Wie und warum schnurren Katzen?

Eine schnurrende Katze ist für viele der Inbegriff von Zufriedenheit. Doch wussten Sie, dass dahinter auch Gefühle wie Angst und Nervosität oder Schmerzen stecken können? Hier lesen Sie alles über das Schnurren von Katzen: Wie es funktioniert, was es bedeutet und welche Funktionen es hat.

Rotes Kätzchen schläft selig
Schnurren ist nicht immer automatisch ein Wohlfühlsignal.© shutterstock.com

Obwohl Katze und Mensch mittlerweile schon seit mehreren tausend Jahren zusammenleben, ist das Schnurren von Katzen in vielerlei Hinsicht immer noch ein Rätsel für die Menschen. Viele Aspekte davon sind noch nicht ausreichend erforscht. Wir haben Ihnen die wichtigsten bekannten Fakten zum Schnurren von Katzen zusammengefasst.

Wie funktioniert das Schnurren von Katzen?

Es gibt mehrere Thorien dazu, wie das Schnurren von Katzen funktioniert. Die Wissenschaft hat noch keine eindeutige Antwort auf den Ursprung des Schnurrens gefunden. Experten vermuten ihn in einem Zusammenspiel aus muskulären und neuronalen Prozessen, auch wenn viele Details noch im Dunkeln liegen:

Die Muskeln im Kehlkopf der Katze können die Stimmritze – also den Teil des Kehlkopfes, der die Stimmbänder umgibt – verengen oder erweitern. Die dabei entstehenden Schwingungen führen bei jedem Ein- und Ausatmen zu Vibrationen, die wir als Schnurren wahrnehmen. Gesteuert wird der gesamte Prozess vom Katzenhirn, das die Kehlkopfmuskeln durch Nervenimpulse aktiviert.

Eine andere Theorie ist zum Beispiel, dass das Zungenbein etwas mit dem Schnurren zu tun hat. Das Schnurren ist also auf jeden Fall sehr viel komplexer, als es zunächst den Anschein hat.

Warum schnurren Katzen?

Katzen beginnen schon ein paar Tage nach ihrer Geburt mit dem Schnurren. Wenn sie die Zitze ihrer Mutter gefunden haben und Milch trinken, signalisieren sie der Katzenmama mit dem Schnurren, dass alles in Ordnung ist. Auch die Mutter schnurrt meist, um den Babys Sicherheit zu vermitteln. Wahrscheinlich imitieren die Katzenkinder das Verhalten ihrer Mutter.

Auch erwachsene Katzen schnurren oft in der Gesellschaft anderer Katzen. Das Schnurren hat also eine sozial-interaktive Funktion und ist auch ein Kommunikationsmittel für Katzen. Es wird wohl sowohl bei anderen Katzen als auch beim Menschen eingesetzt.

Oft wird das Schnurren als das „Lächeln der Katze“ bezeichnet, als Zeichen dafür, dass sie sich wohlfühlt. Aber tatsächlich schnurren Katzen in vielen verschiedenen Situationen – es ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass die Katze zufrieden ist. In folgenden Situationen schnurren Katzen:

  • Katzen schnurren, wenn sie entspannt sind, zum Beispiel vom Besitzer gekrault oder der Partnerkatze abgeschleckt werden.
  • Katzen schnurren oft, bevor sie gefüttert werden – eine Art „Vorfreude“, die oft von Miauen begleitet wird.
  • Katzen schnurren oft, wenn sie unzufrieden sind und gerne ihre Ruhe hätten. In der Regel wird das Schnurren dann von anderen Signalen der Körpersprache wie z.B. zurückgelegten Ohren oder dem wackelnden Schwanz begleitet.
  • Katzen schnurren, wenn sie gestresst sind, Angst haben (z.B. beim Tierarzt) oder wenn sie Schmerzen haben und sogar auch oft, wenn sie im Sterben liegen.

Katzen können also in fast jeder Situation schnurren. Nur in aggressiver Grundstimmung wird offenbar nicht geschnurrt. Betrachtet man die verschiedenen Situationen, so wird deutlich: Das Schnurren von Katzen hat etwas mit Entspannung zu tun: Sie schnurren sowohl in Situationen, in denen sie bereits entspannt sind, als auch in solchen, in denen sie es gerne wären. Wenn die Katze Angst, Schmerzen oder Stress hat, versucht sie, sich durch das Schnurren selbst zu beruhigen und zu entspannen.

