Leinenspaziergänge mit der Katze

Freigänger können ihr Revier erkunden und haben dabei vielfältige Umwelteindrücke. Doch auch Wohnungskatzen können an der Leine draußen Abenteuer erleben. Lesen Sie hier, wie Sie vorgehen sollten. 

Katzen müssen an die Leine gewöhnt werden.
Katzen müssen an die Leine gewöhnt werden.© DenisNata-stock.adobe.com

Die meisten Katzen genießen es, wenn sie nach draußen an die frische Luft können. Sie haben vielfältige Umwelteindrücke. Die größte Gefahr für Freigänger ist jedoch der Straßenverkehr. Es gibt aber auch nicht nur katzenfreundliche Jäger und auch nicht nur katzenbegeisterte Nachbarn. Dazu kommen noch diverse Krankheiten, gegen die man nicht impfen kann, Parasiten sowie die Diebstahlsgefahr.

Viele Katzenhalter haben Angst davor, ihre Katze frei nach draußen zu lassen. Vor allem an stark befahrenen Straßen ist das Risiko hoch. Wenn aber dennoch der Wunsch existiert, der Katze den Gang nach draußen zu ermöglichen, kann neben dem Bau eines katzensicheren Gartens auch eine Katzenleine die Lösung sein.

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Ein Spaziergang regt alles Sinne der Katze an. © Stock.adobe.com/P&G

Ist meine Katze für Leinenspaziergänge geeignet?

Nicht alle Katzen sind von einem Spaziergang an der Leine begeistert. Für einige ist es aber tatsächlich eine herrliche Gelegenheit, frische Luft Sonne und neue Eindrücke zu tanken. Ob Sie es mit Ihrer Katze versuchen sollten? Machen Sie den kurzen Test!

Wie schätzen Sie Ihre Katze ein? Beantworten Sie die Fragen mit Ja oder Nein:

  1. Meine Katze ist sehr selbstbewusst?
  2. Meine Katze ist neugierig?
  3. Meine Katze hat einen gewissen Freiheitsdrang?
  4. Meine Katze hat früher schon einmal Freilauf gehabt, oder ist draußen aufgewachsen?
  5. Meine Katze ist bewegungsfreudig?
  6. Meine Katze reagiert gelassen auf neue Eindrücke?
  7. Meine Katze hat eine gute Bindung an mich?
  8. Meine Katze ist gesund?
  9. Meine Katze ist vollständig geimpft?
  10. Meine Katze ist jünger als sieben Jahre?
  11. Ich kann meine Katze problemlos auf den Arm nehmen?
  12. Meine Katze reagiert gelassen bei Autofahrten?
  13. Meine Katze hat keine Panik vor einem Katzenkennel?

Wenn Sie mindestens sieben der Fragen mit "Ja" beantworten können, lohnt sich der Versuch mit Geschirr und Leine.

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Das Geschirr muss passen und fest sitzen. © Stock.adobe.com/inapod

In folgenden Fällen sollten Sie aber besser auf Spaziergänge an der Leine verzichten:

  • wenn die Katze nicht geimpft ist
  • wenn die Katze nicht gechippt ist
  • wenn die Katze extrem ängstlich ist 
  • wenn die Katze unter einer Krankheit leidet, bei der Aufregung schädlich sein könnte

Genauso sollten Sie nicht mit Leinenspaziergängen beginnen, wenn Sie nicht gewährleisten können, diese der Katze auch regelmäßig zu bieten. Wenn die Katze Spaß an der Sache hat, wird sie die neue Freiheit einfordern! 

Die Ausstattung für einen Leinenspaziergang mit Katze

Zur Ausstattung für einen Leinenspaziergang mit Katze gehört:

  • ein gut sitzendes, möglichst verstellbares Brustgeschirr
  • eine Leine

Bei den Leinen haben sich Flexileinen bewährt, die für kleine Hunde angeboten werden. Auch "Walking Jackets" werden von Katzen oft sehr gut toleriert und haben den Vorteil, dass die Katze nicht gewürgt wird, wenn sie an der Leine zieht, da sich der Zug sehr gleichmäßig verteilt. Bitte versuchen Sie Ihr Glück nicht mit Halsbändern. Katzen sind sehr gelenkig und aus einem Halsband viel zu schnell herausgeschlüpft. Zudem besteht die Gefahr der Strangulierung, wenn die Katze aus irgendeinem Grund in Panik gerät. Zusätzlich ist es sinnvoll, einen Katzenkennel oder eine Transporttasche mit auf den Spaziergang zu nehmen.

