Rote Liste: Gefährdete Tiere in Deutschland

Wenn von aussterbenden oder bedrohten Tieren die Rede ist, denken viele an exotische Arten wie Gorilla, Nashorn, Eisbär oder Tiger. Doch auch in Deutschland stehen viele Tiere auf der Roten Liste. Welche Tiere in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind, lesen Sie hier.

Rote Liste
Rote Liste: Diese Tiere sind in Deutschland gefährdet.© Soru Epotok-stock.adobe.com

Viele Tierarten in Deutschland sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Wir stellen Ihnen einige dieser Tiere vor, möchten aber darauf hinweisen, dass es sich nur um einen Auszug der Roten Listen handelt, der nicht alle Arten umfasst. Außerdem bilden diese Daten den Zustand von ganz Deutschland ab. Es gibt auch Rote Listen für die einzelnen Bundesländer. Dort können die Einstufungen anders ausfallen als in Deutschland allgemein.

Rote Liste der Säugetiere in Deutschland

In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands gelten insgesamt 33 Prozent der angeführten Tierarten als ungefährdet, sieben Prozent als vom Aussterben bedroht und jeweils etwa zehn Prozent werden als gefährdet, stark gefährdet, extrem selten oder als ausgestorben/verschollen eingestuft. Weitere ca. zehn Prozent stehen auf der Vorwarnliste. Bei etwa sechs Prozent liegen nicht ausreichend Daten vor.

Diese Tierarten gelten laut der Roten Liste Deutschland (Stand: 2020) als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht:

Vom Aussterben bedrohte Säugetier-Arten (Kategorie 1)

Diese Säugetiere werden in Deutschland als vom Aussterben bedroht eingestuft:

  • Große Hufeisennase (Fledermaus)
  • Graues Langohr (Fledermaus)
  • Feldhamster
  • Luchs
Feldhamster
Der Feldhamster ist in Deutschland vom Aussterben bedroht.© Joachim Neumann-stock.adobe.com

Stark gefährdete Säugetier-Arten (Kategorie 2)

Diese Säugetiere werden in Deutschland als stark gefährdet eingestuft:

  • Sumpfspitzmaus
  • Bechsteinfledermaus
  • Kleine Hufeisennase (Fledermaus)
  • Mopsfledermaus
  • Gartenschläfer
  • Waldbirkenmaus
  • Baltische Kegelrobbe
  • Schweinswal
Kleine Hufeisennase
Die Kleine Hufeisennase wird in der Roten Liste in Deutschland als stark gefährdet eingestuft.© Petr-stock.adobe.com

Gefährdete Säugetier-Arten (Kategorie 3)

Diese Säugetiere werden in Deutschland als gefährdet eingestuft:

Fischotter
Der Fischotter wird in der Roten Liste in Deutschland als gefährdet eingestuft.© Aggi Schmid-stock.adobe.com

Säugetiere auf der Vorwarnliste

Diese Säugetiere stehen in Deutschland auf der Vorwarnliste:

Rote Liste der Reptilien in Deutschland

In der Roten Liste der Reptilien Deutschlands gelten insgesamt 7,7 Prozent der angeführten Tierarten als ungefährdet, knapp 70 Prozent gelten als vom Aussterben bedroht, gefährdet oder stark gefährdet. 23,1 Prozent stehen auf der Vorwarnliste.

