Wellensittiche als Mitbewohner

Wellensittiche richtig halten

Wellensittiche sind muntere, gesellige Vögel, die man mit etwas Sachkenntnis artgerecht halten kann. Erfahren Sie hier, was bei der Haltung von Wellensittichen zu beachten ist, und informieren Sie sich über Lebenserwartung, Rassen, Geschlechtsbestimmung und Ernährung.
 
Wellensittiche auf einem Ast © shutterstock.com/ Ronald Wittek
Wellensittiche sind Schwarmvögel
Wellensittiche gehören zur Familie der Papageien und zählen in ihrer Heimat Australien zu der am häufigsten vorkommenden Papageienart. Durch ihre muntere Art und das farbenfrohe Gefieder sind sie zudem äußerst beliebte Ziervögel, für deren artgerechte Haltung jedoch einiges zu beachten ist.
 

Passen Wellensittiche zu mir?

Die Haltung von Wellensittichen macht viel Freude – wenn man sich mit den Vögeln auskennt und weiß, was sie zum Glücklichsein brauchen. Mit dieser Checkliste können Sie überprüfen, ob die Wellensittich-Haltung das Richtige für Sie ist:
  • Bei mir werden mindestens zwei Wellensittiche einziehen. Mir ist bewusst, dass ich einen Wellensittich nicht alleine halten darf.
  • Ich weiß, dass Wellensittiche einen großen Käfig und die Möglichkeit zum Freiflug brauchen. Dafür habe ich Platz in meiner Wohnung.
  • Ich kann die Wellensittiche sogar in einem eigenen Vogelzimmer unterbringen.
  • Wellensittiche zwitschern gerne recht laut und ausdauernd. Das stört weder mich noch meine Familie, meine Nachbarn oder meinen Vermieter.
  • Mir ist klar, dass die Haltung von Wellensittichen auch mehr „Schmutz“ und Arbeit bedeutet. Ich muss öfter putzen und habe ab und zu auch Federn, Kot- und Körnerreste in der Wohnung.
  • Wenn ich verreise, habe ich jemanden, der sich gut um meine Wellensittiche kümmert.
  • Ich habe bereits einen vogelkundigen Tierarzt in meiner Nähe gefunden, der mir hilft, wenn meine Wellensittiche krank sind.
  • Wellensittiche können in Einzelfällen bis zu 20 Jahre alt werden. Solange kann und werde ich mich gut um meine Wellensittiche kümmern.
Können Sie all diese Punkte schon mit „Ja“ beantworten? Dann steht dem Einzug von Wellensittichen nichts mehr im Wege. Hier erfahren Sie jetzt, was Sie zu Kauf, Käfig, Freiflug, Ernährung und Verhalten unbedingt wissen sollten.
 

Der Kauf von Wellensittichen

Beim Kauf von Wellensittichen sollten Sie genau hinsehen. Wellensittiche leben in Gefangenschaft durchschnittlich acht Jahre, es gibt jedoch auch Wellensittiche, die das stolze Alter von 20 Jahren erreichen. Sie werden also bestenfalls eine lange Zeit mit Ihren Wellensittichen verbringen. Eine sorgfältige Auswahl ist daher wichtig.
 
Als erstes sollten Sie sich im Tierheim in Ihrer Nähe nach Wellensittichen erkundigen. Manchmal werden hier Paare abgegeben. So geben Sie verlassenen Wellensittichen noch die Chance auf ein neues Zuhause.
 
Entscheiden Sie sich für einen Neukauf, können Sie sich bei einem guten Züchter erkundigen und umsehen. Lassen Sie sich dabei Zeit.

Achten Sie beim Kauf von Wellensittichen auf folgende Dinge:
  • Der Käfig, in dem die Wellensittiche untergebracht sind, sollte sauber und hell sein. Es gibt frisches Wasser, Futter und frische Einstreu aus Sand.
  • Die Wellensittiche sind munter und verhalten sich entspannt.
  • Schnabel, Kloake und Füße der Wellensittiche haben keine Auflagerungen, sind also parasitenfrei.
  • Die Füße der Wellensittiche sind beringt.
  • Der Verkäufer nimmt sich Zeit, beantwortet Ihre Fragen rund um die Wellensittiche und gibt kompetent Auskunft.


