Grünfutter alleine reicht nicht

Ernährung von Schafen

Schafe gehören zu den Wiederkäuern und stellen damit besondere Anforderungen an ihre Ernährung. Neben dem Grünfutter als wichtigste Nahrungsquelle sind für eine optimale Ernährung aber auch Rau-, Frisch- und verschiedene Ergänzungsfutter wichtig. Hier erfahren Sie, wie Sie Schafe artgerecht ernähren.

Bei der Haltung von Schafen muss auf die richtige Ernährung geachtet werden.
Bei der Haltung von Schafen muss auf die richtige Ernährung geachtet werden.© only_kim – stock.adobe.com

Schafe haben, genau wie Rinder und Ziegen, im Oberkiefer anstelle der Schneidezähne eine feste Gaumenplatte. Mit ihrer sehr beweglichen Oberlippe nehmen sie das Futter auf, klemmen es zwischen Gaumenplatte und unteren Schneidezähnen ein und rupfen es ab.

Futteraufnahme und Verdauung von Schafen

Nachdem das Futter gut zerkaut wurde, gelangt es zunächst in den Pansen (größter Vormagen), wo es mit Hilfe unzähliger Mikroorganismen zerlegt und aufbereitet wird. Von dort wird der Nahrungsbrei über den Netzmagen und die Speiseröhre zurück ins Maul befördert und dort erneut gründlich durchgekaut und mit viel Speichel (bis zu zölf Liter pro Tag) vermischt. Über die Schlundrinne der Speiseröhre rutscht das so bearbeitete Futter direkt in den Blättermagen, wo es weiter zerrieben wird, um schließlich im Labmagen gänzlich verdaut zu werden.

Schafe beim Abweiden einer Wiese. © Pikey Productions – stock.adobe.com 

Grünfutter bei Schafen

Grünfutter wie Gräser und diverse Kräuter stellt in ausreichender Menge die wichtigste Nahrungsquelle für Schafe dar. Aufgrund ihres besonderen Verdauungssystems können sie auch karges, zellulosehaltiges Futter hervorragend verarbeiten. Gras mit einer Wuchshöhe von etwa 15 Zentimeter können sie besser abfressen als höher gewachsene Halme, deren Nährstoffgehalt zudem geringer ist.

Ganz junges, frisches Grün dagegen ist sehr eiweißhaltig und kann unter Umständen sogar zu Verdauungsproblemen führen. Dies muss im Frühjahr vor dem ersten Weidegang bedacht werden. Bestenfalls füttert man in dieser Zeit reichlich Heu, Stroh oder auch Trockenschnitzel und lässt die Schafe zunächst nur für kurze Zeit auf die Weide. Innerhalb von ein bis zwei Wochen werden dann die Weidezeiten gesteigert, bis sich das Verdauungssystem auf das frische Futter eingestellt hat.

Nach dem Winter müssen Schafe erst wieder an frisches Weidefutter gewöhnt werden.© fotokate – stock.adobe.com 

Raufutter bei Schafen

Raufutter in Form von qualitativ hochwertigem Heu stellt im Winter die Hauptnahrung dar. Das Heu sollte aus in Kopfhöhe angebrachten Raufen angeboten werden, um eine Verunreinigung durch den Kot und Speichel der Tiere zu vermeiden. Schafe verschmähen schnell verunreinigtes oder abgestandenes Futter, das den Stallgeruch angenommen hat. Daher sollte mehrmals in kleineren Mengen Futter angeboten werden.

Frischfutter für Schafe

Frischfutter in Form von Rüben wie zum Beispiel Futter-, Kohl-, Zuckerrüben und anderen Wurzelfrüchten wird gerne angenommen. Auch Gemüseabfälle, abgekochte Kartoffelschalen und Blätter und Zweige von ungiftigen, ungespritzten Laubgehölzen fressen Schafe sehr gerne.

Kraftfutter für Schafe

Verschiedene Kraftfutter wie zum Beispiel Gerste, Hafer und Mais, Kleie, Hülsenfrüchte oder pelletiertes Trockenfutter können beigefüttert werden, wenn zum Beispiel kurzfristig ein höherer Nährstoffbedarf herrscht. Das ist zum Beispiel bei Mutterschafen gegen Ende der Trächtigkeit der Fall oder wenn das vorhandene Raufutter von nicht so guter Qualität ist.

Wenn es in großen Mengen verfüttert wird, führt solch eiweißreiches, rohfaserarmes Futter langfristig aber zu Verdauungsproblemen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen.

Da der Reflex zum Wiederkäuen nicht mehr ausreichend ausgelöst wird und es in der Folge mangels ausreichender Speichelmengen zu einer Übersäuerung des Pansens mit seinem empfindlichen Mikroorganismen-System kommt, werden Gärungsprozesse in Gang gesetzt, die den Pansen aufblähen und schlimmstenfalls zum Tode führen.

Mineralstoffe für Schafe

Mineralstoffe werden für diverse Stoffwechselprozesse benötigt, so etwa für das Wachstum, während der Trächtigkeit oder für die Laktation. Entsprechende Mineralstoffmischungen als Futterbeigabe oder Lecksteine speziell für Schafe, die im Stall oder auf der Weide angebracht werden, decken den Bedarf.

Bei gemeinsamer Haltung unterschiedlicher Tierarten muss unbedingt darauf geachtet werden, dass ausschließlich Schaf-Lecksteine verwendet werden, da diese kein Kupfer enthalten, was für Schafe giftig ist!

Salzlecksteine speziell für Schafe können am Weidezaun angebracht werden. © Reinhard Tibuzry – stock.adobe.com 

Wasserversorgung bei Schafen

Der Wasserbedarf von Schafen richtet sich unter anderem nach dem Feuchtigkeitsgehalt des Futters, der Umgebungstemperatur, der Luftfeuchtigkeit und der individuellen Leistung. Laktierende Mutterschafe benötigen mindestens zwei Liter Wasser am Tag, im Winter bei reiner Trockenfütterung (Heu, Kraftfutter) steigt der Bedarf auf bis zu sechs Liter pro Tier.

Da Schafe sehr hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen, sollten die Tränkeeinrichtungen möglichst täglich mit frischem Wasser befüllt werden. Ein fließendes Gewässer von guter Qualität auf der Weide kann ebenfalls als Tränke dienen. Im Winter muss die Tränke vor Frost geschützt sein.

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