Head Bobbing: Das steckt hinter dem plötzlichen Kopfzittern beim Hund

Beginnt der Hund plötzlich unkontrolliert mit dem Kopf zu zittern, wirkt das im ersten Moment sehr beängstigend. Alles über den Kopftremor, auch Head Bobbing genannt, erfahren Sie hier.

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Das Kopfzittern tritt häufig in Ruhephasen des Hundes auf.© stock.adobe.com/Sebesteyen

Das plötzliche Kopfzittern kann jeden Hund betreffen, einige Rassen sind dafür jedoch besonders prädestiniert. Lesen Sie hier, wie Sie sich während einer Episode Ihrem Hund gegenüber verhalten sollten und, wie Sie ihm helfen können.

Kopfzittern beim Hund: Das steckt dahinter

Das akute Kopfzittern bei Hunden ist auch als sogenanntes Head Bobbing bekannt. Dabei beginnt der Kopf des Hundes ganz plötzlich unkontrolliert zu zittern. In der Veterinärmedizin spricht man von einem idiopathischen Kopftremor.
Es wird unterschieden zwischen:

  • vertikalem Zittern: Ja-Ja-Tremor
  • horizontalem Zittern: Nein-Nein-Tremor 

Das horizontale Kopfzittern tritt bei Hunden am häufigsten auf. Während einer solchen Episode ist der Hund bei vollem Bewusstsein und zeigt keine weiteren Symptome. Eine genau Ursache für das unfreiwillige Kopfzittern ist bis heute nicht bekannt. Es wird vermutet, dass eine unkontrollierbare Kontraktion der Nackenmuskulatur für die Symptome verantwortlich ist.

Charakteristika des plötzlichen Kopfzitterns

Das Head Bobbing oder einfach Kopfzittern, tritt plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Meist kommt es zu einer Episode, wenn sich der Hund in einem Ruhezustand befindet. Betroffene Halter gaben an, dass sich das Zittern geäußert hat, als ihr Hund saß, entspannt im Körbchen lag oder sich nach einer Anstrengung ausgeruht hat. Die folgende Liste zeigt die charakteristischen Merkmale des plötzlichen Kopfzitterns:

  • keine Verhaltensauffälligkeiten vor oder nach einer Episode
  • Kopf des Hundes beginnt unkontrolliert zu zittern (vertikal oder horizontal)
  • Der Rest des Körpers ist vom Zittern nicht betroffen
  • Hund ist während einer Episode bei Bewusstsein und ansprechbar
  • Kopfzittern kann durch Ablenkung (Ansprechen, Spielaufforderung) unterbrochen werden
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Episoden des Kopfzitterns können durch Ablenkung des Hundes unterbrochen werden.© stock.adobe.com/Halfpoint

Die Dauer des Kopfzitterns variiert stark, doch in der Regel ist eine Episode nach weniger als drei Minuten wieder vorbei. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen das Kopfzittern mehrere Stunden anhält. Auch die Häufigkeit ist von Hund zu Hund verschieden. Einige haben eine Episode im Vierteljahr, während bei der Mehrheit das Kopfzittern mehrmals am Tag oder pro Woche auftritt.

So erkennen Sie einen epileptischen Anfall

Tritt das plötzliche Kopfzittern beim Hund zum ersten Mal auf, ist die Angst und Verunsicherung beim Menschen erstmal groß. Das unkontrollierte Zittern wird unweigerlich mit einem epileptischen Anfall in Verbindung gebracht und darf in keinem Fall unterschätzt werden. Dann bestünde akute Lebensgefahr für den Hund und dringender Handlungsbedarf. Die Symptome eines epileptischen Anfalls unterscheiden sich jedoch teils sehr deutlich von dem des plötzlichen Kopfzitterns. Die folgenden Merkmale sprechen für einen epileptischen Anfall beim Hund:

  • Plötzliches Hinfallen
  • Stark angespannte und krampfhaft zuckende Muskulatur
  • Unwillkürlicher Harn- und Kotabsatz
  • Bewusstlosigkeit
  • Kaubewegungen
  • Halluzinationen (z.B. Fliegenschnappen, Bellen oder Schwanzbeißen)
  • Übermäßige Speichelproduktion
  • Wesensveränderungen
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Die Symptome des Kopfzitterns unterscheiden sich eindeutig von denen eines epileptischen Anfalls. © stock.adobe.com/DOC RABE Media

Plötzliches Kopfzittern: Diagnose und Behandlung

Tritt das Kopfzittern zum ersten Mal auf, ist man als Halter erstmal überfordert und verunsichert. In den meisten Fällen handelt es sich um einen harmlosen idiopathischen Kopftremor. Um jedoch Tumore oder eine andere Erkrankung ausschließen zu können, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Hund zum Tierarzt oder in eine Tierklinik fahren.

Eine neurologische Untersuchung soll feststellen, ob es Anzeichen für Fehlfunktionen des Nervensystems gibt. Zudem wird das Blut des Hundes untersucht, da es durch die Werte Auskunft über Infektionskrankheiten, Entzündungswerte und Organfunktionen gibt. Eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie können strukturelle Veränderungen des Rückenmarks oder im Gehirn sichtbar machen.

Es ist jedoch so, dass Hunde, die unter dem plötzlichen Kopfzittern leiden, bei den Untersuchungen keine Auffälligkeiten zeigen. Es handelt sich demnach um eine Behandlung nach dem Ausschlussverfahren.

Da die meisten Hunde während der Behandlung beim Tierarzt kein Kopfzittern zeigen, ist es sinnvoll, den Hund während einer Episode zu filmen, um die Aufzeichnung dem Tierarzt vorlegen zu können.

Eine standardisierte Behandlungstherapie bei plötzlichem Kopfzittern gibt es nicht, da auch die genauen Ursachen für das Auftreten nicht bekannt sind. Antiepileptika sowie andere Medikamente schlagen bisher nicht an. Je nach Ausprägung des plötzlichen Kopfzitterns kann versucht werden, mit Physiotherapie oder einer Futterumstellung die Ausprägung der Episoden zu mindern. In jedem Fall freut sich der Hund, wenn nach einer Episode dessen Nackenmuskulatur massiert wird, da sich diese zuvor unkontrolliert angespannt hat. Das hilft dem Hund beim Entspannen und lockert die Muskulatur.

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Nach einer Episode können Sie die Nackenmuskulatur Ihres Hundes durch eine Massage lockern.© stock.adobe.com/burdun

Diese Hunderassen sind besonders vom Kopfzittern betroffen

Von dem plötzlichen Kopfzittern können generell alle Rassen sowie Mischlinge betroffen sein. Es ist jedoch festgestellt worden, dass einige Rassen signifikant häufiger betroffen sind als andere. Bei diesen Rassen wurde das plötzliche Kopfzittern am häufigsten beobachtet:

Englische Bulldoggen bilden den größten Anteil der betroffenen Hunderassen. Die meisten Hunde sind bei der ersten Episode des Kopfzitterns vier Jahre oder jünger. Bei den besonders prädestinierten Rassen für diese Symptomatik konnten erste Episoden bereits im Alter von ein bis zwei Jahren beobachtet werden.

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Englische Bulldoggen sind am häufigsten von dem Kopfzittern betroffen.© stock.adobe.com/tierfoto-guenzburg

Das plötzliche Kopfzittern beeinträchtigt die Lebensqualität der Hunde in der Regel nicht. Eine Beeinträchtigung liegt in der Regel dann vor, wenn die Symptomatik die Nahrungsaufnahme oder das Schlafen des Hundes beeinträchtigt und die Tiere durch die Episoden Angst entwickeln. Da die Episoden für den Hund jedoch weder schmerzhaft noch lebensbedrohlich sind und in der Regel nach einigen Minuten wieder verschwinden, können die Hunde ein ganz normales Hundeleben führen.

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