Wellensittich-Rassen

Wildlebende Wellensittiche sind vorwiegend grün mit einem gelben Kopf und einer schwarzen Streifenzeichnung. Durch gezielte Zucht hat sich das Farbspektrum der Wellensittiche jedoch deutlich vergrößert. Grob lassen sich die Farbschläge beim Wellensittich in zwei Serien gliedern:
 
Blaue Serie: Hellblau, Dunkelblau, Mauve, Grau, Albino, Violett, Gelbgesichter

Hellblauer Wellensittich
Zwei hellblaue Wellensittiche der blauen Serie.    © adobestock.com/PhyllisPhotos
 
Grüne Serie: Hellgrün, Dunkelgrün, Olivgrün, Graugrün, Lutino

Hellgrüner Wellensittich
Hellgrüner Wellensittich der grünen Serie.   © shutterstock.com/ElamaranElaaa

Auch die typische Gefiederzeichnung der Wellensittiche kann schwarz, braun, grau oder blassgrau ausfallen. So entstehen mit Farbschlägen und Zeichnungen beim Wellensittich verschiedenste Gefiederfärbungen und -variationen.
 

Das Geschlecht des Wellensittichs bestimmen 

Das Geschlecht des Wellensittichs lässt sich im Vergleich zu anderen Papageien- und Sitticharten relativ leicht bestimmen. Die Farbe der Nasen- bzw. Wachshaut, die sich im Bereich der Nasenlöcher befindet, liefert in der Regel genauen Aufschluss über das Geschlecht des Wellensittichs. Hormonstörungen und Erkrankungen können zu einer andersfarbigen Wachshaut führen.
 
Hennen (weiblich): leicht runzlige Wachshaut, weißlich bis hellblau; während der Brutreife braun bis dunkelbraun
 
Hähne (männlich): glatte Wachshaut, mittelblau bis dunkelblau
 
Bei Jungvögeln ist die Wachshaut noch recht blass, doch nach einigen Wochen färbt sie sich immer mehr und verrät das Geschlecht des jungen Wellensittichs.
 

Der Wellensittich-Käfig

Beim Wellensittich-Käfig gilt: Viel Platz und je größer desto besser für den Wellensittich. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt eine Mindestgröße des Käfigs von 150 x 50 x 80 cm (L x B x H) groß sein – für ein Paar Wellensittiche. Umso mehr Wellensittiche, desto größer die Voliere. Dazu gehört die tägliche Möglichkeit des ausgiebigen Freiflugs.

So sieht der optimale Wellensittich-Käfig aus:
  • Die Käfigform muss eckig sein, bitte keinesfalls rund. Darin können sich die Wellensittiche schwer bewegen. Je länger der Käfig desto besser.
  • Die Gitterstäbe des Käfigs verlaufen waagerecht, damit die Wellensittiche klettern können.
  • Die Farbe der Käfig-Gitterstäbe ist am besten dunkel.
  • Das Käfig-Material sollte ungiftig sein. Bei Metall bitte auf „Zink- und Schwermetallfrei“ achten.
  • Der Käfig sollte mit passendem Spielzeug und reichlich Knabber- und Klettermöglichkeiten spannend eingerichtet sein.
Den Standort des Wellensittich-Käfigs wählen Sie am besten nahe an einem Fenster, damit die Wellensittiche so viel Tageslicht wie möglich bekommen. In der dunklen Jahreszeit sind spezielle UV-Vogellampen angebracht. Der Käfig-Standort sollte zugluftfrei und standfest sein. Stellen Sie den Käfig so, dass die Wellensittiche alles überblicken können. Ideal ist es auch, wenn die Wellensittiche nicht allein sind, gerade, wenn Sie sich nur ein Paar halten. Ein guter Käfigstandort ist daher meistens auch im Wohnzimmer – dem Ort, an dem Sie selbst sich viel aufhalten.
 
Bei Innenhaltung benötigen Wellensittiche mehrere Stunden pro Tag die Möglichkeit zum Freiflug in einem geschlossenen Raum mit sicheren Landemöglichkeiten. Um den Vögeln dauerhaft mehr Platz zum Fliegen zu ermöglichen, bietet sich der Bau einer Voliere  an.
 
Sitzstangen aus Naturholz, Schaukeln, Klettermöglichkeiten, Äste zum Knabbern (geeignet sind va. Äste von Obstbäumen, Weiden und Birken) sorgen für ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten. Zudem benötigen Wellensittiche ein Badehaus mit geriffeltem Boden, einen Schnabelwetzstein und frischen Vogelsand in der Bodenschale ihres Käfigs.
 

Wellensittiche draußen halten

Eine Möglichkeit, mehrere Wellensittiche unterzubringen, ist die ganzjährige Außenhaltung in der Voliere. Wichtig für die Haltung draußen ist ein beheizbares Schutzhaus. Das Schutzhaus sollte groß genug, hell und attraktiv eingerichtet sein. Nur dann ziehen sich die Wellensittiche bei niedrigen Temperaturen dahin gern zurück.