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Zuerst wird mit Geschirr und Leine im Haus geübt. © Stock.adobe.com/stivog

Gewöhnung der Katze and das Geschirr

Katzen müssen schrittweise an Geschirr und Leine gewöhnt werden. Zunächst wird zu Hause in der gewohnten Umgebung das Tragen des Geschirrs trainiert: Am ersten Tag legt man der Katze nur das Geschirr an und nimmt vielleicht noch kleine Anpassungen in der Größe vor und wartet ab, wie die Katze darauf reagiert: 

  • Wird die Katze beim Anlegen unruhig, wehrt sich oder gerät gar in Panik, sollte sie in Ruhe gelassen werden. Versuchen Sie es dann in ein paar Tagen wieder. 
  • Bleibt die Katze ruhig mit angelegtem Geschirr, wird sie gelobt und bekommt ein leckeres Belohnungshäppchen. Ziehen Sie ihr das Geschirr anschließend einfach wieder aus.

Am nächsten Tag wird weitergeübt. Die Tragzeit des Geschirrs wird immer mehr verlängert, bis es die Katze nicht mehr stört und sie ganz unbeeindruckt mit dem Geschirr durch die Wohnung marschiert.

Katze lässt sich mit Geschirr umfallen

Viele Katzen lassen sich wenn sie ein Geschirr die ersten Male tragen, einfach umfallen. Wenn Sie sich einen Cat-Teaser, also einen Stab mit Federn obendran, oder eine Katzenangel organisieren, lässt sich dieses Verhalten meist schnell abstellen.

Sobald der "Jagdtrieb" auf die Scheinbeute geweckt ist, "vergisst" die Katze, dass sie das Geschirr trägt und saust hinter dem Federwedel her. Gemeinsames Spiel mit der Katze hilft sehr, den Gewöhnungsprozess zu beschleunigen.

Bitte lassen Sie die Katze nie unbeaufsichtigt im Haus mit angezogenem Geschirr herumlaufen.

Das Geschirr kann sich irgendwo mit einem Riemen verhaken, und die Katze sitzt fest, wird sogar im ungünstigsten Fall halb erwürgt. Ein solcher Vorfall kann genügen, und Sie können sich von der Idee der Spaziergänge sofort verabschieden.

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Im Handel gibt es unterschiedliche Geschirre für Katzen. © Stock.adobe.com/Светлана Акифьева

6 Grundregeln zum Katzengeschirr 

  • Üben Sie regelmäßig, wenn möglich zu der Tageszeit, zu der Sie später beabsichtigen, mit der Katze rauszugehen.
  • Besser zwei oder drei kurze Trainingszeiten als eine, die zu lang ist und damit die Katze überfordert.
  • Katzen lieben Rituale. Sprechen Sie mit Ihrem Liebling und benutzen Sie dabei einen ruhigen freundlichen Tonfall.
  • Loben Sie Ihre Katze, wenn sie gut mitmacht, und belohnen Sie sie mit einem Leckerchen.
  • Wenn Ihre Katze ängstlich ist, gar Panik bekommt oder sich sichtlich unwohl fühlt, brechen Sie die Übung sofort ab und gehen Sie beim Training eine Stufe zurück.
  • Versuchen Sie bitte nie, Ihre Katze zu etwas zu zwingen. Morgen ist auch noch ein Tag, und Sie erreichen mit Druck gar nichts.

Gewöhnung der Katze an die Leine

Auch die Gewöhnung an die Leine erfolgt zu Hause. Wenn Ihre Katze das Geschirr als Selbstverständlichkeit toleriert, hängen Sie die Leine ein und laufen damit ein wenig hinter der Katze her. Für den Umgang mit der Katze gelten dabei dieselben Regeln wie bei der Gewöhnung an das Geschirr. Klappt das Tragen der Leine ein paar Minuten am Stück, hängen Sie die Katze wieder ab und verlängern die Zeit dann stufenweise, wie oben bei der Geschirrgewöhnung beschrieben.

Achtung: Üben Sie bitte beim ersten Mal im größten und übersichtlichsten Raum Ihrer Wohnung und begrenzen sie die Länge der Leine bei Flexileinen mit der Stoppfunktion. Es kann sein, dass Ihre Katze Panik vor der Leine bekommt, sich eventuell bedroht oder verfolgt fühlt und deshalb schnell durchs Zimmer läuft und die Leine so um Möbelstücke herumwickelt oder sie umwirft.

