Hund kupieren: Deshalb ist es verboten

Beim Kupieren werden die Ohren oder die Rute des Hundes gekürzt. Obwohl dieser Eingriff in vielen Ländern verboten ist, gibt es noch sehr viele kupierte Hunde. Warum das so ist, erfahren Sie hier.

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Das Kupieren von Hunden ist in Deutschland verboten.© stock.adobe.com/SasaStock

Ein Dobermann hat spitze Ohren und ein Boxer eine kurze Rute – das glauben zumindest viele. Was die wenigsten wissen: Diese Rassen sehen eigentlich ganz anders aus. Dobermänner werden mit Schlappohren geboren und Boxer haben eigentlich eine lange Rute. Doch sie gehören leider zu den Hunden, die oft kupiert werden.

Beim Kupieren werden dem Hund in einem operativen Eingriff die Ohren oder die Rute abgeschnitten. In der Regel lassen Menschen ihre Hunde kupieren, damit diese bestimmten Schönheitsidealen entsprechen: Sie sollen gefährlich und angsteinflößend aussehen. Doch das Kupieren ist für Hunde eine Qual. Warum das so ist und warum trotz Verbot noch immer viele kupierte Hunde in Deutschland leben, lesen Sie hier.

Hund kupieren: Das geschieht beim Eingriff

Kupierte Hundeohren sind spitz und gerade nach oben gerichtet. Um das zu erreichen, wird der Hund oft bereits kupiert, wenn er etwa sieben Wochen alt ist. Ihm wird eine sogenannte Kupierschablone an die Ohren gelegt. Alles, was übersteht, wird abgeschnitten. Dabei werden Adern und Nerven durchtrennt. Die Reste des Hundeohrs werden vernäht und nach oben gebunden. Erst nach zwei bis drei Wochen kann der Verband abgenommen werden. Der gesamte Prozess ist für den Hund extrem schmerzhaft.

Bei diesen Hunderassen werden die Ohren oft kupiert:

 

Kupierte Ohren und normale Ohren
Hier sehen Sie, wie Dobermänner, American Staffordshire Terrier und Schnauzer mit kupierten und mit normalen Ohren aussehen.
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© stock.adobe.com/mfotohaus

Mit kupierten Ohren soll der Dobermann gefährlicher wirken.

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© stock.adobe.com/Markus

So sieht der Dobermann eigentlich aus.

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© stock.adobe.com/Rita Kochmarjova

Auch die Ohren von American Staffordshire Terrier werden häufig kupiert.

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© stock.adobe.com/Djordje

American Staffordshire Terrier haben eigentlich hängende Ohren.

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© stock.adobe.com/deviddo

Auch dem Schnauzer werden oft die Ohren gekürzt.

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© stock.adobe.com/Annette Kurka

Schnauzer haben von Natur aus hängende Ohren.

 

Auch die Rute wird bei Hunden häufig kupiert. Wenn Hunden der Schwanz extrem kurz abgeschnitten wird, sind sie meist erst wenige Tage alt. Das Tier verliert beim Kupieren mehrere Schwanzwirbel.

Unter anderem ist bei diesen Hunderassen häufig der Schwanz kupiert:

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Boxer werden mit einer langen Rute geboren.© stock.adobe.com/DoraZett

Warum ist das Kupieren von Hunden verboten?

Seit 1986 ist das Kupieren von Hundeohren in Deutschland verboten. Die Rute darf seit 1998 nicht mehr kupiert werden. Einen Hund mit abgeschnittenen Ohren oder Schwanz zu halten, ist allerdings erlaubt.

Jagdhunde sind von diesem Verbot ausgeschlossen. Bei ihnen wird manchmal die Rute kupiert, um Verletzungen am langen Hundeschwanz zu vermeiden.

Aus diesen Gründen ist es verboten, Hunde zu kupieren:

  • Das Kupieren ist ein sehr schmerzhafter Eingriff.
  • Chronische Gesundheitsprobleme sind durch das Kupieren möglich.
  • Hunde kommunizieren mit dem Schwanz oder den Ohren. Werden sie abgeschnitten, kann der Hund sich nicht mehr richtig mit Artgenossen verständigen.
  • Es kann zu Verhaltensproblemen aufgrund der kupierten Körperteile kommen.

Oft haben die Menschen, die diesen Eingriff vornehmen, kaum medizinische Kenntnisse. Es kommt deshalb häufig zu Fehlern. Sind die Ohren am Ende beispielsweise nicht gleich lang, wird das ganze Prozedere oft sogar wiederholt.

Manchmal stehen die Ohren nach dem Kupieren auch schief. Um sie gerade nach oben stehen zu lassen, werden dem Hund dann Silikonstäbe unter die Haut eingeführt. All das bedeutet für das Tier zusätzliches Leid.

Während früher das Kupieren häufig von den Rassestandards sogar gefordert wurde, ist es heute verboten, einen kupierten Hund bei Rasse-Ausstellungen zu zeigen.
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Das Kupieren ist für den Hund sehr schmerzhaft.© stock.adobe.com/Dusko

Warum sieht man trotzdem so oft kupierte Hunde?

Obwohl das Kupieren von Hunden in Deutschland und in vielen weiteren europäischen Ländern verboten ist, sieht man noch sehr oft Hunde mit spitz abgeschnittenen Ohren oder einer viel zu kurzen Rute. Das liegt unter anderem daran, dass in Deutschland zwar der Eingriff an sich verboten ist. Einen kupierten Hund zu halten, ist aber erlaubt.

Einen Hund zu kaufen, der bereits kupiert wurde, ist also kein Problem. Auch lassen einige ihre Hunde im Ausland kupieren und nehmen ihn anschließend wieder mit nach Deutschland. Oft haben die betreffenden Länder keine hohen medizinischen Standards und es kommt zu verheerenden Komplikationen bei dem Eingriff. Das ist eine zusätzliche Gefahr für den Hund.

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Einen kupierten Hund zu halten, ist in Deutschland legal.© stock.adobe.com/Vladimir

Was kann man tun, damit keine Hunde mehr kupiert werden?

Achten Sie beim Welpenkauf darauf, dass der Züchter seine Welpen optisch genau so lässt, wie sie auf die Welt gekommen sind. Sinkt die Nachfrage an kupierten Hunden, ist das Geschäft mit ihnen nicht mehr gewinnbringend.

Sie können andere auf das Problem aufmerksam machen. Sprechen Sie beispielsweise Hundehalter auf der Hundewiese an (bleiben Sie dabei aber immer freundlich), die einen offensichtlich kupierten Hund halten. Leider wissen sehr viele nicht, dass ihr Dobermann eigentlich Schlappohren hat. Dass er extreme Schmerzen aushalten musste, um so auszusehen, wie er aussieht, ist ihnen womöglich nicht bewusst. Wissen mehr Menschen über diesen schmerzhaften Eingriff Bescheid, könnte viel Tierleid verhindert werden.

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