Diese Reptilien gelten laut der Roten Liste Deutschland (Stand: 2020) als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht:

Vom Aussterben bedrohte Reptilien-Arten (Kategorie 1)

Diese Reptilien werden in Deutschland als vom Aussterben bedroht eingestuft:

  • Europäische Sumpfschildkröte
  • Östliche Smaragdeidechse
  • Würfelnatter
  • Aspisviper

Stark gefährdete Reptilien-Arten (Kategorie 2)

Diese Reptilien werden in Deutschland als stark gefährdet eingestuft:

  • Westliche Smaragdeidechse
  • Kreuzotter
  • Äskulapnatter

Gefährdete Reptilien-Arten (Kategorie 3)

Diese Reptilien werden in Deutschland als gefährdet eingestuft:

  • Schlingnatter
  • Ringelnatter

Reptilien auf der Vorwarnliste

Diese Reptilien stehen in Deutschland auf der Vorwarnliste:

  • Zauneidechse
  • Waldeidechse
  • Mauereidechse
Äskulapnatter
Die Äskulapnatter gehört in der Roten Liste Deutschlands zu den stark gefährdeten Reptilien.© Julia Kainz

Rote Liste der Brutvögel in Deutschland

Die aktuelle Rote Liste der Brutvögel Deutschlands ist auf dem Stand von 2015.

Vom Aussterben bedrohte Vogel-Arten (Kategorie 1)

Diese Vögel werden in Deutschland als vom Aussterben bedroht eingestuft:

  • Brachpieper
  • Birkhuhn
  • Moorente
  • Großer Brachvogel
  • Bekassine
  • Auerhuhn
  • Uferschnepfe
  • Sumpfohreule
  • Küstenseeschwalbe
Küstenseeschwalbe
Die Küstenseeschwalbe gehört in der Roten Liste Deutschland zur Kategorie "vom Aussterben bedroht".© Sabine Grahneis-stock.adobe.com

Stark gefährdete Vogel-Arten (Kategorie 2)

Diese Vögel werden in Deutschland als stark gefährdet eingestuft:

  • Flussuferläufer
  • Braunkehlchen
  • Haselhuhn
  • Kiebitz
  • Rebhuhn
  • Nachtreiher
  • Turteltaube
  • Wachtelkönig
  • Zwergdommel
Kiebitz
Der Kiebitz zählt wie viele andere Wiesenbrüter auch zu den stark gefährdeten Vogelarten in Deutschland.© dejuna-stock.adobe.com

Gefährdete Vogel-Arten (Kategorie 3)

Diese Vögel werden in Deutschland als gefährdet eingestuft:

  • Feldlerche
  • Löffelente
  • Baumpieper
  • Steinkauz
  • Mehlschwalbe
  • Fischadler
  • Wiedehopf
  • Weißstorch
  • Star
  • Trauerschnäpper
Star
Der Star wird in der Roten Liste Deutschlands als gefährdete Vogelart eingestuft.© Fotolla-stock.adobe.com

Vögel auf der Vorwarnliste

Diese Vögel stehen in Deutschland auf der Vorwarnliste:

Rote Liste der Amphibien in Deutschland

Die „aktuellste“ Rote Liste der Amphibien in Deutschland stammt aus dem Jahr 2009. Man kann daher davon ausgehen, dass einige dieser Einstufungen heute nicht mehr aktuell sind.

Stark gefährdete Amphibien-Arten (Kategorie 2)

Diese Amphibien werden in Deutschland als stark gefährdet eingestuft:

  • Rotbauchunke
  • Gelbbauchunke

Gefährdete Amphibien-Arten (Kategorie 3)

Diese Amphibien werden in Deutschland als gefährdet eingestuft:

  • Geburtshelferkröte
  • Laubfrosch
  • Moorfrosch

Amphibien auf der Vorwarnliste

Diese Amphibien stehen in Deutschland auf der Vorwarnliste:

  • Kreuzkröte
  • Kammmolch
Gelbbauchunke
Die Gelbbauchunke ist laut der Roten Liste Deutschland eine stark gefährdete Amphibien-Art.© bennytrapp-stock.adobe.com

Entwicklungen der Artbestände

Bei der Betrachtung der Roten Listen sind nicht nur die aktuellen Einstufungen interessant. Es ist auch wichtig, die Entwicklungen der Artbestände zu betrachten. Denn es gibt sowohl Tiere, deren Bestände sich negativ entwickeln, das heißt in eine schlimmere Gefährdungsstufe rutschen, aber auch die, die sich positiv entwickeln.