Bei manchen Katzen funktioniert die Gewöhnung an Leine und Geschirr schneller, andere brauchen vielleicht mehrere Monate dafür. Manchmal kann es helfen, auf eine andere Leine, zum Beispiel ohne Aufrollmechanismus, umzusteigen. Sie als Katzenhalter brauchen auf jeden Fall viel Geduld. Wenn Ihre Katze sich aber sichtlich unwohl mit der Leine fühlt und keine Fortschritte macht, sollten Sie akzeptieren, dass die Leine für Ihre Katze nicht geeignet ist und sie nicht dauerhaft damit stressen.

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Eine Flexileine ermöglicht größeren Spielraum. © Stock.adobe.com/vladhhe

Der erste Leinenspaziergang mit der Katze

Hat die Katze sich im Haus an Geschirr und Leine gewöhnt, kann man den großen Tag des ersten Einsatzes draußen planen. Denken Sie dabei an folgende Aspekte:

  • Ihre Katze sollte gültig geimpft sein und einen Floh- und Zeckenschutz bekommen (fragen Sie Ihren Tierarzt nach wirksamen Präparaten).
  • Ihre Katze sollte gechippt sein und Ihre Kontaktdaten bei einem Tierregister hinterlegt. 
  • Starten Sie nicht im Winter mit den Spaziergängen draußen.
  • Nehmen Sie für den Transport und für den Notfall einer Transportbox oder -tasche mit.
  • Nehmen Sie zur Motivation einen Federwedel und Leckerlis mit.
  • Die Katze sollte Geschirr und Leine schon tragen, bevor Sie das Haus verlassen.

Schritt 1: Ankunft am Zielort

Wenn Sie an Ihrem Ziel angekommen sind, stellen Sie das Transportbehältnis auf den Boden und nehmen die Leine in die Hand. Zunächst bleibt die Tür noch geschlossen, und die Katze darf in der sicheren Höhle schon mal schnuppern und schauen, was es da so alles zu sehen gibt.

Schritt 2: Die Tür öffnet sich

Manche äußerst selbstbewusste Katzen fangen sofort an, am Kennelgitter zu kratzen, und signalisieren, dass sie raus wollen, andere sind erst einmal verunsichert und drücken sich in die letzte Ecke. Je nach dem Verhalten der Katze öffnen Sie die Tür sofort oder warten, bis das Tier einen ruhigen und neugierigen Eindruck macht. Versichern Sie sich vor dem Öffnen, dass sich kein Hund in Sichtweite befindet und keine Menschen auf den Standort zukommen, an dem Sie sich befinden.

Nach dem Öffnen der Tür überlassen Sie es der Katze, ob sie herauskommen möchte oder nicht. Meist siegt die Neugierde nach ein paar Minuten. Bei manchen Katzen hilft es, wenn man sie lockt und lobt, andere lassen sich durch den Federwedel motivieren. Hat die Katze die sichere Box verlassen, wird sie sich sicher bald hinsetzen oder -legen, in Ruhe schnüffeln wollen oder etwas Gras knabbern.

Wenn die Katze keinerlei Anstalten macht, aus der Transportbox zu kommen und sich fürchtet, brechen Sie den Versuch nach wenigen Minuten ab. Wenn sie zwar drin bleibt, aber interessiert schaut, gönnen Sie ihr die Aussicht auf die fremde Welt und wiederholen das Ganze ein anderes Mal wieder.

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Ein sicherer Rückzugsort sollte immer bereit stehen. © Stock.adobe.com/inapod

Schritt 3: Die richtige Länge

Für den ersten Ausflug reichen 15 Minuten völlig, es sei denn, Ihre Katze läuft schon wie ein Profi durchs Gras und amüsiert sich sichtlich. Spätere Ausflüge können Sie dann wieder stufenweise verlängern oder aber verkürzen, wenn die Katze einen schlechten Tag hat.

