Futteraggression bei Hunden

Wenn der Hund sein Futter knurrend verteidigt, ist das für die Halter meist eine große emotionale Belastung. Hier lesen Sie, was mögliche Ursachen einer Futteraggression sind und wie sich Entspannung und Vertrauen am Napf gezielt trainieren lassen.

Futteraggression bei Hunden
Hunde können Futteraggressionen entwickeln.© Nadezhda Zaitceva-stock.adobe.com

Unter einer Futteraggression versteht man das Verhalten eines Hundes, sein Futter (oder auch nur ein Leckerli) zu verteidigen und aggressiv zu werden, wenn jemand dem Futter zu nahe kommt oder es ihm wegnehmen will. Ein Hund mit Futteraggression kann während der Anwesenheit seines Menschen meist nicht entspannt fressen – selbst wenn der ihm das Futter gar nicht wegnehmen will.

Warum entwickeln Hunde eine Futteraggression?

Bewacht oder verteidigt ein Hund sein Futter, so kann dies verschiedene Ursachen haben.

1. Futter als lebenswichtige Ressource

Hinter einer Futteraggression beim Hund steckt in den meisten Fällen eine Unsicherheit oder Angst, auf die lebenswichtige Ressource „Futter“ verzichten zu müssen. Die Vorfahren der Hunde, die Wölfe, hatten keine festen Fütterungszeiten und wussten nie, wann sie das nächste Mal an lebensnotwendige Nahrung kommen.

Hunde, die heute als Haustiere gehalten werden, müssten davor eigentlich keine Angst mehr haben. Doch nur der Mensch weiß, dass er den Hund täglich und seinen Bedürfnissen entsprechend versorgen will – der Hund nicht. Er kann sich zwar auf Routinen einstellen, doch ihm fehlt die Planungssicherheit. Und so kann es zu einer Futteraggression kommen.

2. Futteraggression durch Stress

Es gibt auch Hunde, die die Futterverteidigung nutzen, um Stress abzubauen. Liegen in einem Mehrhundehaushalt beispielsweise einige Hunde unter einem Tisch und es fallen Krümel herunter, kann es sein, dass sich ein Hund, der angespannt ist, einen bestimmten Krümel auswählt und diesen lange Zeit bewacht. Nähert sich ein anderer Hund dem bewachten Objekt, so kann es zu einer spontanen Verteidigung kommen. Dabei ist das primäre Ziel jedoch nicht zwangsläufig das Futter, sondern der Stressabbau, der durch die Aggression hervorgerufen werden kann.

Wenn er sein Futter verteidigt, versuchen Sie zunächst, ihn zu unterstützen und den Stress zu nehmen, sodass zukünftige Kon­flikte gar nicht erst entstehen. Holen Sie sich zudem unbedingt Rat und Hilfe bei einem professionellen Hundetrainer, der Sie unterstützt.

Hundehalter verstehen einen futteraggressiven Hund auch oft als undankbar. Doch Undankbarkeit gegenüber dem Menschen steckt nicht hinter diesem Verhalten!
Futteraggression bei Hunden
Viele futteraggressive Hunde haben Angst davor, dass ihnen das wichtige Futter weggenommen wird.© annaav-stock.adobe.com

Hund füttern ohne Aggression: So funktioniert’s!

Die Hauptursachen für Futteraggressionen sind Unsicherheit, Angst und Stress. Damit sich Ihr Hund beim Fressen wieder entspannen und wohlfühlen kann, benötigt er Ihre Unterstützung. Oft reicht es dabei schon aus, ein paar Kleinigkeiten umzustellen:

1. Verbessern Sie Ihren Blick fürs Wesentliche!

Oft beginnt die Anspannung bei Hunden mit Futteraggression schon bei der Zubereitung des Futters. Beobachten Sie die Körpersprache Ihres Hundes, wenn Sie das Futter zubereiten und Sie ihm den Napf präsentieren. Ist er dann schon angespannt? Einige Hundehalter berichten, es schiene, als würde ihr Hund „erstarren“. Dies ist ein wichtiges Stressanzeichen. Mit Training können Sie versuchen, ihm den Stress zu nehmen:

  • Beziehen Sie den Hund in die Futter-Zubereitung ein. Geben Sie ihm ein paar Kommandos und belohnen Sie ihn mit Futter aus dem Napf.
  • Machen Sie nur Übungen, die Ihr Hund mit Bravour meistert. Hier geht es nicht um das Training an sich, sondern um Spaß. Sie können auch mit guter Laune ein paar Futterstücke ohne Gegenleistung geben.
  • Halten Sie noch ein paar Stücke zurück und überraschen Sie den Hund, indem Sie ihm eben nichts wegnehmen wollen, sondern er in Ihrer Anwesenheit noch zusätzlich etwas bekommt. Somit wird Ihre Nähe während seiner Fütterungsrituale mehr geschätzt.
Futteraggression bei Hunden
Beziehen Sie den Hund schon beim Vorbereiten des Futters mit ein und sorgen Sie für eine gute Stimmung. © lubero-stock.adobe.com