Beispiele für negative Entwicklungen:

  • Iltis ( 2009 Vorwarnliste – 2020 gefährdet)
  • Westigel (2009 ungefährdet – 2020 Vorwarnliste)
  • Luchs (2009 stark gefährdet – 2020 vom Aussterben bedroht)
  • Graues Langohr (2009 stark gefährdet – 2020 vom Aussterben bedroht)
  • Star (2009 ungefährdet – 2015 gefährdet)
  • Turteltaube (2009 gefährdet – 2015 stark gefährdet)
  • Waldeidechse (2009 ungefährdet – 2020 Vorwarnliste)

Beispiele für positive Entwicklungen:

  • Wiedehopf (2009 stark gefährdet – 2015 gefährdet)
  • Nachtreiher (2009 vom Aussterben bedroht – 2015 stark gefährdet)
  • Wolf (2009 vom Aussterben bedroht – 2020 gefährdet)
  • Waldbirkenmaus (2009 vom Aussterben bedroht – 2020 stark gefährdet)

Bei den Säugetieren gab es zwischen 2009 und 2020 bei zwölf von 97 Arten eine positive, bei sieben Arten eine negative Entwicklung. Bei den Reptilien haben sich zwei von 13 Arten negativ verändert, positiv keine Art.

In Deutschland als ausgestorben gelten u.a. Ostigel, Langflügelfledermaus, Europäischer Nerz, Braunbär und Großer Tümmler.

Wie kommt die Rote Liste zustande und was bildet sie ab?

Die Roten Listen in Deutschland werden vom Bundesamt für Naturschutz herausgegeben. Die Erstellung einer Roten Liste läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Die taxanomische Checkliste: Es wird eine Liste der in Deutschland nachgewiesenen (Unter-)Arten zusammengestellt und vermerkt, welche davon einheimisch, durch den Menschen eingeschleppt oder noch nicht etabliert sind.
  2. Die Datensammlung: Alle verfügbaren Bestandsdaten von Naturschutzbehörden, Fachgesellschaften, Naturkundemuseen, Planungsbüros oder Einzelpersonen etc. werden gesammelt.
  3. Die Gefährdungsanalyse: Die Informationen zu den Beständen der einzelnen Arten werden hinsichtlich der Kriterien „aktuelle Bestandssituation“, „langfristiger Bestandstrend“, „kurzfristiger Bestandstrend“ und „Sonderfälle“ untersucht. Daraus wird die Gefährdungskategorie ermittelt.

Die Gefährdungskategorien der Roten Listen

Die Roten Listen bestehen aus zehn Gefährdungskategorien. Neben den Kategorien „Ausgestorben/Verschollen“, „Vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“, „gefährdet“ und „ungefährdet“ gibt es auch noch diese Kategorien:

  • Gefährdung unbekannten Ausmaßes (G): Arten, die gefährdet sind, aber keine genauere Zuordnung möglich ist. Beispiele: Teichfledermaus, Seehund
  • Extrem selten (R): Extrem seltene bzw. sehr lokal vorkommende Arten, deren Bestände in der Summe weder lang- noch kurzfristig abgenommen haben und die auch nicht aktuell bedroht, aber gegenüber unvorhersehbaren Gefährdungen besonders anfällig sind. Beispiele: Elch, Steinbock, Schneehase
  • Vorwarnliste (V): Arten, die merklich zurückgegangen, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Bei Fortbestehen von bestandsreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „gefährdet“ wahrscheinlich.

Außerdem gibt es auch noch die Kategorien „Daten unzureichend“ und „nicht bewertet“.

Weitere Informationen zur Entstehung der Roten Listen in Deutschland, den Entwicklungen der einzelnen Tiere sowie die Roten Listen zum Download finden Sie hier.
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