Darum sollten Sie Ihrer Katze kein Halsband mit Glöckchen umhängen

Immer wieder binden Katzenhalter ihren Katzen Halsbänder mit Glöckchen um, weil sie so Vögel vor den Katzen schützen wollen. Doch das ist nicht nur sinnlos, sondern auch lebensgefährlich für die Katzen. Warum Sie Ihrer Katze niemals ein Glöckchen umbinden sollten, lesen Sie hier.

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Halsband mit Glöckchen sind für Katzen extrem störend und gefährlich: Sie gehören nicht um den Katzenhals!© Lina-stock.adobe.com

Lautes Bimmeln bei jeder Bewegung und ein andauerndes Gefühl von Einengung: Das bedeutet ein Halsband mit Glöckchen für Katzen. Katzenhalter sollten dringend darauf verzichten, ihren Miezen das zuzumuten – aus guten Gründen:

1. Glöckchen bedeuten Dauerbeschallung für empfindliche Katzenohren

Katzen haben sehr empfindliche Ohren und nehmen Töne im Frequenzbereich von 50 bis 60 Hz wahr. Der Mensch hingegen nur bis zu 20 Hz. Das Bimmeln von Glöckchen ist für Katzen daher viel lauter als für den Mensch. Ein Glöckchen um den Hals bedeutet für die Katze also laute Dauerbeschallung und stört die Tiere enorm. Das ist vergleichbar mit einem Tinnitus bei Menschen.

2. Halsbänder können für Katzen lebensgefährlich sein 

Halsbänder sind für Katzen nicht nur extrem störend, sie können sie auch verletzen oder sogar töten. Immer wieder kommt es vor, dass Katzen sich im Gebüsch mit ihrem Halsband strangulieren, sich beim Versuch, das Halsband loszuwerden, mit einem Bein darin verheddern oder beim Putzen daran hängen bleiben. Ohne Hilfe können sie sich in solchen Situationen meist nicht mehr befreien und es kommt zu starken Verletzungen, notwendigen Amputationen oder dem Tod. Zu eng geschnürte Halsbänder können außerdem zu Entzündungen führen. 

3. Glöckchen schützen Vögel vor den Katzen nicht 

Glöckchen am Halsband von Katzen werden oft eingesetzt, weil man glaubt, so Vögel schützen zu können, auf die die Katze Jagd macht. Doch das stimmt gar nicht! 

Die Glöckchen sind sogar eher kontraproduktiv: Vögel haben eigene Laute, mit denen sie sich gegenseitig auf Gefahren aufmerksam machen. Jungvögel, die noch nicht (so gut) fliegen können beispielweise ducken sich als Folge dieser Warnsignale und verharren bewegungslos am Boden. Das Glöckchen nehmen sie jedoch nicht als Warnsignal wahr, sondern es führt lediglich dazu, dass die Vögel aufgeschreckt werden. So werden sie eher zur Beute der Katze als ohne Glöckchen.

Halsbänder für Katzen sind schlichtweg nicht notwendig, auch nicht für Adress-Anhänger oder Ähnliches. Denn dafür gibt es Tätowierung und Mikrochips. Wir raten Ihnen dazu, grundsätzlich auf ein Halsband zu verzichten, denn es stört Katzen (auch ohne Glöckchen) und ist lebensgefährlich! Auch Halsbänder mit Sicherheitsverschluss sind nicht sicher genug. 
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Glöckchen am Halsband schützen Vögel vor Katzen nicht.© Nadine Haase-stock.adobe.com

Bunte Halskrausen als Alternativen zu Halsbändern mit Glöckchen? 

Seit einiger Zeit gibt es bunte Halskrausen aus Stoff im Angebot, die angeblich die bessere Alternative zum Halsband mit Glöckchen sind. Die bunten Farben sollen die Vögel visuell vor den Katzen warnen. 

Einer Studie zufolge bringen Katzen mit dieser Halskrause tatsächlich weniger Beute nach Hause. Allerdings heißt das nicht, dass wirklich weniger Vögel gefangen werden, denn die Beute, die die Katzen nicht nach Hause bringen, werden nicht erfasst.

Doch sind diese Halskrausen wirklich katzenfreundlich? Bei der Halskrause ohne Glöckchen fällt auf jeden Fall der Aspekt der störenden Dauerbeschallung weg. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass sie katzenfreundlich ist. Denn auch die Halskrause engt die Katze ein und kann sie extrem stören. Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass die Katze sich auch mit der Halskrause verletzen, strangulieren oder verheddern kann. 

Vögel schützen ohne Katzenhalsband und Halskrause 

Wir möchten kurz darauf hinweisen, dass Katzen nicht der Grund dafür sind, dass viele heimische Vogelarten stark gefährdet sind. Die Katze ist auf jeden Fall einer der häufigsten Beutegreifer von Vögeln in Siedlungen, vor allem, weil die Zahl an Hauskatzen immer weiter wächst. Die ausschlaggebenden Punkte für die Gefährdung vieler Vogelarten sind aber andere, z.B. der Lebensraumverlust. Das sagt auch der Nabu, der sich maßgeblich für den Vogelschutz einsetzt: 

„Dennoch ist für die betroffenen Beutetiere der Faktor Lebensraumqualität entscheidend wesentlicher als der Beutegreifer Katze. Kleintiere benötigen naturnahe Lebensräume mit ausreichendem Nahrungsangebot und guten Versteck- und Nistmöglichkeiten. Wo ausreichend Futter, Nist- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, können sich die Vögel erfolgreich fortpflanzen und Verluste durch Beutegreifer einschließlich der Katzen meist gut verkraften.“ 

Aber natürlich kann und sollte man als Katzenhalter (und Nicht-Katzenhalter) trotzdem darauf achten, dass die Vögel im eigenen Garten so sicher wie möglich sind – auch ohne Halskrause und Halsband mit Glöckchen. Schützen Sie dafür die Vogelnester und Nistkästen vor Fressfeinden. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.  

Weitere Möglichkeiten, Vögel vor Katzen zu schützen, ohne den Katzen Halskrausen oder Halsbänder anzulegen, sind: 

  • Spielen Sie täglich ausreichend und ausgiebig mit Ihrer Katze. Dann kann sie ihren Jagd- und Spieltrieb mit Ihnen gemeinsam ausleben und geht vielleicht weniger auf Vogeljagd. Nach einer Spieleinheit folgt außerdem meist ein Schläfchen.
  • Stellen Sie Ihrer Katze eine Futterportion draußen zur Verfügung, wenn sie den ganzen Tag lang draußen ist, während Sie z.B. in der Arbeit sind.
  • Sind Sie verreist, kümmern Sie sich um eine zuverlässige Katzenbetreuung, die auch mit der Katze spielt und sie gut versorgt.
  • Gestalten Sie Ihren Garten naturnah mit vielen Versteck- und Nistmöglichkeiten für Vögel.
  • Setzen Sie keine Katze aus!
  • Gerade im April, Mai und Juni, wenn Jungvögel erste Flugversuche starten, können Sie darauf achten, die Katze weniger oder (wenn das möglich ist) nur beaufsichtigt nach draußen zu lassen.
  • Füttern Sie Ihre Katze mit hochwertigem Futter, das einen hohen Fleischanteil hat. Eine Studie aus England zeigte, dass das die Fangrate der Katzen verringerte.
  • Sie können auch Ihre Nachbarn über diese Möglichkeiten informieren, immerhin halten sich die meisten Katzen beim Freigang nicht nur im eignen Garten auf.
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