Tierschutz

Tierschutzgesetz: Inhalt, Verstoß, Sanktionen

Tierschutz ist gesetzlich verankert. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden von den Behörden geahndet. Hier erfahren Sie, für welche Tiere das Tierschutzgesetz gilt, welche Richtlinien es gibt und wie Sie bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz richtig vorgehen.
 
Hund hinter Gittern © Stock.adobe.com/ksuksa
Das Tierschutzgesetz git für alle Tiere.
Tierschutz hat eine lange Tradition. Schon im Jahr 1837 wurde in Stuttgart der erste Tierschutzverein und das erste Tierheim Deutschlands gegründet. 1933 wurde schließlich das Reichstierschutzgesetz, in dem das absichtliche Quälen von Tieren unter Strafe gestellt wurde, gültig. Große Teile des Reichstierschutzgesetzes sind in unsere heutiges Tierschutzgesetz übernommen worden, das am 1. Oktober 1972 rechtskräftig wurde, und seitdem immer wieder aktualisiert und ergänzt wird. 
 
 

Für welche Tiere gilt das Tierschutzgesetz?

Das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG) gilt für alle Tiere. Jedoch ist es in großen Teilen sehr allgemein formuliert, was es oft schwer macht, gegen Missstände vorzugehen.
 
Tierschutzgesetz §1:

 „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

 
Das deutsche Tierschutzgesetz  gliedert sich in verschiedene Bereiche:
  1. Tierhaltung
  2. Töten von Tieren
  3. Eingriffe an Tieren
  4. Tierversuche
  5. Tierschutzbeauftragte
  6. Zucht, Halten von Tieren, Handel mit Tieren
  7. Verbringungs-, Verkehrs- und Haltungsverbot
  8. Sonstige Bestimmungen
  9. Straf- und Bußgeldvorschriften
 Drei Pferde grasen auf einer Weide
Pferde sollten sich täglich frei bewegen können. ©stock.adobe.com/bmargaret
 

Richtig reagieren, wenn man Verstoß gegen Tierschutzgesetz beobachtet

Verstöße gegen das Tierschutzgesetz liegen im Zuständigkeitsbereich der Länder. Diese haben in der Regel durch Rechtsverordnungen festgelegt, welche Behörde zum Vollzug des Tierschutzgesetzes zuständig sind.
 
Wenn man einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz beobachtet, sollte man folgendermaßen vorgehen:
  1. Im Notfall (Tier in akuter Gefahr) Polizei verständigen
  2. Vorfall dokumentieren (Foto, Video)
  3. Tierschutzrecht prüfen (Liegt ein Verstoß vor?)
  4. Bericht verfassen (Was wurde wann und wo beobachtet? Gibt es Zeugen? – Je genauer die Schilderung ist, desto gezielter können die Behörden reagieren.)
  5. Schriftlichen Bericht an das zuständige Veterinäramt absenden
 

Wichtige Inhalte des deutschen Tierschutzgesetzes

Das Tierschutzgesetz gliedert sich in verschiedene Bereiche. Hier finden Sie eine Kurzzusammenfassung wichtiger Bestimmungen. Zur Beurteilung eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sollte jedoch immer die vollständige Ausführung des Tierschutzgesetzes überprüft werden.
 
1 Tierhaltung (§2)
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
  • muss das Tier artgerecht ernähren, pflegen und unterbringen;
  • darf die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden zugefügt werden;
  • muss erforderliche Kenntnisse und Fähigkeiten für angemessene Ernährung, Pflege und Unterbringung des Tieres aufweisen.
 
2 Töten von Tieren (§4)
  • Ein Wirbeltier darf nur unter wirksamer Schmerzausschaltung (Betäubung) in einem Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit […] getötet werden.
  • Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.
  • Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig regelmäßig Tiere zum Zweck des Tötens betäuben oder töten, haben […] einen Sachkundenachweis zu erbringen.
 
3 Eingriffe an Tieren (§5)
  • An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden.
  • Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.
 
4 Tierversuche (§7)
  • Tierversuche sind im Hinblick auf die den Tieren zuzufügenden Schmerzen, Leiden und Schäden, die Zahl der verwendeten Tiere, die artspezifische Fähigkeit der verwendeten Tiere, unter den Versuchseinwirkungen zu leiden, auf das unerlässliche Maß zu beschränken.
  • Die Tiere, die zur Verwendung in Tierversuchen bestimmt sind oder deren gewebe und Organe dazu bestimmt sind, zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet zu werden, so zu halten, zu züchten und zu pflegen, dass sie nur in dem Umfang belastet werden, der für die Verwendung zu wissenschaftlichen Zwecken unerlässlich ist.
  • Tierversuche dürfen nur von Personen geplant und durchgeführt werden, die die dafür erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten haben.
 
5 Tierschutzbeauftragte
  • Einrichtungen und Betriebe, in denen Wirbeltiere oder Kopffüßler, die dazu bestimmt sind, in Tierversuchen verwendet zu werden, oder deren Organe oder Gewebe dazu bestimmt sind, zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet zu werden, gehalten oder verwendet werden, müssen über Tierschutzbeauftragte sowie […] weitere Personen verfügen, die verpflichtet sind, in besonderem Maße auf den Schutz der Tiere zu achten.
 
7 Verbringungs-, Verkehrs- und Haltungsverbot (§12)
  • Wirbeltiere, an denen Schäden feststellbar sind, von denen anzunehmen ist, dass sie durch tierschutzwidrige Handlungen verursacht worden sind, dürfen nicht gehalten oder ausgestellt werden […].
 
8 Sonstige Bestimmungen (§13)
  • Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist […]. Vorschriften des Jagdrechts, des Naturschutzrechts, des Pflanzenschutzrechts und des Seuchenrechts bleiben unberührt.
 
9 Straf- und Bußgeldvorschriften (§17)
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
  • ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder
  • einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

 

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