Katze schnurrt
Zufriedenheit ist nur einer von vielen Gründen für das Katzenschnurren.© denisval-stock.adobe.com

Schnurren Katzen zur Selbstheilung?

Die Erkenntnis, dass Katzen das Schnurren einsetzen, um sich zu entspannen, warf die Frage auf, ob das Schnurren zur Selbstheilung von Katzen beiträgt. Und tatsächlich hat das Schnurren heilende Wirkungen:

Katzen takten ihre Schnurrfrequenz meist in einem niedrigen Bereich von etwa 26 Hertz. Studien ergaben, dass in diesem Frequenzbereich die Knochenheilung stimuliert wird und die Knochendichte zunimmt.Tatsächlich versetzt Schnurren das gesamte Katzenskelett in Schwingung: Durch die andauernden mechanischen Reize...

  • ... wird der Stoffwechsel in den Knochen angekurbelt.
  • ... entstehen neue Knochenbildungszellen.
  • ... wird Gewebe schneller repariert.

Für unsere Katzen, die den Großteil des Tages verschlafen und meist nur bei der Jagd körperlich aktiv sind, ist diese Dauervibration besonders wichtig, damit Knochen und Muskeln fit und beweglich bleiben. Doch auch bei Knochenbrüchen und inneren Verletzungen wirken sie unterstützend auf den Heilungsprozess und beruhigen die Katze in Schock- oder Stresssituationen.

Vermutlich waren diese Selbstheilungskräfte sogar die ursprüngliche Funktion des Schnurrens, bis im Laufe der Evolution der kommunikative Aspekt hinzukam.

Müde Katze liegt unter einer Decke
Schnurren beruhigt die Katze und trägt zur Selbstheilung bei.© shutterstock.com/Maliwan Prangpan

Auch uns Menschen tut Schnurren gut

Nicht nur für die Katze selbst hat das Schnurren positive Effekte. Auch wir Menschen profitieren in vielerlei Hinsicht von einer schnurrenden Katze an unserer Seite:

  • Die niederfrequenten Töne senken nachweislich den Blutdruck und somit auch das Herzinfarktrisiko.
  • Das menschliche Gehirn reagiert auf das Schnurren mit der Ausschüttung von Serotonin, einem Wohlfühlhormon.
  • Das Geräusch wirkt auf den Menschen beruhigend und kann Stress lindern.
  • Der knochenheilende Effekt des Schnurrens kommt auch Osteoporose-Patienten zugute und spielt eine wichtige Rolle in der Raumfahrtforschung, wo er dem bei Astronauten häufig vorkommenden Muskelschwund entgegenwirken kann.

Es gibt mittlerweile sogar eine anerkannte „Katzenschnurrtherapie“, die bei Osteoporpose und Lungenerkrankungen eingesetzt wird.

Frau hält schlafende Katze auf dem Arm
Auch für den Menschen hat das Schnurren von Katzen positive Effekte.© shutterstock.com/lithian

Meine Katze schnurrt nicht! Ist sie unglücklich?

Manche Katzenhalter berichten, dass ihre Katze nicht schnurrt. Dabei ist ihre Sorge oft groß: Fühlt sich Mieze nicht wohl, fehlt ihr etwas? Glücklicherweise ist diese Sorge vollkommen unbegründet.

Manche Katzen schnurren eben viel, und manche nicht. Im Mehrkatzen-Haushalt kann es durchaus sein, dass die Katze mit dem meisten Selbstbewusstsein weniger schnurrt als ihre rangniederen Artgenossen – ganz einfach, weil sie keinen Anlass dazu hat.

Wer einen Schnurr-Muffel daheim hat und trotzdem nicht auf das wohlklingende Geräusch verzichten möchte, findet im Internet zahlreiche Simulatoren, die es imitieren (zum Beispiel unter www.purrli.com). Dort kann man den heilsamen Klängen allein oder gemeinsam mit seiner Katze lauschen.

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