Katzen und ihre wilden 5 Minuten

Das Verhalten von Katzen ist oft ein Buch mit sieben Siegeln. Erst dösen sie friedlich, dann stürmen sie wie von der Tarantel gestochen los. Lesen Sie hier, was die wilden fünf Minuten bei Katzen auslöst – und warum diese so wichtig für die Katze sind.

 

Katze spielt wild
Jede Katze hat mal ihre wilden 5 Minuten. © Stock.adobe.com/Tanya

Wer kennt sie nicht – die etwas befremdliche plötzliche Raserei, bei der die Katzen von jetzt auf gleich die Wände hochgehen, die Zehen des Besitzers attackieren und ohne Rücksicht auf Verluste über Tische und Regale durch die Wohnung hetzen, als wäre die wilde Jagd hinter ihnen her. Nach ein paar Sekunden oder Minuten ist der Spuk vorbei und die Katze sitzt wieder manierlich auf ihrem Platz und putzt sich entspannt, als wäre nichts gewesen. Warum tun Katzen das und wann sollte man besser einschreiten?

So oft haben Katzen ihre wilden 5 Minuten

Je jünger die Katze ist und je begrenzter der Wohnraum, der ihr zur Verfügung steht, desto ausgeprägter sind diese kuriosen Anfälle – sie reichen von gelegentlich bis hin zu ein- oder zweimal täglich. In den Dämmerungszeiten am Abend oder am frühen Morgen sind Katzen naturgemäß am aktivsten – und das sind somit auch die typischen Zeiten für ihre wilden Sprints durch ihre Umgebung.

Deswegen haben Katzen ihre wilden 5 Minuten

Das wilde Verhalten unserer Katzen hat in den meisten Fällen mit der Jagd zu tun. Katzen sind höchst effiziente Jäger, aber sie können dieses Verhalten nicht immer ausreichend ausleben. Vor allem wenn sie viel Zeit allein in der Wohnung verbringen müssen oder kaum Möglichkeiten zum Freilauf haben. Wenn Katzen den ganzen Tag über nichts zu tun haben, sind die wilden fünf Minuten eine gute Möglichkeit, ihre überschüssige Energie auszutoben und auf diese Art loszuwerden.

Dazu passt auch, dass bei der Raserei imaginäre Beute gejagt wird – die Katze tut dann einfach so als ob und macht das, wofür sie geschaffen ist, wenn sie nicht gerade schläft. Auch bei Freilaufkatzen sind solche Energie-Ausbrüche durchaus zu beobachten – wenn vielleicht auch nicht ganz so häufig wie bei einer Wohnungskatze.

Katze jagt

Erst wird gelauert, dann springt die Katze los. ©stock.adobe.com/Golden_hind

So laufen die wilden 5 Minuten ab

Am erstaunlichsten ist wohl die Plötzlichkeit, mit der eine Katze von null auf Vollgas beschleunigen kann – doch gerade das entspricht auch ihrem Jagdstil: Auf eine lange Phase des Lauerns und Wartens folgt ein explosiver Energieausbruch mit hohen Sprüngen – wenn es sein muss auch mit einer neuerlichen Lauerphase.

Eine weitere Alltagssituation, aus der Katzen oft dynamisch durchstarten, ist der beendete Besuch der Katzentoilette. Es sieht beinahe so aus, als wären die Tiere nicht nur im körperlichen Sinne erleichtert und fröhlich, etwas abgelegt zu haben. Das kann ziemlich komisch wirken.

In diesen Fällen wird das Verhalten kritisch

Durchaus kritisch kann es aber im Mehrkatzenhaushalt zugehen. Gemeinsames Spiel entwickelt sich bei gut befreundeten Katzen leicht zu einer heiteren Synchron-Raserei. Nicht alle Partnerkatzen finden es jedoch okay, wenn sie in solche Energieausbrüche ungefragt eingebunden und unvermittelt zum Opfer einer wilden Jagd werden.

Auch in allen Situationen, wo sich die Katze in irgendeiner Weise bedroht fühlt, kann sie in Sekundenbruchteilen beschleunigen – aber dann ist es kein Spaß mehr, sondern schon Flucht.

Insbesondere plötzlich auftretende Schmerzen, heftiger Juckreiz oder Missempfindungen wie Brennen können ein ganz ähnliches Verhalten der Raserei hervorrufen. Diese Katzen beginnen mit dem Schwanz zu schlagen, zucken mit der Haut am Rücken und rasen los.

In schlimmeren Fällen attackiert die Katze sogar ihren Schwanz, putzt sich hektisch an Flanken und Rücken und hat weite Pupillen. Dieser Symptomkomplex wird unter dem Begriff Felines Hyperästhesie-Syndrom zusammengefasst und kann zahlreiche Ursachen haben. Der gemeinsame Faktor ist die in der Natur der Katze liegende Explosivität von Bewegungs- ausbrüchen – sei es aus reiner Freude und überschüssiger Energie oder der Versuch verzweifelter Flucht vor einer ausweglosen Situation.

Mehrkatzenhaushalt

Im Mehrkatzenhaushalt ist Aufmerksamkeit geboten. ©stock.adobe.com/Elena

Fazit: Das ist unbedingt zu beachten

Es ist sinnvoll, zu beobachten, ob die Katze während ihren wilden 5 Minuten ihr Spielgesicht aufsetzt oder ob sie verzweifelt ist und bereit zu aggressiver Abwehr gegen unsichtbare Feinde. Besteht der Verdacht, dass es der Katze nicht gut geht, sind Videos von den wilden Minuten eine gute Hilfe für die tierärztliche Diagnostik.

 

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