Eier kaufen: So können Sie Tierleid vermeiden

Als Frühstücksei, im Pfannkuchen oder als Zutat in den Nudeln: Wir lieben Eier und verzehren fast jedes Jahr etwas mehr davon. Doch die Herkunft der Eier entscheidet darüber, ob wir sie mit gutem Gewissen essen dürfen. Erfahren Sie, worauf Sie achten sollten, wenn Sie Eier kaufen.

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Eier kaufen: Darauf müssen Sie achten, um Tierleid zu verhindern. © stock.adobe.com/juefraphoto

Mit 238 Eiern pro Person, die wir jährlich in Deutschland verspeisen, ist das Potenzial groß, im Eierregal zum falschen Produkt zu greifen. Die meisten hierzulande verkauften Eier stehen nämlich für immenses Hühnerleid und rücksichtlose Tierausbeutung. Hier finden Sie die wichtigsten Infos, wie Sie Tierleid verhindern können, wenn Sie Eier kaufen.

Inhaltsübersicht

Eier kaufen: 4 Tipps für mehr Tierwohl

Beim Einkauf muss es oft schnell gehen. Doch wenn Sie Eier kaufen, lohnt sich ein genauer Blick. Wenn Sie diese vier Tipps befolgen, kaufen Sie keine Eier von unglücklichen Hühnern:

  1. Regionale Eier vom Bauer machen Sinn, wenn Sie von kleinen vertrauenswürdigen Betrieben stammen. Die Seite Mein Bauernhof liefert Adressen, wo Sie Bio- und Freilandeier direkt vom Bauernhof oder Hofladen in Ihrer Nähe finden.  
  2. Die Smartphone-App „Eiercode“ oder die Webseite was-steht-auf-dem-ei.de helfen den Code zu entziffern.
  3. Um Käfigeier zu vermeiden, können Sie Folgendes tun:
    Bio-Produkte kaufen, denn Lebensmittel mit Bio-Siegel dürfen nur Bio-Eier enthalten.
    Auf Nudel ohne Eier ausweichen, z. B. aus Hartweizengries, Mais oder Reis.
    Zu Marken greifen, die bewusst auf Käfigeier verzichten.
  4. Achten Sie beim Eierkauf auf ein Verbandslogo. Bauerverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland haben noch strengere Richtlinien für den Lebensraum der Hennen, ihre tierärztliche Betreuung sowie das Futter. 

Auf der Seite des Tierschutzbundes finden Sie eine Liste mit empfehlenswerten und nicht empfohlenen Marken. 

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Das bedeutet der Code auf dem Ei

Innerhalb der Europäischen Union gilt seit 2004 die gesetzliche Kennzeichnungspflicht für unverarbeitete Eier: der sogenannte Eier-Code. Der auf der Schale aufgedruckte Stempel beinhaltet alle relevanten Informationen über:

  • Haltungsform
  • EU-Land, aus welchem das Ei kommt
  • konkretes Unternehmen

Doch Achtung: Wenn die Junghenne aus ausländischer Zucht ihre Eier in Deutschland legt, darf auf dem Ei Deutschland als Herkunftsort stehen. Und: Es gilt der Stempel nur auf dem Ei selbst. Ein ähnlicher Code auf der Verpackung verrät lediglich, wo die Eier verpackt wurden, nicht aber wo die Hennen leben.

Der Code auf dem Ei

0Ökologische Erzeugung: Bio-Eier
1Freilandhaltung: Freilandeier
2Bodenhaltung
3Kleingruppenhaltung: Käfigeier


Das Buchstabenkürzel steht für das Herstellungsland, zum Beispiel DE = Deutschland, AT = Österreich, NL = Niederlande etc.

Bei dem langen Zahlencode hilft die Smartphone-App „Eiercode“ oder die Webseite was-steht-auf-dem-ei.de.

Wer jetzt denkt, er wäre aus dem Schneider, weil er Eier aus Legebatterien bewusst links liegen lässt, der irrt. Ohne es zu wissen, essen wir immer noch Unmengen Eier aus der tierquälerischen Käfighaltung. Denn mit der Verarbeitung des Eis endet auch die Pflicht zur Kennzeichnung. Das betrifft nicht nur Kuchen, Kekse oder Nudeln, sondern auch bunt bemalte Ostereier, die auch als „verarbeitet“ gelten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hersteller solcher Produkte auf die günstigsten Käfigeier setzen, ist sehr hoch. 

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© AdobeStock.com/Stockfotos-MG

Eier kaufen mit gutem Gewissen: Die Haltungsform ist entscheidend

Wer das Gelbe vom Ei sucht, soll immer auf die Hühnerhaltung achten. Diese bestimmt, wie viel Platz ein Tier zur Verfügung hat, wie oft es mit Antibiotika in Berührung kommt und ob es Auslauf und Sonnenlicht kennt. Nur in der ökologischen Zucht stammt das Futter überwiegend aus ökologischem Landbau. In allen anderen Haltungsformen ist das Futter nicht näher definiert. 

Es gibt vier definierte Haltungsformen, die maßgeblich darüber entscheiden, ob der viel beschworene Ausdruck „Eier von glücklichen Hühnern“ ein blanker Hohn ist oder doch nah an der Realität kratzt. 