Sind die Wellensittiche draußen untergebracht, muss der Käfig so gestaltet werden, dass die Vögel genügend Platz zum Fliegen haben. Ausbruchssicher und sicher vor Wildtieren sollte die Voliere ebenfalls sein. Da Wellensittiche eine hohe Lebenserwartung haben, sollten Sie beim Bau gleich auf Langlebigkeit und gute Qualität bei den Materialien achten.
 

Das richtige Futter für Wellensittiche 

In Freiheit ernähren sich Wellensittiche in erster Linie von Grassamen und müssen auf der täglichen Futtersuche weit fliegen. In Gefangenschaft bekommen sie ihr Futter geliefert – Tag für Tag, ohne sich dabei bewegen zu müssen. Deshalb neigen Wellensittiche, die in Käfig oder Voliere gehalten werden, schnell zu Übergewicht . Umso wichtiger ist es, zu Hause gehaltene Vögel abwechslungsreich und fettarm zu füttern.
 
  • Körnerfutter (Hirse und Glanz)
  • Kräuter z.B. Löwenzahn, Vogelmiere, Salbei
  • Obst z.B. Banane, Erdbeere, Apfel (keine Zitrusfrüchte)
  • Gemüse z.B. Gurke, Zucchini, Kürbis (keine Kohlsorten, Nachtschattengewächse, Hülsenfrüchte oder Avocado)
  • Mineralstoffe Sepiaschale, Kalkstein etc. 
Da Wellensittiche gerne aus Langeweile fressen, sollte fertiges Körnerfutter nicht ständig zur freien Verfügung angeboten werden. Frischfutter wie Obst, Gemüse und frische Kräuter sollte nach maximal drei Stunden wieder aus dem Wellensittich-Käfig entfernt werden.
 

Das Verhalten von Wellensittichen

Wellensittiche haben eine ausgeprägte Körpersprache, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Als Halter ist es daher wichtig, typische Ausdrucksmittel richtig deuten zu können.
 
Wenn Wellensittiche sich putzen:
Wenn Ihr Wellensittich sich viel und ausgiebig putzt, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Er fühlt sich in seiner Umgebung so entspannt und sicher, dass er sich ganz der Gefiederpflege widmen kann. Beim Putzen nehmen Wellensittiche ihren Schnabel und die Krallen der Füße zu Hilfe. Besonders während der Mauser kratzen sich die Wellensittiche mit den Füßen und reiben ihren Kopf an den Gitterstäben des Käfigs. Ist die Reinigung beendet, schüttelt der Wellensittich sein Gefieder aus.
 
Wenn Wellensittiche mit dem Schnabel knirschen:
Ihr Wellensittich knirscht mit dem Schnabel? Keine Sorge! Bei Wellensittichen ist dies ein Zeichen völliger Entspannung. Meistens knirschen Wellensittiche kurz vor dem Einschlafen mit ihrem Schnabel. Dann vergraben sie ihren Schnabel im Rückengefieder, oft auch ein Bein im Bauchgefieder – und schon ist der Wellensittich im Land der Träume.
 
Wenn Wellensittiche ihren Körper lang aufrichten:
Macht der Wellensittich seinen Körper ganz lang und geht dabei in die Hocke? Schaut er mit stark verkleinerten Pupillen nach oben und sein Gesang ist verstummt? All dies sind Anzeichen dafür, dass Ihr Wellensittich gerade unter großem Stress steht und Angst empfindet. Suchen Sie unbedingt den Auslöser für dieses Angstverhalten Ihres Wellensittichs.
 
Wenn Wellensittiche sich aufplustern:
Durch ein aufgeplustertes Gefieder will sich der Wellensittich wärmen. Die Luft zwischen dem Gefieder dient ihm so als Isolierschicht und schützt ihn vor der Kälte. Plustert sich Ihr Wellensittich allerdings besonders häufig auf und zeigt er andere ungewöhnliche Verhaltensmuster (etwa eine ungewohnte Sitzhaltung), könnte das Aufplustern auch Zeichen einer Erkrankung sein.
 
Wenn Wellensittiche die Flügel aufstellen:
Wellensittiche, die ihre Flügel aufstellen, machen sich damit besonders groß und eindrucksvoll. Mit diesem Verhalten wollen Wellensittiche ihre Artgenossen einschüchtern oder ihnen imponieren. An besonders warmen Sommertagen kann das Aufstellen der Flügel aber auch ganz einfach einen praktischen Nutzen haben: Wellensittiche besitzen keine Schweißdrüsen und verschaffen sich durch das Aufstellen ihrer Flügel Abkühlung.
 
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