Winterschlaf: Diese Tiere in Deutschland halten Winterschlaf

Der Winterschlaf ist ein zum Teil noch rätselhaftes Phänomen in der Tierwelt. Welche unterschiedlichen Strategien Tiere anwenden, um den Winter zu überstehen, erfahren Sie hier.

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Tiere, die Winterschlaf halten, verschlafen zwar große Teile ihres Lebens, haben aber oftmals eine höhere Lebenserwartung.© Stock.adobe.com/milkovasa

Beim Winterschlaf handelt es sich nicht um einen tatsächlichen Schlaf, sondern um eine Ruhephase im Winter. In dieser Phase werden nicht nur die Bewegung, sondern auch sämtliche Körperfunktionen stark heruntergefahren.

Der Stoffwechsel wird herabgesetzt, die Körpertemperatur auf knapp über den Nullpunkt gesenkt und die Häufigkeit der Herzschläge und Atemzüge verringert sich.

Der Winterschlaf ist eine Strategie der Tiere, weniger Energie zu verbrauchen, um so die Wintermonate zu überleben (eine Zeit ohne viel Nahrung und Licht). Im Herbst fressen sich die Tiere dafür eine Fettschicht an, die dann über die Wintermonate langsam aufgebraucht wird.

Was den Impuls gibt, einzuschlafen und wieder aufzuwachen, ist bisher aber noch nicht final geklärt. Vermutet wird, dass eine „innere Uhr“ der Tiere mit der Tageslänge synchronisiert ist. Man geht also davon aus, dass das Ausbleiben oder Wiederkehren von Sonnenlicht mit den Jahreszeiten eine Rolle spielen.

Wir stellen Ihnen in diesem Artikel 10 Tiere und ihre Überwinterungs-Gewohnheiten vor. 

Inhaltsübersicht

Diese Tiere halten Winterschlaf

Igel im Winterschlaf

Der Igel hält von November bis März Winterschlaf und sucht dafür unter Hecken, in Erdmulden oder Laubhaufen Schutz gegen die Kälte. Sobald seine Körpertemperatur unter den Nullpunkt fällt, setzt Wärmebildung ein. So kann der Igel im Winterschlaf auch sehr kalte Winter überstehen.

Überlebenswichtige Organe und Sinnesorgane bleiben aber auch bei Kälte aktiv, weshalb Störungen die Igel aufwecken können. Dann können sie mit Hilfe ihrer Fettreserve ihre Körpertemperatur in wenigen Stunden hochfahren und dann sogar gehen und ihr Winterschlaf-Nest wechseln.

Bei milderen Temperaturen kommt es öfter zu Unterbrechungen des Winterschlafs, weshalb es nicht ungewöhnlich ist, wenn man einem Igel auch mal im Winter begegnet.

In einem warmen Winter können Sie einem Igel gerne mal etwas Katzenfutter hinstellen. Bei häufigen Wachphasen kann es nämlich passieren, dass die Fettreserve frühzeitig aufgebraucht wird und der Igel den Winter nicht überleben würde.
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IgelWinterschlaf
Igel halten gerne in weichen Laubhaufen Winterschlaf.© Stock.adobe.com/scott

Siebenschläfer im Winterschlaf

Der Siebenschläfer schläft besonders lang, weshalb er auch seinen Namen trägt. Das nachtaktive Nagetier hält von Mitte September bis Mai oder sogar Juni Winterschlaf.

Er überwintert manchmal in Nestern aus Moos in Baum- oder Felshöhlen. Wenn dieses Nest von einem Sturm zerstört wird, kann es aber heikel werden. Er muss dann schnell ein neues Nest finden, sonst erfriert oder verhungert er.

Deshalb graben Siebenschläfer für ihren Winterschlaf meist eine Höhle in den Boden zwischen Wurzeln, um vor Frost und Unwetter geschützt zu sein. Dort nehmen sie dann eine kugelförmige Haltung an, um die Wärmeabstrahlung möglichst gering zu halten.

Oft verbringen mehreren Artgenossen die Schlafmonate gemeinsam in einer Höhle. Sie schmiegen sich eng aneinander und decken sich mit ihren buschigen Schwänzen zu. 

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Siebenschläfer nehmen beim Winterschlaf eine kugelförmige Haltung an.© Stock.adobe.com/PIXATERRA

Haselmäuse im Winterschlaf

Die Haselmaus verhält sich beim Winterschlaf ähnlich wie ihr naher Verwandter, der Siebenschläfer. Sie graben sich oft zu mehreren in lockeren Boden oder Laub ein und rollen sich dort zu einer kleinenKugel zusammen.

