Hochträchtige Katze ausgesetzt: Zwei Kitten schon im Mutterleib tot
Am frühen Morgen des 21. März entdeckten Mitarbeiter des Münchner Tierheims einen Karton vor dem Eingang – darin eine geschwächte, hochträchtige Katze. Der Fall bewegt nicht nur die Angestellten des Tierheims, sondern lenkt auch die Aufmerksamkeit auf eine gesetzliche Lücke, die Tierschützer seit Langem kritisieren.
Laut einer Pressemitteilung vom 31. März fand der Tierschutzverein München die trächtige, dehydrierte Katze und informierte umgehend die Öffentlichkeit. Es wurde Anzeige erstattet, zudem bittet der Verein um Hinweise aus der Bevölkerung. Erneut wird in diesem Zusammenhang eine bundesweite Katzenschutzverordnung gefordert.
Katze in Karton zurückgelassen
Die Überraschung war groß, als die Angestellten am 21. März früh morgens einen Karton vor dem Tierheim in der Riemer Straße 270 entdeckten – aus dem ein lautes Miauen zu hören war. Im Inneren befand sich eine stark verängstigte dreifarbige Katze, die nicht nur unter starkem Flüssigkeitsmangel litt, sondern – wie sich bald herausstellte – kurz vor der Geburt stand.
Ob sie bereits die gesamte Nacht über in dem feuchten Karton ausharren musste oder erst kurz zuvor dort abgestellt worden war, ließ sich nicht feststellen. Fest stand jedoch: Das Tier benötigte dringend medizinische Hilfe. Die Mitarbeitenden brachten sie umgehend in die Quarantänestation, wo alle Neuzugänge durch Tierärzte versorgt werden.
Zwei Kitten sind schon im Mutterleib gestorben
Ein Ultraschall bestätigte den Verdacht: Die Katze war trächtig – vier Föten waren sichtbar. Die Helfer tauften sie auf den Namen „Perla“. Noch in derselben Nacht gebar sie zwei Jungtiere. Danach änderte sich Perlas Verhalten drastisch.
Hatte sie sich anfangs noch zutraulich und kooperativ gezeigt, reagierte sie am nächsten Morgen aggressiv: Als die Pfleger das Zimmer betraten, ging sie mit aller Vehemenz dazwischen – offenbar überzeugt, ihre Jungen seien in Gefahr. Diese Reaktion war nicht unbegründet: Zwei der Kitten waren bereits im Mutterleib gestorben und mussten am darauffolgenden Montag unter Narkose entfernt werden.
Ein gemeinsames Bild der Katzenfamilie konnte bisher nicht angefertigt werden. „Bis heute ist es nicht möglich ein Bild der jungen Katzenfamilie gemeinsam zu machen, ohne der armen Mama massiven Stress zuzumuten und unsere Pfleger in Gefahr zu bringen.“ Lediglich im Rahmen einer Behandlung konnten die zwei überlebenden Babys fotografiert werden.
„Tiere sind empfindsame, leidensfähige Lebewesen“
Kristina Berchtold, Pressesprecherin des Tierschutzvereins, zeigte sich bestürzt über das Verhalten der Person, die Perla ausgesetzt hatte:
"Tiere sind empfindsame, leidensfähige Lebewesen. Man stelle sich nur einen Moment lang vor, wie es sich anfühlen muss, hochschwanger und wahrscheinlich bereits mit Schmerzen und Schwangerschaftskomplikationen einfach an einer Straße abgestellt zu werden."
Weiter führte sie aus:
"Wer die Verantwortung scheut, sich um den Nachwuchs seiner Katze zu kümmern, der lässt sie rechtzeitig kastrieren oder bringt zumindest so viel Anstand auf, Mutter und Babys persönlich im Tierheim abzugeben, statt sie einfach heimlich abzustellen. Damit lässt man nicht nur eine ohnehin schon überlastete, gemeinnützige und spendenfinanzierte Einrichtung feige auf den selbst verursachten Kosten sitzen. Man erschwert auch mangels Informationen zum Tier dessen Versorgung und riskiert damit, besonders in diesem Fall, Leben und Gesundheit."
Zeugen gesucht
Perlas Gesäuge deutet darauf hin, dass sie bereits mehrfach geworfen hat. Ihr überaus aggressives Verhalten lässt vermuten, dass sie ein Trauma erlitten hat. Möglicherweise hätten die beiden toten Kitten überlebt, wenn sie früher tierärztlich behandelt worden wäre.
Der Tierschutzverein hat Strafanzeige gestellt und ruft nun die Öffentlichkeit zur Mithilfe auf: Wer in der Nacht zum Freitag, den 21. März, oder am frühen Morgen in der Riemer Straße verdächtige Beobachtungen gemacht hat oder die Katze erkennt, wird gebeten, sich an die Polizei zu wenden.
Ruf nach gesetzlicher Regelung
Um vergleichbare Fälle künftig zu verhindern, setzen sich Tierschutzorganisationen seit Jahren für eine bundesweite Katzenschutzverordnung ein. Diese soll Halter verpflichten, ihre Katzen registrieren und – bei Freigang – kastrieren zu lassen. Trotz mehrfacher Forderungen aus dem Tierschutz wurde diese Maßnahme bislang nicht ins neue Tierschutzgesetz aufgenommen.
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