2. Die Futteraggression loswerden

Es ist keine Lösung, einfach den Raum zu verlassen, damit der Hund entspannt fressen kann. Er muss lernen, auch in der Anwesenheit anderer sein Futter zu genießen und die Futteraggression abzulegen. Das funktioniert am besten in kleinen Schritten:

  1. Halten Sie sich zuerst weit entfernt von Ihrem fressenden Hund auf. Klappt das, verringern Sie beim nächsten Mal die Distanz und kommen Ihrem Hund immer näher.
  2. Zuerst sollten Sie nur auf einer Stelle stehen und Ihrem Hund zuschauen. Später können Sie dann auch herumgehen (erst nur ein bisschen hin und her, später sollten Sie dann frei durch den Raum laufen können) Auch hier gilt wieder: Erst nur in weiter Entfernung zum Hund, später auch neben ihm.
  3. Beachten Sie dabei die Körpersprache des Hundes: Zeigt er Stresssignale, knurrt oder legt die Ohren an, ist es noch zu früh für den nächsten Schritt. Gehen Sie dann lieber nochmal ein Stück zurück. Erst wenn der Hund während Ihrer Anwesenheit in der Ferne entspannt fressen kann, sollten Sie sich weiter nähern.

Kann Ihr Hund entspannt fressen, während Sie sich neben ihm aufhalten, gilt es im nächsten Schritt zu trainieren, dass Sie auch seinen Napf anfassen dürfen. Dafür geben Sie Ihrem Hund als erstes nur eine kleine Portion seines Futters. Bleiben Sie neben ihm stehen während er frisst. Hat er aufgefressen, geben Sie ihm eine zweite kleine Portion.

Im zweiten Schritt füllen Sie die zweite Portion oder auch einzelne Leckerlis in den Napf, während der Hund noch dabei ist, die erste zu fressen. So verknüpft der Hund: Hand des Menschen am Napf/Anwesenheit des Menschen beim Fressen = positiv.

Futteraggression bei Hunden
Füttern in zwei Etappen: So lernt der Hund, dass Ihre Hand am Napf etwas Positives ist. © Christian Müller-stock.adobe.com

3. Entspannt neue Signale trainieren

Es ist nicht nur wichtig, dass Ihr Hund in Ihrer Anwesenheit entspannt fressen kann, es ist auch wichtig, dass Sie ihm etwas wegnehmen dürfen und er dabei nicht aggressiv wird. Das kann unter anderem in einer Notfallsituation besonders wichtig sein, wenn der Hund z.B. ein für ihn giftiges Nahrungsmittel oder einen Giftköder fressen will.

Dabei ist Ihre Stimmung sehr wichtig: Sind Sie selbst angespannt und Ihr Hund bemerkt Ihre Stimmung, könnte er das Teil, das Sie ihm wegnehmen wollen, unter Umständen noch schneller auffressen - gerade wenn er eine Futteraggression hat. Auch Schimpfen ist nicht hilfreich.

Wichtig ist also, dass Sie selbst ruhig bleiben. Außerdem sollten Sie Ihrem Hund zwei neue Signale beibringen:

  • „Nimm“: Geben Sie Ihrem Hund die Erlaubnis, etwas aufzunehmen. Anhand dieses Wortes kann Ihr Hund sich genau an Ihnen orientieren. Bleiben Sie nach der freundlichen Erlaubnis noch einige Zeit bei ihm und geben Sie noch ein paar weitere Snacks. Behalten Sie Ihre gute Stimmung, sodass die Futtergabe durch Sie positiv belegt wird.
  • „Aus“: Lernt der Hund stressfrei Dinge abzugeben, so setzt es ihn in einer Notfallsituation nicht unter Druck. Das gemeinsame Training bedeutet „Vertrauen aufbauen“. Lässt er etwas los, belohnen Sie ihn ruhig mit etwas noch Besserem.

Achten Sie darauf, dass Sie persönlich ihm in Zukunft etwas wegnehmen können. Für fremde Personen, z.B. Besuch, trifft das aber nicht zu. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund in Ruhe genießen kann, auch wenn sich Gäste bei Ihnen befinden.

Futteraggression bei Welpen

Auch Welpen können schon eine Futteraggression entwickeln, bzw. ihr Futter verteidigen wollen. Das kann man bereits um die 5. Lebenswoche erkennen. Vermeintlich wird angenommen, dass der Hund bereits jetzt schon sehr mutig ist und später mal ein „Draufgänger“ wird. Dem ist aber nicht zwangsläufig so. Vielmehr fürchtet sich der Welpe davor, dass er die Ressource Futter verliert, eventuell auch an die vielen Wurfgeschwister. Gerade solche Hunde benötigen einen ruhigen Futterplatz. Im ersten Schritt sollte dem Hund die Furcht genommen werden und danach ein Training etabliert werden, sodass der Hund lernt, dass er sein Futter nicht verteidigen muss.

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