Tierheilpraktiker

Naturheilkunde für Tiere wird immer beliebter. Wir haben mit einer Tierheilpraktikerin gesprochen. Hier erfahren Sie, wie der Beruf Tierheilpraktiker aussieht und was Sie als Haustierhalter zum Besuch bei einem Tierheilpraktiker wissen sollten.

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Naturheilkunde für Tiere wird immer beliebter.© Thomas Brodmann / animals-digital.de

Monika Stangl ist Tierheilpraktikerin. Seit 2004 arbeitet sie in diesem Beruf und hilft Tieren in den unterschiedlichsten Situationen mit klassischer Homöopathie. Seit 2011 bildet sie selbst angehende Tierheilpraktiker aus. Wie ihr Beruf aussieht, wie sie Tieren mit ihrer Arbeit helfen kann und wie ein Besuch beim Tierheilpraktiker abläuft, lesen Sie hier.

Wie läuft der Besuch beim Tierheilpraktiker ab?

Da Tierheilpraktiker in der Regel ausschließlich nach Terminvergabe arbeiten, müssen Tierhalter vor ihrem Besuch einen Termin vereinbaren. „Ich frage am Telefon dann schon immer, worum es geht“, erklärt Tierheilpraktikerin Monika Stangl. So könne Sie einschätzen, ob Sie dem jeweiligen Tierhalter überhaupt weiterhelfen kann. Der erste Termin besteht dann aus zwei Teilen:

  1. Befragung des Tierhalters: Für die Anamnese fragt der Tierheilpraktiker die ganze Lebensgeschichte des Tiers ab. Alle Befunde, die das Tier jemals bekommen hat, werden betrachtet.
  2. Untersuchung des Tiers

Tierheilpraktiker nehmen sich sehr viel Zeit für ihre Patienten, daher dauert die erste Sitzung in der Regel mindestens eine Stunde. Nach dem Termin wertet der Tierheilpraktiker dann alle Erkenntnisse aus. Das Ziel ist es – bei der klassischen Homöopathie – ein geeignetes homöopathisches Mittel für das Tier zu finden.

Wurde ein passendes Mittel gefunden, so kann der Tierhalter es einfach in einer Apotheke abholen. Nach den ersten Tagen, an denen das Tier das Mittel bekommt, sollte der Tierhalter dem Heilpraktiker mitteilen, ob er Veränderungen am Tier festgestellt hat. Wie Tierheilpraktikerin Monika Stangl erklärt, kann es bei kleineren Krankheiten zu einer sogenannten Erstreaktion kommen, bei stärkeren Krankheiten sollte das jedoch nicht der Fall sein.

Die weitere Behandlung besteht aus regelmäßigen Gesprächen über die Entwicklung des Tier zwischen Tierhalter und Tierheilpraktiker. „Oft reichen telefonische Gespräche“, erklärt Monika Stangl. Denn für die meisten Tiere bedeutet die Anfahrt viel Stress. Wenn sie allerdings glaubt, das Gefühl für das Tier zu verlieren, will sie das Tier persönlich wiedersehen, so die Tierheilpraktikerin.

Homöopathie bei Tieren
Homöopathie wirkt bei Tieren oft sehr gut. © juefraphoto-stock.adobe.com

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Besuch beim Tierheilpraktiker?

 „Für Beratung und Information kann es nie früh genug sein“, erklärt Tierheilpraktikerin Monika Stangl. Oft machen Tierhalter aus Versehen Fehler bei der Haltung oder Ernährung des Tiers, erklärt sie. Durch einen Besuch beim Tierheilpraktiker könne man diese Fehler entdecken und künftig vermeiden. Das beugt eventuell auch Krankheiten vor. „Tierhalter wollen ja schließlich immer das Beste für ihr Tier“, so Stangl.

Ansonsten ist Naturheilkunde selbstverständlich dann sinnvoll, wenn das Tier eine Krankheit hat. Hier gilt: Je früher, desto besser. Aber auch bei einer bereits fortgeschritten Krankheit kann Naturheilkunde noch sinnvoll sein.

„Irgendetwas Positives kann man den Tieren immer noch tun“, so Monika Stangl. Sie habe auch schon Sterbebegleitung bei Tieren gemacht. „Das ist auch gut für den Tierhalter“, erklärt sie. „Auch wenn der Tierarzt sagt, man könne nichts mehr machen, kann man dem Tier trotzdem noch helfen.“ Bei Tieren mit Krebs gehe es dann beispielsweise mehr um Schmerzlinderung, darum „die Lebenszeit zu verbessern, nicht zu verlängern“, sagt die Tierheilpraktikerin.

Tierheilpraktiker
Naturheilkunde unterstützt Tiere immer, egal wie weit eine Krankheit schon fortgeschritten ist. © Sinfebeth-stock.adobe.com

Was sind die Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilkunde beim Tier?

Naturheilkunde wirkt bei vielen Tieren sehr gut. Wie Tierheilpraktikerin Monika Stangl erklärt, hat sie das Gefühl, dass Homöopathie bei Kindern und Tieren am besten wirkt. Der Grund: Sie haben noch nicht so viele Jahre erlebt, in denen die Selbstheilungskräfte des Körpers „verkorkst“ werden konnten, wie erwachsene Menschen, erklärt Stangl.

Außerdem gibt es bei Tieren keinen Placebo-Effekt: Sie nehmen die homöopathischen Mittel einfach an, ohne darüber nachzudenken.