Ihre Körperfunktionen sind dabei so weit heruntergefahren, dass zwischen zwei Atemzügen bis zu 11 Minuten liegen können. So können sie in ihren Höhlen auch lange Zeit mit wenig Sauerstoff auskommen.

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Baum- oder Felshöhlen können Haselmäusen zur Überwinterung dienen.© Stock.adobe.com/slowmotiongli

Fledermäuse im Winterschlaf

Weil Fledermäuse sich ausschließlich von Insekten ernähren, die im Winter nicht viel zu finden sind, muss auch die Fledermaus Winterschlaf halten. Von November bis Ende März suchen Fledermäuse dafür Höhlen und Verstecke auf, die nicht kälter als 1-2 Grad Celsius sind.

Um den Wärmeverlust möglichst gering zu halten, hüllen sie sich in ihre Flughaut, wie in einen Mantel. Wenn die Umgebungstemperatur unter die gesenkte Schlaftemperatur fällt, müssen sie „nachheizen“.

Jede Störung des Winterschlafs kann die Tiere versehentlich wecken, was auf Kosten der überlebenswichtigen Fettreserven geht. Deshalb sind viele Fledermaus-Höhlen über den Winter für Besucher gesperrt. 

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Fledermäuse kuscheln sich an ihre Artgenossen, um den Wärmeverlust geringer zu halten.© Stock.adobe.com/slowmotiongli
Bei den Fledermaus-Damen kommt es erst beim Erwachen im Frühjahr zur Befruchtung, auch wenn die Paarung schon vor dem Winterschlaf stattgefunden hat. Wenn die Nahrungssituation ungünstig ist, können sie die Geburt auch dann noch weiter hinauszögern.

Feldhamster im Winterschlaf

Auch der Feldhamster verkriecht sich in der kalten, nahrungsarmen Jahreszeit in seinen Bau. Ab Oktober dichtet er dessen Eingänge mit Erde ab, um eine bessere Isolierung zu schaffen und sich vor Eindringlingen zu schützen.

Der Feldhamster wacht dann alle zwei bis drei Wochen auf, um von seinen Getreidevorräten zu fressen und seine Kotkammer aufzusuchen. Normalerweise wachen sie dann endgültig im März wieder auf.

Heutzutage wachen sie jedoch zunehmend zu spät, erst Mitte bis Ende Mai auf. Es wird vermutet, dass künstliche Lichtquellen ihre „innere Uhr“ durcheinanderbringen.

FeldhamsterWinterschlaf
Viele Feldhamster haben ihren Bau in Kornfeldern.© Stock.adobe.com/SimonJohannes
Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht. Das verspätete Erwachen führt oft zu einem Ausbleiben des wichtigen Frühjahrswurfes, weshalb die Zahl der Tiere stark zurückgegangen ist.
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Murmeltiere im Winterschlaf

Murmeltiere ziehen sich von Ende September bis Mitte April/Anfang Mai in ihren unterirdischen Winterbau zurück. Diesen polstern sie mit Gras aus und rollen sich darin zusammen.

Sie halten mit bis zu 20 Tieren in einem Bau Winterschlaf und wärmen sich gegenseitig. Das erhöht die Überlebenschancen der Jungen, deren Überleben besonders im ersten Winter stark gefährdet ist.

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Etwa alle zwei Wochen steigt ihre Körpertemperatur für ca. zwei Tage wieder an. Der Grund dafür ist noch nicht bekannt, aber wahrscheinlich wird so das Absterben inaktiver Nervenzellen verhindert.

Murmeltiere fressen vor ihrem Winterschlaf ganz gezielt bestimmte Pflanzen, wie den Alpenklee, die sich besonders gut eignen, um Fettreserven anzulegen.
MurmeltierWinter
Wenn Murmeltiere im Frühling ihren Bau verlassen, haben sie ein Drittel ihres Herbstgewichts verloren.© Stock.adobe.com/moodboard

Diese Tiere halten Winterruhe

Manche Tiere verbringen den Winter etwas anders, weshalb die Winterruhe vom Winterschlaf unterschieden wird.

Hier bleibt die Körpertemperatur erhalten und die Körperfunktionen werden nicht so stark heruntergefahren. Die Schlafphasen sind außerdem vermehrt von Wachphasenunterbrochen, in denen die Tiere auf Nahrungssuche gehen.

