie bei Tasso und dem deutschen Tierschutzbundweitere Informationen sowie qualifizierte Ansprechpartner. 

Tierschutzhunde aus dem Ausland – Gesetze und Regeln

Für einen Tierschutzhund aus dem Ausland gelten bestimmte Gesetze und Regelungen in Deutschland, die es zu beachten gilt.

1. EU-Heimtierausweis

Seit dem 29. Dezember 2014 müssen Tierhalter im EU-Heimtierausweis ihre personenbezogenen Daten mit einer Unterschrift bestätigen. Zusätzlich werden die Kontaktdaten des ausstellenden Tierarztes erfasst, welcher seine Angaben ebenfalls durch eine Unterschrift bestätigen muss. Folgende Informationen müssen durch den Tierarzt mindestens drei Jahre aufgehoben werden:

  • Kontaktinformationen des Tierhalters
  • Ausweisnummer
  • Transponder-Nummer
  • Tätowierung des Hundes inklusive Körperstelle
  • Ort der Kennzeichnung
  • Zeitpunkt der Anbringung
  • Zeitpunkt der Anbringung oder des Ablesens

2. Tollwutimpfungspflicht für Welpen

Eine bestehende Tollwutimpfung ist für die Einreise nach Deutschland seit dem 31. Dezember 2014 für Welpen Pflicht. Da diese Impfung erst ab der 12. Lebenswoche durchgeführt wird und der Impfschutz erst 21 Tage später gilt, können Welpen erst ab der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden.

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3. Einfuhrbestimmungen bestimmter Hunderassen

Das Hundeverbringungs- und Einfuhrbeschränkungsgesetz gilt nicht nur für Tierschutzhunde, sondern auch für Hunde, die von ausländischen Züchtern stammen. Doch besonders bei Tierschutzhunden, wenn nicht eindeutig feststeht um welche Rasse es sich handelt, ist es wichtig diese Bestimmungen zu kennen, um im Nachhinein unschöne Überraschungen zu vermeiden. Demnach dürfen seit 2001 folgende Hunderassen nicht mehr nach Deutschland eingeführt oder verbracht werden:

  • Pitbull-Terrier
  • American Staffordshire-Terrier
  • Bullterrier
  • Kreuzungen untereinander oder mit anderen Rassen

Wundertüte Tierschutzhund

Wer sich für einen Tierschutzhund aus dem Ausland entscheidet, entscheidet sich damit auch ein Stück weit für Ungewissheit. Viele Hunde aus süd- und osteuropäischen Ländern haben eine unbekannte Lebensgeschichte oder sind traumatisiert. Auch, wenn nicht alle Straßenhunde per se leiden, fällt es ihnen doch schwer, sich an das Leben als Familienhund anzupassen. Hunde, die direkt aus dem Ausland kommen und nur kurz in Pflegestellen untergebracht werden, sind ein wahres Überraschungspaket, was ihr Verhalten betrifft. Grob gefasst werden mindestens sechs Monate genannt, die ein Tierschutzhund aus dem Ausland braucht, um in seinem neuen Umfeld anzukommen und sich einzugewöhnen. Denn auch Hunde erleben eine Art Kulturschock, wenn sie in Deutschland ankommen und mit unbekannten Reizen konfrontiert werden. Je nach Vorgeschichte und Charakter des Hundes kann die Eingewöhnungszeit natürlich stark variieren. 

Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden aus dem Auslandstierschutz

Hunde die aus dem Ausland kommen, sind in der Regel zunächst erschöpft und zurückhaltend. Neue Eindrücke, Reize und ein komplett anderer Alltag überfordern sie zu Beginn, weshalb sie nur langsam an ihre neue Umwelt gewöhnt werden sollten. Zudem sollten sich Halter von der vermenschlichten Vorstellung verabschieden, dass sich der Hund dankbar für seine Rettung zeigt. Viele dieser Hunde haben Probleme damit, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden und hadern. Verhaltensauffälligkeiten wie eine Obsession mit Fressbarem, Probleme mit dem Angeleint sein oder die Unfähigkeit zu spielen, können auftreten, wenn der Hund beginnt, sich einzuleben. 

Mangelnde Sozialisation

Das häufigste Problem das bei Tierschutzhunden aus dem Ausland beobachtet werden kann, ist eine mangelnde Sozialisation auf den Menschen. Während das Zusammenleben mit anderem Artgenossen keine Probleme bereitet, haben viele dieser Hunde nur wenige oder überwiegend negative Erfahrungen mit dem Menschen gemacht. Dementsprechend skeptisch treten diese dem Menschen gegenüber. Straßenhunde kommen häufig, wenn überhaupt mit Hundefängern in Kontakt. Bei diesen Tieren kann sich ein Angstverhalten gegenüber Menschen mit bestimmten Merkmalen entwickeln. Männer mit schweren Stiefeln und Handschuhen vereinen einige Merkmale, auf die Straßenhunde mit Angst reagieren. 

Reizüberflutung

Eine weitere Verhaltensauffälligkeit, die bei Straßenhunden häufig zu beobachten ist, ist das Deprivationssyndrom. Es entsteht, wenn Hunde in einer reizarmen Umwelt aufwachsen und in ihrem neuen Alltag eine Reizüberflutung erleben. Selbst wenn diese Tiere als Junghunde früh neue Besitzer finden, kann dieser Teil der fehlenden Sozialisation nur schwer wieder aufgeholt werden. Diese Hunde werden ihr Leben lang Probleme mit Alltagssituationen haben. Mit viel Geduld und konsequentem Training, kann daran gearbeitet werden. Der Trainingserfolg ist dabei jedoch von Hund zu Hund unterschiedlich. 

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Tierschutzhunde sind oftmals traumatisiert und reagieren in bestimmten Situationen mit Aggression oder Angst© stock.adobe.com/Valeriy Volkonskiy

Häufige Krankheiten bei Hunden aus dem Auslandstierschutz

Tierschutzhunde aus dem Ausland sind nicht nur in Bezug auf ihr Verhalten eine Wundertüte, auch gesundheitlich können Sie für unangenehme Überraschungen sorgen. Insbesondere exotische Infektionskrankrankheiten, die in Deutschland nicht vorkommen, sind ein häufiges Problem. Um schwere bis tödliche Krankheitsverläufe und hohe Tierarztrechnungen zu vermeiden, wird dringen der große Mittelmeercheck empfohlen. Dabei wird der Hund auf die häufigsten Mittelmeerkrankheiten getestet. Dazu zählen:

  • Leishmaniose
  • Ehrlichiose
  • Babesiose
  • Dirofilariose
  • Hepatozoonose

Auch wenn der Hund in seinem Heimaltland bereits getestet wurde kann es sein, dass er sich danach noch mit einer der Krankheiten infiziert hat. Aus diesem Grund wird trotzdem empfohlen, den Test in Deutschland zur Sicherheit erneut durchzuführen. Die meisten dieser Krankheit sind gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt werden. An dieser Stelle sollte daher nicht mit Geld gespart werden. 

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Um Krankheiten auszuschließen sollte ein Tierarzt in Deutschland den großen Mittelmeercheck durchführen © stock.adobe.com/pressmaster

Auch wenn Tierschutzhunde durch ihre Vergangenheit mal mehr, mal weniger in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit vorbelastet sind, lohnt es sich doch einem solchen Hund die Chance auf ein neues Zuhause und damit auf ein neues Leben zu geben. 

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