„Mit Homöopathie wurden schon Krankheiten geheilt, das würde niemals jemand glauben“, sagt Stangl. Ihr innerliches Ziel sei immer die komplette Heilung des Tiers. Das ist allerdings natürlich nicht immer möglich, darüber sollten sich Tierhalter bewusst sein. „Aber oft muss man das Unmögliche anstreben, um das Mögliche zu erreichen“, so die Tierheilpraktikerin.

Dennoch hat die Naturheilkunde selbstverständlich auch ihre Grenzen, wie Stangl erklärt:

  • rechtliche Grenzen: Bei bestimmten Infektionskrankheiten darf ein Tierheilpraktiker nicht behandeln.
  • Bei akuten Schmerzen des Tiers ist es wichtig, dass es Medikamente vom Tierarzt bekommt, die sofort wirken.
  • Bei akuten Notfällen (Unfälle, Knochenbruch etc.) muss das Tier zum Tierarzt! Es muss vielleicht operiert werden! Im Nachhinein kann es bei der Heilung aber homöopathisch unterstützt werden.

Generell findet Stangl eine Kombination aus mehreren Heilmethoden sinnvoll, denn alle Möglichkeiten haben Vorteile, die sich zu verbinden lohnen. Während der Tierarzt beispielsweise bildgebende Verfahren anwenden kann, um Krankheiten zu entdecken, betrachtet der Tierheilpraktiker das Tier ganzheitlich. Er nimmt sich Zeit, die ein Tierarzt im stressigen Praxisalltag nicht hat, und betrachtet dasganze Gemüt des Tiers mit seiner Vorgeschichte.

Tierheilpraktiker Hund
Naturheilkunde für Tiere hat viele Möglichkeiten, aber auch Grenzen.© annaav-stock.adobe.com

Für welche Tiere ist Naturheilkunde möglich?

Prinzipiell ist Naturheilkunde für alle Tiere möglich, wie Tierheilpraktikerin Monika Stangl erklärt. „Vom Hamster mit Gebärmutterentzündung und einem Papagei mit Kummer über ein Pferd mit Husten und einem Lamm mit Durchfall bis zum Kaninchen mit Abszessen und dem Hund mit Bauchspeicheldrüsenproblemen hatte ich schon alles“, erzählt sie.

Auch Naturheilkunde bei Rindern und Ziegen sowie bei Wildtieren wie Tauben und Eichhörnchen sei möglich. Es gibt aber auch Tierheilpraktiker, die sich auf bestimmte Tierarten spezialisiert haben und daher nicht alle Tiere annehmen. Erkundigen Sie sich daher im Vorhinein, welcher Tierheilpraktiker am besten für Ihr Tier geeignet ist. Da es sich oft nur um einen persönlichen Besuch handelt, können Sie auch im weiteren Umkreis suchen. Einige Tierheilpraktiker bieten auch Hausbesuche an.

So wird man Tierheilpraktiker

Der Beruf Tierheilpraktiker sowie die Ausbildung dazu ist aktuell nicht geschützt. Das heißt, es gibt keine staatlich anerkannte Prüfung, die ein Tierheilpraktiker absolvieren muss, wie es zum Beispiel beim Tierarzt der Fall ist.

Die Ausbildung zum Tierheilpraktiker findet an Tierheilpraktikerschulen statt. Es gibt viele verschiedene Angebote und nicht alle sind gleich gut! Bei der Auswahl ist also Vorsicht geboten. Auch als Tierhalter sollten Sie sich erst erkundigen, welche Ausbildung der ausgewählte Tierheilpraktiker absolviert hat. Wie Tierheilpraktikern Monika Stangl erklärt, sind dafür mehrere Aspekte ausschlaggebend:

  • Es muss eine intensive, lange Ausbildung sein. Schnellkurse ohne praktische Schulung sind nicht ausreichend!
  • Es sollte viel Wert auf die Bereiche Anatomie, Physiologie und Pathologie gelegt werden. Diese Bereiche sind wichtig, damit der Tierheilpraktiker überhaupt die richtigen Diagnosen stellen und somit das Tier richtig behandeln kann!

Außerdem rät die Tierheilpraktikerin allen, die an dem Beruf interessiert sind:

  • Informieren Sie sich gut im Vorhinein und sprechen Sie auch persönlich mit der Schule, bevor Sie sich für eine Ausbildung dort entscheiden.
  • Erkundigen Sie sich, was aus den ehemaligen Teilnehmern geworden ist: Konnten Sie Ihre beruflichen Ziele mit dieser Ausbildung erreichen?
  • Auch nach der Tierheilpraktikerschule müssen Sie sich immer weiter fortbilden. „Man hat nie ausgelernt“, erklärt Stangl. Daher müssen Tierheilpraktiker fleißig, gewissenhaft und lernwillig sein.
  • Als angehender Tierheilpraktiker sollte man wissen, was man will, erklärt Stangl. Es gibt verschiedene Richtungen innerhalb der Naturheilkunde für Tiere. Neben der klassischen Homöopathie sind das z.B. noch Akupunktur und Kräuterheilkunde.

Außerdem ist es wichtig, dass der Tierheilpraktiker ein gutes Gespür für Tiere sowie Einfühlungsvermögen hat. Er muss eine Diagnose stellen und einschätzen können, ob sein Verfahren für das Tier geeignet ist oder ob ein Tierarzt oder eine andere Naturheilkunde-Methode besser helfen kann.

Tierheilpraktiker Ausbildung
Die Ausbildung zum Tierheilpraktiker nimmt mehrere Jahre in Anspruch und muss selbst bezahlt werden. © LIGHTFIELD STUDIOS-stock.adobe.com

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