Die meisten Eier in Deutschland – über 62 Prozent – kommen aus der Bodenhaltung, ein Fünftel aus der Freilandhaltung und rund 12 Prozent werden ökologisch erzeugt. Etwa 5 Prozent sind Käfigeier aus der sogenannten Kleingruppenhaltung, der schlimmsten aller Haltungsformen. 5 Prozent klingen wenig? Nun, das sind immerhin rund 2,3 Millionen Legehennen.

So leben Hühner in Deutschland

Den meisten Platz haben Bio-Hühner: Sechs Tiere teilen sich einen Quadratmeter im Stall und draußen gibt es noch 4 Quadratmeter Freilauf pro Huhn. 

Ebenso viel Outdoor-Fläche haben Hennen in der Freilandhaltung, aber weniger Platz im Stall: 9 Hühner pro Quadratmeter. 

Das sieht auch die Bodenhaltung vor, die Hennen dürfen da aber gar nicht ins Freie. Einen natürlichen Boden unter den Füßen haben sie dort auch nicht. In der Regel gibt es nur Gitterroste mit Kotwannen darunter, damit der Kot hindurchfallen und an den Hennen nicht kleben bleibt. 

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© AdobeStock.com/poco_bw

Schlimmste Haltungsform: Kleingruppenhaltung

Am schlimmsten hat es die Tiere in der Kleingruppenhaltung erwischt. Was nach possierlichem Gegacker im Kreis der Familie klingt, ist nichts anderes als Käfige mit bis zu 60 Hennen. Die Fläche, die jedem Tier zusteht, ist so groß wie anderthalb A4-Blätter. 

Seit 2015 ist die Käfighaltung zwar verboten, die Frist läuft aber erst Ende 2025 ab. 

Die sensiblen Hennen leiden durch viel zu große Tiergruppen unter großem Stress. Wegen Platzmangel können sie ranghöheren Tieren nicht aus dem Weg gehen. Ihr arttypisches Verhalten wie Scharen und Picken ist in der kargen Lebensumgebung auch kaum möglich. Das führt zu massiven Verhaltensstörungen: Die Hennen picken einander und reißen sich gegenseitig die Federn aus.

Gegen dieses kannibalistische Verhalten erfand die kreative Hühnerindustrie das Schnabelkürzen. Seit 2017 wird dieses schmerzhafte Prozedere in Deutschland aus Tierschutzgründen zwar nicht mehr praktiziert.

Das Problem der überfüllten Ställe besteht aber nach wie vor: Gerupftes Federkleid, blanke Haut und offene Wunden sind in den meisten Betrieben die traurige Realität.

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Sollte man nur regionale Eier kaufen?

Die meisten Eier in Deutschland – fast Dreiviertel – kommen aus heimischer Produktion. Das hört sich zwar gut an, doch leider bedeutet „regional“ nicht gleich „tierfreundlich“. Die Transportwege, die ein Ei von der Brutstätte bis zum Teller zurücklegen muss, sind zwar meist kürzer als bei importierten Produkten.

Doch die eingesparten Emissionen machen schlechte Haltungsformen der Hühner nicht wett und einen heimischen Betrieb nicht automatisch zum guten Züchter. Auch regionale Eier kommen häufig aus schlechter Haltung und können mit Schadstoffen belastet sein. Doch es gibt ein Licht im Tunnel. Die Produktion von Bio-Eiern steigt kontinuierlich. 

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© AdobeStock.com/poco_bw

Eier kaufen mit Bio-Siegel

Bio-Hühner können draußen ihren Hobbys frönen: dem Scharren, Picken und Gackern. Sie werden nicht prophylaktisch mit Antibiotika behandelt und bekommen gesundes Futter. Schadstoffe und erhöhte Dioxin-Werte in Bio-Eiern sind zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, wie eine Untersuchung des Öko Test-Magazins 2019 ergab, das Risiko ist aber deutlich kleiner als bei Eiern aus konventioneller Zucht.

Doch „bio“ steht auch nicht automatisch für ein glückliches Huhn. Bei Bio-Eiern vom Discounter könnten Freilandeier von Kleinbauern auf dem Wochenmarkt die bessere Wahl sein. Denn die preisgetriebene Logik der Billigmärkte führt dazu, beim Einkauf vor allem auf den Preis zu schauen. Das hat zur Folge, dass die Betriebe die Bio-Kriterien mit minimalstem Aufwand erfüllen, um das Ei so günstig wie möglich zu produzieren. 

Fazit: Eier kaufen und Tierleid vermeiden

Glückliche Hühner gibt es meist nur auf der Verpackung. Die meisten in Deutschland verkauften Eier stammen aus der Bodenhaltung – einem Vogel-Gefängnis mit viel zu vielen Insassen. Wer mit sauberem Gewissen Eier konsumieren möchte, soll zu guten Bio-Eiern greifen oder regionale Hofläden ansteuern. Auch bei eierhaltigen Produkten lohnt ein Blick hinter die Kulissen – denn der Konsum verarbeiteter Eier unterstützt meist die qualvolle Käfighaltung. 

Eier kaufen: Tipps und Infos zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag

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