Eichhörnchen

Eichhörnchen halten nur Winterruhe und legen sich deshalb im Herbst einen Nahrungsvorrat für den Winter an. Sie vergraben sich Samen, Nüsse oder Pilze im Boden in der Nähe von Baumstämmen oder verstecken sie in Spalten.

Ihre Ruhephasen unterbrechen siedann täglich für einige Stunden zur Nahrungsaufnahme. Die versteckte Nahrung finden sie mit Hilfe ihres Geruchssinns, denn an die Lage des Verstecks können sie sich nicht erinnern. Deshalb legen sie auch mehrere Verstecke an und nicht nur eins.

Das Eichhörnchen besitzt eine wichtige ökologische Rolle beim Waldaufbau, weil viele der vergrabenen Samen nicht gefunden werden und im Frühjahr zu keimen beginnen.
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Eichhörnchen suchen im Winter ihre im Herbst versteckte Nahrung.© Stock.adobe.com/Susannahietanen

Dachse

Der Dachs verbringt die meiste Zeit des Winters in seinem Bau, der ihn warm und trocken hält, sowie vor großen Tieren beschützt. Dieser ist meist fünf Meter tief und mit mehreren Stockwerken angelegt.

Einzelne Kammern des Baus sind mit Laub und Moos gepolstert. Dort schläft er, bis er Hunger bekommt und zur Nahrungssuche an die Oberfläche geht.

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Den kalten Winter übersteht er in seinem Bau auch deshalb so gut, weil er eine „biologische Heizung“ eingebaut hat. In einzelnen Kammern platziert er Pflanzenteile, weil bei ihrer Verrottung dann Wärme entsteht. 

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Der Dachs verlässt seinen Bau nur, um Nahrung zu sich zu nehmen und Urin abzulassen.© Stock.adobe.com/murmakova

Waschbären

Auch der Waschbär macht keinen richtigen Winterschlaf, sondern hält nur Winterruhe. Im Herbst frisst er sich trotzdem einen Fettvorrat an, weil er bei der Kälte auch mehrere Wochen größtenteils schlafend verbringt. Dafür kuschelt er sich in windgeschützte Baum- oder Felshöhlen.

Alle Körperfunktionen bleiben jedoch weitestgehend aktiv und er macht sich regelmäßig auf Nahrungssuche. Völlig inaktiv ist der Waschbär nur, wenn es besonders kalt ist und Schnee liegt. Das führt dann auch oftmals dazu, dass einige Jungtiere verhungern und den Winter nicht überstehen.

WaschbärWinterruhe
Die Schlafphasen verbringen Waschbären zum Beispiel in hohlen Bäumen.© Stock.adobe.com/Paul Roedding

Braunbären

Braunbären haben wegen ihrem dicken Fell mit Kälte und Schnee kein Problem. Der Grund, wieso sie Winterruhe halten, ist also nur, um die nahrungsarmen Monate durch reduzierten Energieverbrauch zu überleben. Wenn sie genügend Nahrung finden, verzichten sie auch darauf.

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Besonders in nördlichen Regionen könnten Braunbären aber ohne eine Winterruhe nicht überleben. Er frisst sich dafür im Herbst eine üppige Fettschicht an und ruht dann von Oktober bis Dezember. Braunbären suchen sich Höhlen- oder Felsspalten, die sie mit Gras, Laub und Moos auspolstern.

Bei den Bären verlangsamt sich zwar die Herz- und Atemfrequenz, sie können ihre Körperfunktionen aber rasch wieder in den Normalzustand versetzen, um einen feindlichen Angriff abzuwehren.

BraunbärWinterruhe
Braunbären suchen sich zum Überwintern natürliche Höhlen oder graben sie auch selbst.© Stock.adobe.com/byrdyak

Diese Tiere halten Winterstarre

Von Winterschlaf und Winterruhe wird noch die Winterstarre unterschieden. Sie ist typisch für Reptilien (z.B. Schildkröten und Schlangen), Amphibien (z.B. Frösche und Kröten), Schnecken und auch Insekten.

Die Körpertemperatur bei Tieren in Winterstarre sinkt zusammen mit der Außentemperatur. Sie können auch bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius überleben, weil sie eine Art Frostschutz im Körper haben, der verhindert, dass die Körperflüssigkeiten einfrieren.

In ihrer Starre haben sie die Augen offen. Bewegung und Nahrungszunahme finden außerdem überhaupt nicht statt. Auch ein automatisches Wiederaufwärmen des Körpers ist bei diesen Tieren auch nicht möglich, sie können also auch erst dann wieder aufwachen, wenn es wärmer wird.

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