Der geeignete Platz für Leinenspaziergänge mit Katzen

Für den ersten Leinenspaziergang mit der Katze eignet sich der eigene Garten, solange er ruhig und ggf. eingezäunt ist. Haben Sie keinen Garten, so suchen Sie sich einen anderen Platz. Dieser sollte, auch bei späteren Spaziergängen, folgende Eigenschaften erfüllen:

  • bietet viel freien Rasen oder Wiesenfläche
  • ruhig gelegen (kein Autoverkehr, keine Innenstadt)
  • so "hundefrei" wie möglich

Zudem empfiehlt es sich, für den Anfang eher Gegenden zu suchen, in denen man mit seiner Katze halbwegs alleine ist. Wenn man seinen Stadtpark ins Auge gefasst hat, übt man am Anfang besser nicht gerade am Sonntag, wenn ganze Menschenhorden auf den Gehwegen flanieren und sich mit einem "Ach, ist die aber süß!" auf die Katze stürzen.

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Eine ruhige Umgebung ist für den Spaziergang wichtig. © Stock.adobe.com/Video_StockOrg

Gefahren für Katzen beim Leinenspaziergang

Beim Spaziergang mit der Katze gibt es auch einige Gefahren, auf die Sie als Katzenbesitzer besonders achten sollten:

  • Bäume können zur Falle werden, wenn sich die Katzenleine in irgendwelchen Ästen verheddert oder die Katze am Geschirr hängen bleibt. Daher achten Sie bitte darauf, dass die Katze besser nicht klettert. Ebenso sollte man dichtes Buschwerk meiden.
  • Meiden Sie unbedingt den Kontakt zu Hunden und anderen Katzen. Sie können Ihrer Katze Angst machen, sie verletzen oder Krankheiten übertragen.

Nehmen Sie die Transportbox immer mit, sobald die Katze sich in weiterem Umkreis bewegen möchte. Er dient als schneller Zufluchtsort, wenn ein frei laufender Hund sich nähert oder sich die Katze irgendwie erschreckt. Es ist besser, die Katze samt Korb nach oben zu nehmen, als das Tier auf dem Arm zu halten. Gerade bei Hundebegegnungen ist es wichtig, die Katze kontrollieren zu können. Eine Katze, die Todesangst hat, lässt sich mit bloßen Händen nicht mehr halten, ohne dass Sie dabei Blessuren davontragen. Im Notfall sollte die Katze deshalb zurück in die Transportbox.

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Gebüsch und Bäume sollten beim Spaziergang gemieden werden. © Stock.adobe.com/iagodina

Wer gibt die Richtung beim Leinenspaziergang vor?

Draußen entscheidet die Katze, wolang sie gehen will. Die Ausnahme ist selbstverständlich, wenn Gefahr droht. Es gibt aber auch Katzen, die mit der Zeit richtig lernen, an der Leine spazieren zu gehen. Das heißt, sie folgen dem Menschen und nicht umgekehrt. Eine gute Methode, die Katze dazu zu bringen, ist, ihr die Laufrichtung mit dem Federwedel vorzugeben. Sie jagt dann sozusagen den Wedel über eine längere Strecke. Loben Sie Ihre Katze, wenn sie alles richtig macht.

Darf die Katze an der Leine jagen?

Auch wenn Ihre Katze sicher Freude daran hätte, lassen Sie Ihre Katze bitte draußen keine Vögel jagen. Bleiben sie zur Brutzeit weg von bekannten Brutplätzen, und wenn Sie im Winter spazieren gehen, meiden Sie bitte Orte, an denen Vögel gefüttert werden. 

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An der Leine sollten Sie Ihre Katze nicht jagen lassen. © Stock.adobe.com/DZiegler

Hinweise zur Gesundheit von Wohnungskatze mit Leinenauslauf

Eine Wohnungskatze mit Leinenauslauf sollte regelmäßig entwurmt werden. Wichtig sind auch der Zecken- und Flohschutz sowie das Absuchen nach Zecken nach dem Ausflug ins Grüne.

Wichtig für die Gesundheit des Katze sind außerdem regelmäßige Pausen während des Spaziergangs, denn Katzen sind keine Dauerläufer. Nehmen Sie in der warmen Jahreszeit außerdem Trinkwasser für Ihre Katze mit. Während frei laufende Katzen eigentlich gerne aus Pfützen und stehenden Gewässern trinken, ohne daran Schaden zu nehmen, sind Stubenkatzen oft nicht so resistent und holen sich schon mal eine Magen-Darm-Infektion. Daher besser nicht aus solchen Wasserquellen trinken lassen.

Viel Spaß bei Ihren Leinenspaziergängen mit Ihrer Katze – sie träumt dann hinterher sicher ganz intensiv von den Erlebnissen in der kleinen Freiheit, wenn sie zu Hause auf dem Sofa schlummert.

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